Sonntag, 21.Februar 2016

32.Marathón de Sevilla


Sevilla Logo 2016 gross

Der Sevilla Marathon kommt viel zu früh. Ich bin überhaupt nicht erholt. Viel zu sehr stecken die 30 Marathons aus 2015 in den Knochen. Dazu kommen noch große Trainingsumfänge im Dezember und Januar dazu. Die Grundschnelligkeit ist total im Eimer. Das haben die letzten Intervall Einheiten und der 10km Test beim Groß Gerauer Frühjahrslauf schonungslos gezeigt. Noch nicht mal ne 4:15'er Pace über 1,5km kann annähernd gehalten werden! Da blieb nichts anderes übrig, als die Woche vor dem Marathon, extrem runterzufahren. 14,5km Dienstags und 8,1km am Donnerstag sollte die Balance zwischen Übertrainierung und Erholung wieder herstellen. Ein weiteres Problem stellen die wenigen Schlafstunden dar. Die Zeit alles unter einen Hut zu bringen, reicht vorne und hinten nicht mehr. Da wird immer mehr vom wichtigen Schlaf abgeknapselt. Daran gewöhnt sich der Körper sehr schnell. Die Folge ist, dass man selbst am Sonntag schon um 5 Uhr wach ist, und nicht mehr Einschlafen kann.

Freitag 19.Feb.

Ein ganzer Tag geht für die Anreise nach Sevilla drauf. Es gibt keinen Direktflug von Frankfurt. Ein Zwischenstopp in Lissabon von 5,5 Stunden beim Hin-, bzw. 6,5 Stunden beim Rückflug muß in Kauf genommen werden. Obwohl die Marathon Expo am Freitag bis 20:30Uhr geöffnet hat, ist man gezwungen, die Startunterlagen erst am Samstag zu holen.
 Es reicht einfach zeitlich nicht! Das Expo Gelände hat keinen direkten Bus/Bahn Anschluss zum Flughafen. Das öffentliche Verkehrsnetz von Sevilla ist auf den ersten Blick unübersichtlich, aber günstig. 4 Euro kostet der Bustransfer vom Flughafen in die Innenstadt.

Meine Unterkunft befindet sich Nahe der Kathedrale von Sevilla. Quasi mitten im Tourizentrum. Warum das Hostel "Sevilla Kitsch Hostel Art" heißt, wird mir schnell klar. Hier ist einfach alles mit viel Engagement und Hingabe kunstvoll gestaltet. Eine sehr schöne alternative Unterkunft. Der Aufenthaltsraum ist gleichzeitig Frühstücksraum, Küche und "Art-Zimmer" des Künstlers in einem. Sehr eng, aber das hat was. Die Küche kann man mitbenutzen. Ich frage mich nur, wo denn da beim Frühstück alle sitzen sollen? Na gut, wir werden sehen. Das Frühstück ist im Übernachtungspreis enthalten, und gibt es ab 8:30Uhr. Viel zu spät für den Lauftag und den Abreisetag. Also nur einmal das volle Programm, sonst Selbstversorgung. Schade, das hat sich nicht gelohnt. Ein Bon über 2 Pancakes + Orangensaft wird mir für das Frühstück in die Hand gedrückt.

Wenn schon mal ne Küche da ist, dann kann ich mich mit Nudeln und Tomatensoße selbst versorgen. Das spart Geld und viel Ärger mit zu kleinen Portionen. Außerdem weiß man was drin ist, wenn man es selber macht. In der Mini Küche vom Hostel regiert das Chaos. Die Mitarbeiter haben den kompletten Herd in Beschlag. Alle Tische sind belegt, zum zubereiten der Speisen. Heute wird gekocht was das Zeug hält. Ein Mitarbeiter hat seinen letzten Tag. Es geht hoch her. In einer Ecke malt jemand an einem neuen Bild herum, und läßt sich nicht aus der Ruhe bringen. Zwischendurch darf ich dann auch mal schnell den Topf auf den Herd stellen. Unter erschwerten Bedingungen wird eine große Portion Spaghetti mit Tomatensoße zubereitet. Auf jeden Fall ist hier scheinbar immer viel los!


