Sonntag, 18.April 2010

27.Vienna City Marathon


Firenze Logo 2014 gross bericht

Vorbereitung:

Das erste große Highlight in diesem Jahr rückt immer näher. Der Vienna City Marathon. Auf dieser fast flachen Strecke will ich es mal wieder versuchen. Die Sub 3 soll zum 2.Mal nach Frankfurt 2009 gepackt werden! Allerdings war mein Vorprogramm im März mit 2 gelaufenen Marathons, in Kandel/Bienwald und Freiburg, alles andere als vorteilhaft für solch ein Unterfangen. Trotzdem das Training nach Freiburg weiter angezogen. Mehr aufs Tempo gedrückt, und die langen Läufe auf max 26km beschränkt! Die immer noch anhaltenden Schmerzen im Fußballen links wurden leider nicht besser. Ich lief meine Trainingseinheiten fast nur noch in sehr weichen Schuhen mit Vorfußdämpfung. Damit war es eben am angenehmsten.

Letzte Woche vor Wien. Der letzte lange Lauf stand auf dem Programm. Sollte eigentlich gemütlich werden, nach 3 Tempoläufen unter der Woche (Montag/Donnerstag/Samstag). Aber in der Euphorie bin ich Idiot die ganzen 26km mit einem Schnitt von 4:48min/km gelaufen. Wie blöd muß man eigentlich sein? Die Quittung kam noch am gleichen Tag. Knie und Oberschenkel Schmerzen! Es war einfach zu viel und zu schnell. Die letzte Woche also nur noch 2x ganz vorsichtig gejoggt. Durch jeden Lauf wurden die Schmerzen schlimmer. Ja sogar beim sitzen hat man das gemerkt. Was für tolle Aussichten für Wien. Was kann ich jetzt noch tun? 1x Physiotherapie, Knieinnenseite und Oberschenkel getaped. Hoffen dass ich damit irgendwie den Lauf verletzungsfrei überstehe. 4 verschiedene Schuhe eingepackt um alle Möglichkeiten von weich, hart, gedämpft, gestützt am Wettkampftag offen zu haben. Die Sub 3 habe ich bereits abgeschrieben und auf den Herbst verlegt.

Sehr früh um 5:30 Uhr geht es los. 750km bis Wien. Die Straßen werden voll sein, da ein Vulkanausbruch auf Island den kompletten Flugverkehr kurzfristig lahm gelegt hat. Die Autofahrt zieht sich. Die Knie und die Oberschenkel schmerzen. Ich halte ständig an, um mir die Beine zu vertreten. Endlich! Kurz nach 3, ich habe Wien erreicht. Weiter geht es durch die Stadt zum Messegelände. Ich bin beeindruckt! Alles so sauber. Kein Dreck, kein Papier fliegt rum. Die Gebäude sehen alle aus wie frisch renoviert. Ein Hingucker nach dem andern, ich kann mich kaum auf den Verkehr konzentrieren, so geblendet bin ich. 15:30 Uhr Messegelände erreicht, Startunterlagen klargemacht. Noch ein wenig auf der Messe rumschlendern und weiter geht es in die Unterkunft.


Wien muß sauber bleiben! Wirklich an jeder Ecke steht ein Mülleimer. Die Stadt ist wie geleckt.
Das Messegelände Wien

links: Wien muß sauber bleiben! Wirklich an jeder Ecke steht ein Mülleimer. Die Stadt ist wie geleckt. 
rechts: Das Messegelände Wien

Zur Übernachtung bin ich in einer sauberen und ordentlichen Jugendherberge, im Wiener Stadtteil Brigittenau, ca.3km vom Start entfernt untergebracht. Nach kurzer Erholung von der Autofahrt wird die Innenstadt erkundigt. Um 19:30 Uhr gibt es Abendessen im "La Norma" ganz in der Nähe vom Stephansdom. Alles organisiert von Wolfgang aus Wien für 12 Personen aus dem Runnersworld Forum. Hier nochmal meinen besonderen Dank, für diese herzliche Betreuung und Unterstützung über das gesamte Marathonwochenende. Ich bin viel zu früh, und latsche noch ewig durch die Wiener Innenstadt. Bei jedem Schritt merke ich meine Knie und Oberschenkel, und ich frage mich, wie das morgen nur gutgehen soll. Ich habe mächtig Hunger, ein Glück es ist halb acht.

