Sonntag, 15.April 2018

11.Marathon deutsche Weinstraße


Weinstrasse 2018

Der erste Marathon nach einer extrem langen Pause. Was war passiert?

Gut 3 Wochen nach dem, ebenfalls ohne Vorbereitung und Training gelaufenen Frankfurt Marathon nimmt das Drama seinen Lauf.....

Es entwickelt sich ein Ermüdungsbruch in der rechten Ferse! Entgültig festgestellt und operiert ca. einen Monat nach dem auftreten.

Eine Konservative Behandlung kam für mich nicht in Frage. Viel zu knapp die Zeit zum Marathonauftakt in Hannover am 8.April. Das würde bis dahin nicht vernünftig ausheilen. Trainingsvorbereitung gäbe es auch nicht. Außerdem riet der Arzt sowieso zur OP nachdem er gehört hat, was für mich alles bereits jetzt auf dem Plan steht……


Da gibt es keine zwei Meinungen. Ermüdungsbruch in der Ferse schöne Scheiße! MRT vom 8.Dez.2017.
Da gibt es keine zwei Meinungen. Ermüdungsbruch in der Ferse schöne Scheiße! MRT vom 8.Dez.2017.
Nicht lange rumgefackelt. OP am 11.Dez. Zwei Schrauben fixieren jetzt den Bruch! Aufnahme kurz nach der OP
Nicht lange rumgefackelt. OP am 11.Dez. Zwei Schrauben fixieren jetzt den Bruch! Aufnahme kurz nach der OP

In der Theorie sah die Behandlung der Fraktur so aus:

- Operation 11.Dezember
- Absolute Entlastung vom Fuß mit Hilfe von Krücken (2-3 Wochen) und Spezialschuh bis Ende Januar
- Nachkontrolle durch Röntgen Ende Januar, 1-2 Wochen normaler Alltag in weichen Schuhen und den Fuß wieder zu aktivieren.
- Einstieg leichtes, langsames und sehr dosiertes Laufen Anfang bis Mitte Februar
- März Lauftraining steigern, weiterhin ohne Tempo - April Training anpassen, etwas forcierter.
- 8.April wenn keine Probleme auftreten, Hannover Marathon locker durchlaufen

Die Praxis ist leider immer anders als man denkt bzw. hofft!

- Nachkontrolle zeigt normalen Heilungsprozess
- Schmerzen und ständige Schwellungen in der Eingewöhnungsphase auch ohne Sport
- Trainingseinstieg um fast 2 Wochen verzögert, da weiterhin Schmerzen und Unbeweglichkeit beim gehen
- Trainingseinstieg fast Mitte Februar unter Schmerzen und starken Schwellungen beider Füße! (verletzter Fuß mehr)
- Kein Fortschritt, Schmerzen bleiben, Training stockt - Max. 10-12km mehr geht nicht, danach Schwellungen, Schmerzen und mindestens 2-3 Tage kein Training bis sich alles wieder normalisiert hat
- Probleme mit dem Lymphabfluss werden festgestellt und mit Kompressionsstrumpf behandelt, nur bedingt Besserung
- Selbst im März trete ich noch auf der Stelle. Keine Besserung. Teilweise 1-2 Wochen Zwangspause vom Training.
- Ende März gerade so 17km machbar. Weiter Schwellungen und Schmerzen. Am besten geht es noch in extrem weichen Hoka one one, welche ursprünglich für 100km oder 24 Stunden Läufe gedacht waren
- Das Schicksal schlägt gnadenlos zu! Hannover Marathon wegen Trauerfall in der Familie abgeblasen, stattdessen gerade so 22km im 6’er Schnitt als Training gelaufen. Danach platt wie nach einem Ultra Marathon

- 15.April Marathon deutsche Weinstraße.

Den eigenen Verein will ich auf keinen Fall enttäuschen.
Das komplette Programm wird durchgezogen!
Mittwoch Startunterlagen eintüten, Samstag im Festzelt Helfereinsatz und Sonntag muß der Marathon irgendwie gefinischt werden!
Keine Experimente mit dem Essen! Die Pastaparty im Festzelt lasse ich sausen und bekoche mich selber zu Hause. Um 21:30Uhr steht endlich das Essen auf dem Tisch. Es sind einfach die besten Nudeln! Barilla Capellini No 1, das alles zusammen in die Pfanne mit Aubergine, Zucchini, Zwiebel und Knoblauch. Einen Mega Salat dazu….fressen bis zur Kotzgrenze! Ein Weizen wird auch noch abgestürzt! Jetzt passt alles. 23:30Uhr im Bett ist noch gerade so vertretbar, wenn um 5 Uhr der Wecker klingelt.