Mit ner Propellermaschine von Lissabon nach Sevilla
Mit ner Propellermaschine von Lissabon nach Sevilla
Das "Sevilla Kitsch Hostel Art", meine Unterkunft für die nächsten 3 Nächte mitten im Tourizentrum von Sevilla
Das "Sevilla Kitsch Hostel Art", meine Unterkunft für die nächsten 3 Nächte mitten im Tourizentrum von Sevilla

Schon der Empfang vom Hostel verspricht einiges
Schon der Empfang vom Hostel verspricht einiges
Frühstückszimmer, Küche, Aufenthaltsraum und Künstlerecke in einem Raum.
Frühstückszimmer, Küche, Aufenthaltsraum und Künstlerecke in einem Raum.

Mitten im Aufenthaltsraum/Küche befindet sich das "Studio". Hier entstehen all die Kunstwerke im Hostel.
Mitten im Aufenthaltsraum/Küche befindet sich das "Studio". Hier entstehen all die Kunstwerke im Hostel.
Kunst statt langweiliger Zimmernummern. Tür ist individuell gestaltet.
Kunst statt langweiliger Zimmernummern. Tür ist individuell gestaltet.

Das Zimmer ist sauber und ordentlich.
Das Zimmer ist sauber und ordentlich.
Selbstversorgung statt Aausbeutung im Restaurant. Große Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Cruzcampo Bier mit 1% Alkohol schmeckt gar nicht mal so schlecht.
Selbstversorgung statt Ausbeutung im Restaurant. Große Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Cruzcampo Bier mit 1% Alkohol schmeckt gar nicht mal so schlecht.

Samstag 20.Feb.

Man hält es nicht für möglich! Ich wache erst um 8:30Uhr auf! Und das auch nur weil der Sicherheitswecker klingelt! Ich habe zwar ein bisschen was vor heute, aber der Schlaf hat mir gut getan! Jetzt ein leckeres Frühstück! Mal sehen was es so gibt. Irgendwie seltsam. Keine Teller auf dem Tisch. Ein Mädchen vom Hostelteam brutzelt was auf dem Herd. Ich frage nach dem Frühstück und werde auf die Pancakes und den Orangensaft verwiesen. Wie? Und Brötchen, Brot, Marmelade? Nö, es gibt nur die Pancakes! Ah ja! Jetzt wird es mir klar, warum da niemand sitzt und frühstückt. Nein Danke! Fettige Pfannkuchen und sonst nix, das muß nicht sein! Für die Pancakes müßten sowieso erst mal Eier geholt werden. Die letzten beiden sind gerade in der Pfanne! Aber ich kann gerne die Sachen aus dem "free for all" Regal nehmen, welche noch übrig sind. Zur Not kann Sie mir auch von Ihrem eigenen Toastbrot was abgeben. Also das kommt gar nicht in die Tüte. Ich gehe jetzt rüber in den Mini Supermarkt und hole mir ein bisschen was. Kostet in Sevilla ja relativ wenig. Hauptsache es gibt Kaffee und ich kann gemütlich sitzen. Da mache ich mir den Kram eben selbst. Das ist ja nicht so schlimm.