Beim Essen gibt es außer dem Laufen noch ein anderes Thema. Der Vulkanausbruch und das damit verbundenen Flugverkehrsverbot. Viele hatten günstige Flugtickets erworben, und mußten nun mit der Bahn oder dem Auto anreisen. Einige haben den Marathon sogar komplett gestrichen. Sehr ärgerlich, aber nun nicht mehr zu ändern. Zufälle gibt es manchmal, das ist schon verwunderlich. Da treffe ich beim Abendessen in Wien, auf Yvonne aus Dietzenbach, das ja quasi gleich bei mir um die Ecke liegt. Außerdem sind wir noch in der gleichen Jugendherberge untergebracht. Prima! Da muß ich ja morgen früh gar nicht alleine zum Start losziehen.


Jugendherberge reicht vollkommen, 2 Übernachtungen mit Frühstück für 38,50 Euro.
Da kann sich jede deutsche Stadt eine Scheibe von abschneiden. 24 Stunden Ticket 5,70 Euro!

links: Jugendherberge reicht vollkommen, 2 Übernachtungen mit Frühstück für 38,50 Euro.
rechts: Da kann sich jede deutsche Stadt eine Scheibe von abschneiden. 24 Stunden Ticket 5,70 Euro!

Der Stephansdom, mit ner normalen knipser Kamera gar nicht komplett drauf zu bekommen
Leckeres Abendessen im "La Norma"

links: Der Stephansdom, mit ner normalen knipser Kamera gar nicht komplett drauf zu bekommen
rechts: Leckeres Abendessen im "La Norma"

Sonntag 18.4. Wettkampftag:

Aufstehen um 5:30 Uhr. Läuferbeutel habe ich schon am Vortag gepackt. Bleibt nur noch die Schuhwahl. Die Qual der Wahl. Ich nehme nicht wie geplant die weichen Saucony Schuhe um den gereizten Fußballen zu entlasten, sondern den weit aus härteren Wave Rider. Die Überlegung ist folgende: Lieber mit Schmerzen am Fußballen laufen, als die lädierten Knie und Oberschenkel mit weicherer Dämpfung noch mehr zu strapazieren. So, jetzt schnell noch das Frühstück einnehmen. Ausnahmsweise gibt es das heute schon um 6:30 Uhr. 2 Brötchen mit Käse und Honig, dazu natürlich viel Kaffee.


Auf geht's zur U-Bahn. Jetzt bloß nicht zu viel laufen! Aber Yvonne kennt sich hier schon super aus, nur 10min bis zur Station. Überall sieht man Läufer/innen mit den gepackten Beuteln laufen. Ja, jetzt geht es bald los. Ausstieg in der Uno-City auf der anderen Seite der Donau. Wahnsinn, was hier los ist. Das muß man alles erst mal kapieren. Wo ist mein Startblock? Und wie ist das mit der Kleiderabgabe? Also der Startblock ist schon mal klar. Es wird in zwei Bahnen gestartet, welche kurz vor KM 3 zusammengeführt werden. Mir ist es wirklich ein Rätsel, wie das bei über 30000 Startern ohne größere brems und Ausweichmanövern gerade am Anfang klappen soll. Die Läuferbeutelabgabe befindet sich ganz am Ende des Starterfeldes. Hier stehen LKWs bereit, welche nach dem Start die Beutel in den Zielbereich am Heldenplatz bringen werden. Wie üblich nochmal aufs Dixi Klo, Läuferbeutel weg. Powerriegel gefuttert und ab in den Starterblock.