Frühstück besteht aus extrem starken Kaffee, 3 Brötchen, Banane, Honig, Marmelade und ein Ei. Alles im Plan wie immer. Fahrt nach Grünstadt, alte Laufkumpels treffen, plaudern, umziehen, Startlinie! Aber diesmal ziemlich weit hinten……ein 6’er Schnitt ist drin. Die Frage eben, wie lange……es kommen ja noch jede Menge Erschwernisse hinzu:
Höhenprofil durch die Weinberge
extrem kraftraubende weiche 100km Hoka Schuhe, als einzige Alternative nach der Stressfraktur
keine langen Läufe, keine Tempoeinheiten, nur locker gerade mal 180km Trainingskilometer mit Schmerzen

Also gut! Irgendwie muß das Ding hier abgeregelt werden! Zielschluss ist nach 5:30 Stunden. Über sowas hab ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Heute ist das durchaus von Bedeutung! Mit Verzögerung um 10 Minuten fällt der Startschuss. Anlaufen bisschen langsamer als 6’er Schnitt. Im Läuferpulk ist sowieso nicht mehr drin. Aber selbst das merke ich nach ein paar Metern schon ganz gut. Das Training fehlt halt!

Der operierte Fuß läuft unrund. Die Achillessehnenansätze ziehen ziemlich heftig. Das muß sich geben. Etwas Ablenkung auf den ersten Kilometern gibt es genug! Viele Laufnekannte treffe ich unterwegs im Feld. Da läßt es sich gut plaudern. Aber das ständige auf und ab über Asselheim, durch Grünstadt bis nach Kleinkarlbach zermürbt mich jetzt schon. Immerhin KM10 ist nach einer Stunde passiert. Der Anfang wäre damit gepackt. Weiter geht es mit Höhenprofil. Bobenheim, Weisenheim und Leistadt. Platz zum laufen gibt es mittlerweile genug, dann die Halbmarathonies sind schon fast wieder im Ziel. Bei mir ist es erst KM15. Reicht eigentlich schon für heute!

Ein Glück ist der Abschnitt nach Bad Dürkheim hauptsächlich abschüssig. Die verschraubte Ferse scheint das doch ganz gut auszuhalten. Aber die Energie fehlt mir komplett! Da ist heute alles anders als in den ganzen Marathons vor 2018. Sowas von untrainiert, und nicht Mal die Hälfte geschafft! Da muß ich jetzt durch!

Die Stimmung in Bad Dürkheim ist echt gut. Bisschen Abwechslung ist auch dabei, so lassen sich die Schwächeperioden kurzzeitig ausblenden. Aber kaum die Halbmarathon Messung passiert, da holt einem die knallharte Wirklichkeit wieder ein! Stimmung weg, 2:03:48 die HM Zeit und jetzt geht's fast nur noch rauf! Wenigstens ist diese blöde Schleife an der Bundesstraße bald vorbei. Genervte Autofahrer im Stau mit laufendem Motor! Keine schöne Laufkulisse.

Die nächsten Kilometer nach Herxheim rauf sind brutalse Quälerei. In den Orten Ungstein und Kallstadt gibt es wie immer Unterstützung, aber die Abschnitte außerhalb sind diesmal besonders trostlos! Das Höhenprofil wird etwas angenehmer. KM30 ist durch, so zäh alles heute! Es muß gehen! Es gibt keine andere Option! Du wolltest es so, hier ist es! Jetzt mach es auch und zwar gescheit! Durchbeißen!

Sehr schade dass die Strecke durch die Weinberge aufgrund der Bauarbeiten für die neue Umgehungsstraße ziemlich gelitten hat. Da wird es nochmal so schwer. Der Hügel vor Grünstadt macht mich total kaputt. Aber er ist durch! Jetzt noch das Heimspiel durch Grünstadt, dann ist doch fast alles erledigt. Ja von wegen! Die gefürchtete Asselheimer Wand. Ja bin ich denn der einzige, welcher hier noch läuft? Tja, das ist die 4 Stunden plus Region... ich muß mich so langsam daran gewöhnen.

Mir egal was die anderen machen, ich ziehe das durch ohne Gehpausen! Nur dann kann zufrieden sein! Die letzen Kilometern gehören mit zu den schlimmsten, die ich bisher gelaufen bin. War klar, so ohne Training! Dafür ist die Freude im Ziel um so größer. Auch mit einer Zeit von 4:12:35! Der Anfang ist gemacht! Jetzt muß ich dranbleiben!