Total gesättigt und entspannt, geht es dann endlich zur Marathon Expo. Ca.20 Minuten bis zur Bushaltestelle sind zu laufen. Der reguläre Linienbus kostet kaum was, aber er hält einfach überall. Es dauert ewig bis man an der Marathon Expo angekommen ist. Kam man noch in Barcelona mit English fast überall weiter, spricht das in Sevilla so gut wie niemand mehr. Das macht es nicht einfach. Es sind viele Dinge unklar. Einen richtigen Helpdesk gibt es nicht. So wird einfach jemand bei der Startnummernausgabe gefragt. Wie ist das mit dem Start morgen früh um 9Uhr vom "Estadio de la Cartuja"? Wie komme ich da hin? Zum laufen viel zu weit. Gibt es denn einen Shuttle Bus? Nach langem hin und her endlich die Antwort. Ja, sowas gibt es. Ab 7:10Uhr fahren ein paar Busse von 3 bekannten Hotels ab. Die 3 Haltestellen der Shuttlebusse sind fast genauso weit weg, wie der Start selbst. Bringt also nichts! Der Mitarbeiter am Stand der öffentlichen Verkehrsmittel kann mir auch nicht genau sagen, ob die normalen Linienbusse fahren? Ich könnte ja die Hotline anrufen! Super! Da wird wohl nur ein Taxi übrig bleiben! Ansonsten ist die Messe nichts Außergewöhnliches. Es gibt natürlich, den mittlerweile in Mode gekommenen offiziellen Schuh zum 32.Marathon de Sevilla. Sehr farbenfroh und vom Sponsor New Balance. Eines kann ich doch noch brauchbares zwischen den ganzen Werbezetteln der Startertüte ausfindig machen. Sieht aus wie ein Gutschein vom Hop on Hop Bus. Die Stadtrundfahrt wollte ich ja sowieso machen.

Auf dem Rückweg zur Innenstadt treffe ich einen spanischen Marathonläufer, mit dem ich schon am Freitagabend im Airportbus geplaudert hatte. Ich zeige Ihm den Coupon. Tatsächlich! Mit dem Schein in Kombination mit der Startnummer, kann man die komplette Hop on Hop Tour umsonst machen! Ich muß den Gutschein allerdings vorher im Tourist Büro einlösen. Ja kein Problem! Das Tourist Büro ist gleich bei mir um die Ecke! Das ist ja wohl mal ein Schnapp! Satte 25€ gespart! Die Hop on Hop Tour mache ich am späten Samstagnachmittag bei super Wetter! Hinterher wird die Besichtigung vom "Torre del Oro" und ein Spaziergang durch den Stadtkern von Sevilla gleich mit durchgezogen.

Zum Abendessen koche ich mir eine Monster Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Die Mitarbeiter vom Hostel halten es kaum für möglich, dass man so viel Nudeln verdrücken kann...ich schon....Für den Transfer zum Start bestelle ich nach reichlicher Überlegung doch ein Taxi. Es geht nicht anders. Ich kenne mich in Sevilla nicht aus. Noch die Tasche packen, Frühstück soweit bereitstellen. Das wars für heute. Total vollgefressen liege ich um 23:15Uhr im Bett.


Die Marathonexpo befindet sich nur 2km vom Flughafen entfernt. Trotzdem gibt es keine Direktverbindung.
Die Marathonexpo befindet sich nur 2km vom Flughafen entfernt. Trotzdem gibt es keine Direktverbindung.
Viele Helfer, kein Gedrängel bei der Startnummernausgabe. Allerdings sprechen die meisten davon nur Spanisch.
Viele Helfer, kein Gedrängel bei der Startnummernausgabe. Allerdings sprechen die meisten davon nur Spanisch.

Jetzt ist alles safe. Die Unterlagen sind klar gemacht.
Jetzt ist alles safe. Die Unterlagen sind klar gemacht.
Wie kann man nur so viel fressen? Das sind mal locker 300gramm Spaghetti mit Tomatensoße. Der Teller läuft über. Die Mitbewohner sind schockiert
Wie kann man nur so viel fressen? Das sind mal locker 300gramm Spaghetti mit Tomatensoße. Der Teller läuft über. Die Mitbewohner sind schockiert