Startbereich in der Nähe der Uno City
Gleich gehtís los, ab in den Starterblock!

links: Startbereich in der Nähe der Uno City  rechts: Gleich geht's los, ab in den Starterblock!

9:00 Uhr Start:

Nachdem die Eliteläufer um 8:59Uhr losgelassen wurden, setzt sich jetzt das riesige Hauptfeld von Marathon und Halbmarathon Läufer/innen in Bewegung. Die Befürchtungen, am Start im Läuferstau stecken zu bleiben waren unnötig. Gerade mal 35 Sekunden nach dem Startschuß passiere ich die Messmatte der elektronischen Zeiterfassung. Natürlich muß man hier den einen oder anderen Schlenker laufen, aber das habe ich z.B. in Frankfurt oder auch anderswo viel schlimmer in Erinnerung. Gleich der erste Highlight zu Beginn des Marathons. Sofort geht es nach dem Start über die Reichsbrücke. Man hat einen fantastischen Blick auf das Donauufer und die Stadt. Wahnsinn ! KM 1 kommt schon und jetzt bin ich gespannt. 4:30min/km, genau richtig für den Anfang. Mein erster Eindruck: Knie sind etwas wackelig, aber keine Schmerzen. Der Fuß sitzt sehr gut im Schuh, gereizter Fußballen macht keinen Ärger. Und ich bin irgendwie gut drauf! Reichsbrücke runter, Fahrt aufnehmen. KM2 in 4:00min. Top! Linkskurve am Praterstern, beide Laufspuren führen nun zusammen. Auch hier keine größeren Probleme trotz großer Läufermasse.


Auf der Hauptallee geht es weiter, das KM 3 Schild fliegt mit ner 4:04min/km an mir vorbei. So jetzt aber mal schön cool bleiben und nicht überpacen! KM4 kommt und ich schaue ungläubig auf die Uhr 3:59min/km. Das kann nicht gutgehen! Den ersten Getränkestand lasse ich wie immer aus. Die Gegend im Prater ist sehr grün. Viele Bäume, die Sonne blinzelt durch die Blätter. Es macht einfach im Augenblick eine riesen Freude hier zu laufen. Abzweig in die Stadionallee. Messmatte für KM5 kommt. 3:53 für KM5 und 20:26min insgesamt! Wir sind doch hier nicht auf einem 10er Volkslauf! Jetzt muß Tempo raus, sonst kann ich das Ding hier in spätestens einer Stunde abhaken! Abzweig in die Schüttelstraße direkt am Ufer das Donaukanals. Toller Blick auf die andere Seite. Die Temperaturen steigen langsam an. Das könnte ein kleiner Nachteil werden. Es soll heute bis knapp an die 20 Grad werden. Mit 4:08 und 4:18 für KM 6 und 7 habe ich jetzt das Tempo leicht gedrosselt, aber trotzdem ist das eigentlich für meinen Anspruch zu schnell. Die Zuschauer machen tolle Stimmung, das ganze drum herum. Es ist so toll hier, ich denke überhaupt nicht an die Knie, die Fußballen. Es läuft! Und wie KM8 in 3:43 und KM9 in 4:04min/km. Jetzt Untere Donaustraße, dann ganz leichter Anstieg die Schwedenbrücke über den Donaukanal. Franz Josefs Kai auf der Innenstadtseite des Donaukanals. Super Stimmung! Enge Zuschauergasse, Kinderhände abklatschen....ein bisschen "Luxembourg Marathonfeeling" kommt auf. Abzweig in den Wiener Ring. Hier läuft jetzt klassische Wiener Opernmusik über Lautsprecher. Normal ist sowas ja zum Einschlafen ganz gut, aber hier passt es wirklich, denn wir sind ganz in der Nähe der Oper.


Wien muß sauber bleiben! Wirklich an jeder Ecke steht ein Mülleimer. Die Stadt ist wie geleckt.
Die Wiener Staatsoper. Die Streckenführung ist wirklich genial, man bekommt sehr viel zu sehen. Bildquelle: BWag

links: Kurz vor KM3 am Praterstern werden die beiden Startlinien zusammengeführt
rechts: Die Wiener Staatsoper. Die Streckenführung ist wirklich genial, man bekommt sehr viel zu sehen. Bildquelle: BWag

Die KM10 Messmatte wird bei 40 Minuten 56 Sekunden überquert. Jetzt frage ich mich wo das hinführen soll? Ich merke so langsam dass dieses brutal hohe Anfangstempo sehr viel Kraft gekostet hat. Aber so gut war ich noch nie bei einem Marathon unterwegs. Die Knie, die Füße alles spielt bisher gut mit. Also das Ziel kann jetzt nur noch lauten: Sub 3, auf geht's!!!! Ab jetzt wird die Strecke leicht ansteigen ca.50 Höhenmeter kontinuierlich bis KM19. Das wird man leicht merken. (danke für den Hinweis beim Abendessen von den Wiener Insidern). Wenn ich das hinter mich gebracht habe, dann schauen wir mal was die Halbmarathonzeit sagt. Vorbei geht es an der Secession, rein in die Linke Wienzeile Richtung Schloss Schönbrunn.


Den leichten Anstieg nehme ich erst mal kaum wahr. KM 11 und 12 mit je 4:02min/km genommen. Jetzt merke ich doch schon ein bisschen das hohe Tempo. Zur Ablenkung stecke ich mir so ein Schaum Ding mit Koffein in die Backen. Soll ja angeblich super schnell wirken (wenn man dran glaubt). Die Wien Zeile zieht sich. Ich halte die Pace von 4:09 bis zur KM15 Messmatte. Gesamtzeit 1:01:26. Mal kurz hochrechnen. Das wären ja bereits über 2 1/2 Minuten "Vorsprung" auf die Sub 3! Nicht blenden lassen, sowas hatten wir ja schon öfter. Einfach weiterlaufen. Am Schloss Schönbrunn geht es die Schlossallee hinauf, Abzweig Mariahilfer Straße.


Die Wiener Secession war eine Vereinigung bildender Künstler in Wien. Bildquelle: Gryffindor
Westlichster Punkt der Strecke, Schloss Schönbrunn. Bildquelle: Lucas7777

links: Die Wiener Secession war eine Vereinigung bildender Künstler in Wien. Bildquelle: Gryffindor
rechts: Westlichster Punkt der Strecke, Schloss Schönbrunn. Bildquelle: Lucas7777

Puh! Jetzt merke ich es auch an den Zeiten KM16 4:17 und KM17 nur 4:24min/km. Aber das macht gar nichts, ich bin gut unterwegs, die Probleme mit den Knien sind wie ausgeblendet, der Fußballen regt sich auch nicht, also weiter, nicht locker lassen, dran bleiben. Stimmung wird besser, es geht Richtung innere Stadt. Die nächsten beiden KM (je 4:10) kann ich wieder etwas zulegen. Für die Halbmarathonies ist bereits der Schlußspurt angesagt. Ich lasse mich mitreisen und drücke den KM 20 mit 3:48 ab. Tolle Stimmung hier im Zielbereich. Links ab in den Burgring. Hier verzweigt sich jetzt Marathon und Halbmarathon. Zum ersten Mal kann man erahnen was hier am Heldenplatz für eine Stimmung ist. Halbmarathondurchlauf mit 1:27:03, das haut mich echt aus den Latschen. Das ist meine 2.beste Halbmarathonzeit! Was läuft denn hier heute für ein Film? Fast 3 Minuten schneller als der Sub 3 Plan. Das muß ich heute einfach packen ! Die Strecke ist abschüssig, weiter Fahrt aufnehmen. Vorbei am Wiener Rathaus. KM22 in 4:00. An der Seite ein Polizeiauto mit der Geschwindigkeitsanzeige auf dem Dach. Schöne Idee. Bei mir zeigt das Ding 14km/h. Weiter die Lichtensteinerstraße. KM23 wieder 4:00! Ich fasse es nicht. Das wird heute klappen!