Sonntag 21 Feb. Marathon

4:30Uhr. Ich bin vor allen Weckern wach. Das ist gut! Schnell den bereitgestellten Kram zusammengerafft. Raus aus dem Zimmer, damit die anderen weiter schlafen können. Na das klappt doch super! Die Küche ist offen! Was will man mehr! In absolut entspannter Atmosphäre noch 2 Riesenbrötchen mit Banane, Honig und Marmelade verdrückt. Soviel hab ich ja noch nie gefuttert vorm Marathon! Dazu noch eine ganze Kanne Kaffee. Ob das gut geht? Den Powerbar Riegel kurz vorm Start kann ich mir heute sparen! Das Taxi ist ein paar Minuten später als vereinbart vor der Tür. Aber es ist da! Man fühlt sich wie ein Top Athlet, wenn das Taxi bis vor den Stadioneingang fährt. Für 10€ war's jetzt nicht mal so teuer!

Bin ich doch so früh? Alle Tore zur Kleiderbeutelabgabe sind noch abgeschlossen. Es ist 7:20Uhr. Die Spanier haben die Ruhe weg! Alles starrt durch die Luken in innere des Stadions. Und endlich, die Läden gehen hoch! Es dauert nicht lange, da wird es auch ziemlich schnell voll. 13.000 Anmeldungen liegen vor. Der Marathon ist seit einem Monat ausgebucht! Kein Wunder, denn der Veranstalter spricht vom flachesten Marathon in Europa! Noch nicht mal 20 Höhenmeter soll das Profil vom 32.Sevilla Marathon aufweisen. Die Wettervorhersagen mit sonnigen 15-20°C sind für mich ungewohnt. Trotzdem es ist noch frisch. Für die 15 Minuten Fußmarsch zum eigentlichen Startplatz, stülpe ich mir lieber mal ne Tüte über. 2 Standard Powerbar Gels + 1 ungetestetes aaDrink EnergyGel (für den Notfall), kommen in die Netztaschen. Als Schuh setzte ich auf den leichten Mizuno Wave Rider 18.

Die Einteilung der Startblöcke ist völlig unproblematisch. Es gibt links und rechts der Startaufstellung eine ausreichende Gasse, um zu den entsprechenden Eingängen zu gelangen. Ein Helfer prüft noch das zur Startnummer ausgegebene Block Armband, und schon ist man drin. Kein Gedränge im 2:45-3:00 Block. Der Block dahinter dagegen ist press voll. AC/DC vor und nach dem Startschuss heizen die gute Stimmung weiter an.


Frühstück am Marathontag 3,5 Stunden vor dem Start. Wahnsinn! Nochmal 2 riesen Brötchen (2 entsprechen ca. 4 normalen)  mit 2xBanane,Honig,Marmelade Kombination verdrückt
Frühstück am Marathontag 3,5 Stunden vor dem Start. Wahnsinn! Nochmal 2 riesen Brötchen (2 entsprechen ca. 4 normalen) mit 2xBanane,Honig,Marmelade Kombination verdrückt
Jetzt geht's los. Beutel abgeben und dann Fußmarsch zum Startplatz
Jetzt geht's los. Beutel abgeben und dann Fußmarsch zum Startplatz

Start 9:00Uhr

Der erste Abschnitt auf der "Isla de La Cartuja" verläuft für 2,3km in südliche Richtung. Die Straße direkt neben dem Fluß "Guadalquivir" ist breit genug. Es gibt ausreichend Platz für alle. Der Einstieg in den Marathon fällt mir schwer. Der Eindruck vom Training der letzten Wochen täuscht nicht. Ich komme kaum in die Gänge. Ein Industriegebiet und das verwilderte Gelände der Weltausstellung von 1992 geben nicht viel her. KM1 in 4:28 bzw. KM2 in 4:21min/km ist alles was ich drauf habe. Weiter durch den Stadtteil "Triana". Bekannt als eines der historischen und gegenwärtigen Zentren des Flamenco. 4:20'er Schnitt auf der Uhr. Das ist nicht schlecht, wird aber langfristig nicht annähernd zu halten sein.