Es geht in Richtung Friedensbrücke. KM24 weiterhin mit 4:12 voll im Plan. Über den Donaukanal rüber auf die windanfällige Donaustraße direkt am Donaukanalufer. Jetzt wird es ungemütlich. Der Wind pfeift empfindlich von der Seite. Ich stemme mich mit aller Gewalt dagegen und versuche so die Pace zu halten. Die 25km Messmatte kommt. 3:56min/km und 1:42:47 insgesamt. Das ist wirklich der Hammer. Kurze Hochrechnung ergibt : 3 Minuten 51 Sekunden Vorsprung auf Kurs Sub 3. Aber jetzt wird der Seitenwind immer schlimmer. Das schlaucht, die Kräfte schwinden. Die Zuschauer sind nun auch nicht mehr so zahlreich an der Strecke. KM26 und 27 fallen mit 4:34 und 4:20 schon weit schlechter aus. Dieses Donauufer, wie lange geht das denn noch? Versaut mir das jetzt noch alles? Los weiter, das lasse ich mir doch jetzt nicht vom Brot nehmen. Plötzlich auf der anderen Straßenseite ein riesen Aufgebot von Autos, Motorrädern, als wenn hier gleich der Pabst vorbeifahren würde. Aber am Ende der ewigen Schlange von Motorrädern ist nicht der Pabst, sondern Paul Kimogul aus Kenia der momentane Führende des Marathons. Dicht gefolgt von weiteren Afrikanern und zwei Polnischen Läufern. Nebenbei bemerkt, gewinnen wird am Ende Henry Sugut aus Kenia in 02:08:40. Aber wo bleibt den nur Günther Weidlinger ? Endlich da kommt sein Auto. Damit es auch der letzte Zuschauer kapiert, fährt extra ein Smart mit dem Schild Günther Weidlinger auf dem Dach voraus. Aber der Lokalmatador sieht nicht gerade glücklich aus. Er scheint Probleme zu haben. Der Mann ist mir sowieso sympathisch also feuere ich ihn an. Auf weiter Günther ! Wann hat man schon mal die Möglichkeit Günther Weidlinger in noch nicht einmal 2 Metern Abstand direkt zu unterstützen. Was für Weidlinger die Sub 2:10 ist, das ist für mich die Sub 3. Also kämpfen gegen den Wind. KM29 wieder ne 4:04. Na bitte, es geht doch noch. Der Einbruch ist noch nicht da. Jetzt geht es weg von Donauufer in den Prater. Der Wind ist nicht mehr so heftig. Doch die Kräfte lassen jetzt endgültig nach. 4:34 für KM 30 und 2:04:45 insgesamt. Macht nach Hochrechnung auf Sub 3 noch 3 Minuten 12 Sekunden Vorsprung. Noch 12 KM, Auf! Durchbeißen! Jetzt die Wendeschleife am Ernst-Happel-Stadion. Schon wieder so ne windanfällige Stelle.


Grandiose Laufkulisse : Wiener Rathaus. Bildquelle: Berthold Werner
Das Ernst Happel Station, hier haben also unsere National Kicker das EM Endspiel gegen Spanien verloren. Bildquelle: Soerfm

links: Grandiose Laufkulisse : Wiener Rathaus. Bildquelle: Berthold Werner
rechts: Das Ernst Happel Station, hier haben also unsere National Kicker das EM Endspiel gegen Spanien verloren. Bildquelle: Soerfm

Schleife am Stadion passiert. Kurzes Stück zurück, vorbei an KM31(4:18) und rein in die Hauptallee runter zum Lusthaus. Für diese Wendestrecke haben sich die Organisatoren was ganz besonderes einfallen lassen. Alle paar 100 Meter sind Lautsprecher aufgestellt, und es dröhnt die Musik aus "Fluch der Karibik" auf die Läufer. Eine tolle Idee. Obwohl ich noch nie einen dieser Filme komplett gesehen habe, beflügelt mich die Musik. KM 32 und 33 in 4:25 und 4:22. Wende am Lusthaus. Wieder die ganze Strecke zurück zur Stadionallee. Pace jetzt wieder für die nächsten 2 km bei 4:17min/km.


Die KM35 Messmatte kommt. 2:26:24. Das macht immer noch 2min 53sek Vorsprung auf die Sub 3. Wieder runter zum Donau Kanal. 2km müssen hier noch mit Seitenwind gelaufen werden. Nochmal ein Gel mit Koffein eingeworfen. Inzwischen meldet sich die rechte Wade. Das fühlt sich an wie kurz vorm Krampf. Jetzt hat alles so super geklappt. Knie, Füße alles durchgehalten und jetzt bahnt sich da ein ganz anderes Problem an. Auf komm' es wird gehen die letzten 7km. Durchbeißen ist jetzt angesagt. Wind am Donauufer ist zum Glück nicht mehr so schlimm. Ich bin mit Zeiten von 4:22 (KM36) und 4:15 (KM37) weiter voll im Soll. Noch 5 KM bis zum großen Triumpf. Es ist jetzt wirklich hart, die Wade meldet sich immer mehr. Doch da kommt ein Lichtblick. Wolfgang und Katja vom gestrigen Runnersworld Forumsabendessen stehen an der Strecke und machen mir Mut für die letzten Kilometer.


Wende in der Hauptallee am Lusthaus, ab hier noch 9 KM bis zum Ziel Bildquelle: Acp
KM 38, noch gut 4 Kilometer trennen mich von einer möglichen neuen Marathonbestzeit Bildquelle: Katja Wist

links: Wende in der Hauptallee am Lusthaus, ab hier noch 9 KM bis zum Ziel Bildquelle: Acp
rechts: KM 38, noch gut 4 Kilometer trennen mich von einer möglichen neuen Marathonbestzeit Bildquelle: Katja Wist

Ich baue weiter ab. KM38 wird ne 4:35. Die kleinen Anstiege jeweils an den Brückenköpfen werden zur echten Herausforderung. Direkt vor mir fährt ein Radfahrer der die Straße überqueren will, in einen Läufer rein. Was für ne überflüssige Aktion. Hoffentlich kommt der Läufer wieder in Tritt. Aber so wie es aus sieht, ist zum Glück nichts passiert, er läuft verärgert weiter. Da ist endlich die Franzensbrücke über den Donaukanal. Rüber gehts. KM39 in 4:30min. Jetzt geht echt nix mehr, das Limit ist erreicht. Noch 3km durchhalten. Über den Radetzkyplatz geht es in die vordere Zollamtstraße. Ich quäle mich über den Asphalt. Wo bleibt die KM40 Marke? Das nimmt ja gar kein Ende mehr. Da kommt die "40" mit der Messmatte. 4:37 für KM40 und 2:48:44 insgesamt. Der Vorsprung auf die Sub 3 ist auf 1 Minute 53 zusammengeschmolzen, und das ja auch nur bei einem 4:15er Schnitt. Aber an Sub 3 denke ich schon lange nicht mehr. Die alte Bestmarke von 2:59:40 aus Frankfurt 2009 muß geknackt werden! Bis ins Ziel ist die Strecke jetzt auch noch leicht ansteigend. Über die Weiskirchnerstraße wieder rüber in den Ring. Vorbei am Stadtpark. Alles mobilisieren was noch geht. Die Wade verhärtet immer mehr. Weiter im Kärntner Ring. KM41 in 4:34min/km das ist ok. 2:53:18 stehen auf der Uhr. Ich muß einfach nur so weiterlaufen, dann fällt heute die alte Bestmarke. Vorbei an der Staatsoper. Ich kann den Lärm von Heldenplatz hören. Das wird heute der größte Erfolg in meiner Freizeitläufer Laufbahn werden. Durchhalten!!! Zähne zusammenbeißen. Da kommt auch schon das Völkerkunde Museum zur rechten. Dahinter ist der Heldenplatz. Ich habs gleich. Noch die paar Meter. Die Stimmung ist super! KM42 Schild ist sichtbar.