Der Büroturm "Torre Cajasol" ist mit 180 Meter das höchste Gebäude in Sevilla und gleichzeitig auch in Andalusien.
Der Büroturm "Torre Cajasol" ist mit 180 Meter das höchste Gebäude in Sevilla und gleichzeitig auch in Andalusien.
Das "Torre Triana" im Stadtteil Triana ist das größte Verwaltungsgebäude der Regierung von Andalusien
Das "Torre Triana" im Stadtteil "Triana" ist das größte Verwaltungsgebäude der Regierung von Andalusien

Abzweig am "Parque de los Proncipes" auf die "Avenida República Argentina". Es wird Zeit für Wasser. Da kommt mir der erste VP bei KM5 gerade recht. Lange Tische! Erst auf der linken Straßenseite und kurz darauf das gleiche nochmal auf der rechten Seite. Sehr gut! Da wird es keine Probleme geben. Nur die Becher sind sehr spärlich gefüllt. KM5 nach 21:55min passiert. Naja, geht doch!

Über die "Puente de San Telmo" wird der "Guadalquivir" auf die historische Altstadtseite Sevillas überquert. Schon hagelt es mit sehenswerten Highlights. Am Flußufer steht der Wachturm "Torre del Oro", wenig später folgt die Stierkampfarena "Plaza de Toros de la Maestranza" bei KM6.


KM5,5: Der Wachturm "Torre del Oro" steht am Ufer des "Guadalquivir"
KM5,5: Der Wachturm "Torre del Oro" steht am Ufer des "Guadalquivir"
KM6: Die "Plaza de Toros de la Maestranza" gilt als einer der schönsten Arenen in Spanien
KM6: Die "Plaza de Toros de la Maestranza" gilt als einer der schönsten Arenen in Spanien

Nicht weit vom Ufer des "Guadalquivir" führt die Strecke weiter. Ich versuche wenigstens bis KM10 den Schnitt unter 4:30min/km zu halten. Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätzel wie das überhaupt machbar ist. KM für KM kann ich nahezu identische Zeiten um die 4:22min abdrücken. Trotzdem, das täuscht! Ich muß auf jeden Fall bald das erste Gel reinwürgen.

An der markanten Brücke "Puente del Almillo" zweigt der Kurs vom Ufer weg, in den Stadtteil "Las Almenas". Schade eigentlich, dass diese Schrägseilbrücke, welche eine Harfe darstellen soll, nicht in die Strecke integriert ist. Macht nichts, der 10km Durchlauf ist mal mindestens genauso interessant. 43:48min. Macht 4:22'er Pace für den kompletten Abschnitt. Geht doch! Der nächste VP kommt auch schon. Gel rein, Wasser dazu, stur weiter laufen und hoffen dass es was bringt!

KM11 ist mit 4:31min deutlich langsamer. OK, Gel Aufnahme kostet ja auch Zeit. Abwarten! Plötzlich läuft jemand auf, und spricht mich an. Es ist der spanische Läufer von gestern aus dem Bus. Ja so ein Zufall. 13.000 Starter und ich treffe den jetzt schon zum 3.Mal. Klar, er ist besser drauf als ich und zieht vorbei. Netter Kerl! Wir sehen uns im Ziel zum Bier! KM12 mit 4:23min sieht doch schon wieder etwas freundlicher aus. Wenn da nicht diese fortschreitende Ermüdung wäre. Ich hab es echt übertrieben im Training. Mist!  

Die Stadtteile "Poligono Norte" und "La Macarena" hauen mich jetzt nicht um. Lediglich das "Parlamento de Andalucia" ist in diesem Abschnitt auffällig. Es fällt schwer, aber die KM Splits können wieder unter 4:25min/km gelaufen werden. KM15 Durchlauf nach 1:05:52 passt!