Fast geschafft. KM42 fest im Blick. Noch 200m bis zur neuen Marathonbestzeit
Die letzten 200 Meter. Unter tosendem Beifall durchs Heldentor treibt mir fast die Tränen in die Augen

links: Fast geschafft. KM42 fest im Blick. Noch 200m bis zur neuen Marathonbestzeit
rechts: Die letzten 200 Meter. Unter tosendem Beifall durchs Heldentor treibt mir fast die Tränen in die Augen

Nochmal ein prüfender Blick auf die Uhr. KM42 in 4:37min/km. Gesamtzeit 2:57:55. Das reicht ganz locker zur neuen PB. Was für ein Knaller. Durch das Heldentor auf den Heldenplatz. Einfach nur genial diese Kulisse für das Ziel zu nehmen. Noch ein paar Meter. Endspurt mit allem was noch geht. Der Zielbogen kommt. Jaaaaa!!! Geschafft!!!! Wien Marathon in 2:58:43 gelaufen!!!! Das halte ich im Kopf nicht aus.


Im Zielauslauf, kurz sammeln und dann den Läuferbeutel abholen. Doch dafür muß ich erst einmal über den ganzen Heldenplatz gehen. Die LKWs mit den Beuteln stehen ewig weit weg vom Zielbereich. Aber trotzdem, eine logistische Meisterleistung des Wien Marathon Orgateams. Bedenkt man doch, wie viele Leute hier am Start waren.


Geschafft!!!! 2:58:43 !!! Heute Abend wird gefeiert!!!
Der Marathon hinterläßt seine Spuren. Überall Bananenschalen und leere Getränkeflaschen

links: Geschafft!!!! 2:58:43 !!! Heute Abend wird gefeiert!!!
rechts: Der Marathon hinterläßt seine Spuren. Überall Bananenschalen und leere Getränkeflaschen

Geduscht wird in den Feldduschen der Bundesmarine. Eng, aber es geht doch irgendwie. Frisch geduscht geht es in ein Cafe zum Forumstreff. Wie üblich brauche ich eine Ewigkeit zum Duschen, und so ist es kein Wunder, dass nur noch ein paar Leute beim Treff sind. Wolfgang der einheimische Wiener kümmert sich wieder rührend um uns. Nochmal zurück zum Heldenplatz. Hier warten noch die Lauffreunde aus Hannover.


Allen Grund zum Strahlen. Wien Marathon geschafft. Frank, Holger, Moni, Nobby und Yvonne. Foto: Wolfgang Zissler
Rückweg zur U-Bahn. Vorbei an der Spanischen Hofreitschule

links: Allen Grund zum Strahlen. Wien Marathon geschafft. Frank, Holger, Moni, Nobby und Yvonne. Foto: Wolfgang Zissler
rechts: Rückweg zur U-Bahn. Vorbei an der Spanischen Hofreitschule

Im Prater läßt sich es sich schön feiern
Servus Wien, es war sehr schön! Ein unvergessliches Marathonerlebnis mehr

links: Im Prater läßt sich es sich schön feiern
rechts: Servus Wien, es war sehr schön! Ein unvergessliches Marathonerlebnis mehr.

Lauf Analyse Wien 2010 (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)

oben: Lauf Analyse Wien 2010 (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)