Kann man kurz vor KM10 bewundern, die "Puente del Almillo". Im Marathonkurs ist die Brücke nicht
Kann man kurz vor KM10 bewundern, die "Puente del Almillo". Im Marathonkurs ist die Brücke nicht
KM15,5: Dies "Puerta de la Macarena" wird leider nur kurz gestreift. Schade!
KM15,5: Dies "Puerta de la Macarena" wird leider nur kurz gestreift. Schade!

Der östliche Teil der Strecke wird auf einer Schleife abgeklappert. Zunächst durch den Stadtteil "Hunderte de Sante Teresa", weiter in "Santa Clara" und "Poligono San Pablo. Hier erfolgt auch der Halbmarathondurchlauf. Das Gel früher zu nehmen war eine gute Entscheidung. Ich kann die Pace weiter halten. Nach 1:32:44 überquere ich früher als erwartet die 21,1km Messmatte. Da schmeiße ich doch gleich mal ein weiteres Powerbar Päckchen am VP KM22 nach.

Also irgendwie hatte ich wesentlich mehr Highlights an der Strecke von Sevilla erwartet. Aber auch dieser Abschnitt auf der breiten Hauptstraße "Avendia Ronda del Tarmarguillo" gibt nicht viel her. Die "Kracher" kommen alle erst ab KM35. Da kann man sich jetzt noch voll und ganz auf die Durchlaufzeiten konzentrieren. Und die passen! Weiterhin unter 4:25min/km. 1:49:46 beim 25km Durchlauf. Ne 3:15 ist jetzt sowieso Pflicht! Wenn ich dran bleibe geht da auch ne Sub 3:10! Aber dafür muß ich gut beißen!

Über einen Schwenk führt der Kurs wieder nach Norden zum Stadtteil "Nervión". Hier wird eine weitere Schleife gelaufen und die Strecke dreht erneut nach Süden. Zu sehen gibt es jetzt auch was. Das "Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán". Die Heimspielstätte des spanischen Top Clubs FC Sevilla bei KM28,5.

Während die Mitstreiter so langsam abbauen, kann ich die Pace weiter auf 4:25min/km halten. KM30 Durchlauf im Stadtteil "Tiro de Linea" mit 2:11:56 abgedrückt. Da ist noch alles drin! Ich kann heute die Sub 3:10 packen, auch wenn es immer zäher wird! Wenn ich das mal grob überschlage, dann reicht da ein 4:45'er Schnitt! Dranbleiben! Das ziehe ich jetzt durch! Wär doch ein gutes Ergebnis zum Einstieg für 2016 über die klassische Distanz!

Jetzt muß das nur noch mit dem nicht erprobten aaDrink EneryGel klappen. Ach, was soll da schief gehen? Rein damit, die letzten Kilometer werden alles abverlangen! Aha! Sogar der nette Spanier aus dem Bus ist bei KM31 wieder eingeholt! Hätte ich nicht erwartet, den nochmal vor dem Ziel zu sehen.

Schnurstracks gerade zu, zum südlichsten Punkt der Strecke im Stadtteil "Heliópolis". Hier gibt es nochmal einen Fußballtempel bei KM32,5. Diesmal das "Estadio Benito Villamarin" von Betis Sevilla. Dem "kleinen" Stadtrivalen vom großen FC Sevilla. Das Stadion von Betis wirkt auf mich sogar "pompöser" als das des FC.


KM28,5 das "Estadio Ramón Sánchez Pizjuán" Heimspielstädte des Top Clubs FC Sevilla. Bildquelle: Gerard McGovern
KM28,5 das "Estadio Ramón Sánchez Pizjuán" Heimspielstädte des Top Clubs FC Sevilla. Bildquelle: Gerard McGovern
KM32,5: Der vermeintlich schwächere, aber Mitgliedstärkere Club "Betis Sevilla" hat ebenfalls eine mehr als vorzeigbare Fußballarena zu bieten. Das "Estadio Benito Villamarin". Bildquelle: Gregory Zeier
KM32,5: Der vermeintlich schwächere, aber Mitgliedstärkere Club "Betis Sevilla" hat ebenfalls eine mehr als vorzeigbare Fußballarena zu bieten. Das "Estadio Benito Villamarin". Bildquelle: Gregory Zeier

Die Kraft läßt doch weiter merklich nach. Das war zu erwarten. Und zwar schon viel früher, als erst auf diesem letzten Teil der Strecke. Quälen auf der ewig geraden, scheinbar nicht endenden "Passeo de las Delicias". Mit 4:33min/km wird es langsamer, aber das ist noch alles im Rahmen. Ich muß nur dran bleiben! Der "Parque de Maria Luisa" ist erreicht. Hier befindet sich der KM35 Durchlauf. 2:34:29 und noch 7km zu laufen. Kämpfen! Nicht nachlassen! Die Stimmung an der Strecke wird im Park besser. Das puscht um die letzten Reserven zu mobilisieren. Kein Wunder, denn wir nähern uns einem absoluten Highlight der Strecke. Die Umrundung des "Plaza de España".

Wahnsinn! Das ist ja total gigantisch! Die Stimmung auf dem "Plaza de España" ist der Hammer. Die Architektur des gesammten Platzes mit seinen Gebäuden und Brücken ist beeindruckend. Das entschädigt doch für einiges, was der Kurs bisher vermissen ließ.


Ein absoluter Hammer! Der "Plaza de España" von Sevilla. Hier die Panoroma Ansicht. Bildquelle: Aconcagua
Ein absoluter Hammer! Der "Plaza de España" von Sevilla. Hier die Panoroma Ansicht. Bildquelle: Aconcagua

Auf zum großen Finale! Alles reinhauen was noch geht. Über den "Placa Don Juan de Austria" auf die "Calle san Fernando". KM37 in 4:37min. So kann es weiter laufen. Noch 5km! Das wird gehen! Nur noch die historische Innenstadt und dann zurück zum "Estadio Olimpico". 

Das Viertel "Santa Cruz" in der Altstadt ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten. Die Kathedrale von Sevilla, der "Placa de Nueva" und die "Alameda de Hercules". Alles rauscht im Augenwinkel vorbei. Ich bin viel zu platt um das richtig wahrzunehmen. Aber egal, Hauptsache KM39 ist erreicht. Wieder mal ne 4:30! Da brennt nichts mehr an. Ich muß nur noch ankommen!


KM38: Das "Archivo General de Indias"  und Teile der Kathedrale von Sevilla im Hintergrund
KM38: Das "Archivo General de Indias" und Teile der Kathedrale von Sevilla im Hintergrund
Kathedrale von Sevilla ist das größte religiöse Gebäude Spaniens und zählt zu den größten Kathedralen der Welt
Kathedrale von Sevilla ist das größte religiöse Gebäude Spaniens und zählt zu den größten Kathedralen der Welt

Noch gut 4km sind zu laufen ab dem Rathaus von Sevilla.
Noch gut 4km sind zu laufen ab dem Rathaus von Sevilla.
Der "Placa Nueva" direkt neben dem Rathaus
Der "Placa Nueva" direkt neben dem Rathaus

Der große Marktplatz neben der "Alameda de Hercules" ist proppenvoll. Volksfeststimmung, teilweise sogar "Läufergassen" durch die Zuschauer. Super! Die Terrassen der Straßencafés in der anschließenden "Calle Calatrava" gut gefüllt. Das macht jetzt Laune und treibt an.

Über die "Puente de la Barqueta" wird der "Guadalquivir" zum 2.Mal überquert. Die Innenstadt ist abgehakt. Wir sind zurück auf der Insel "La Cartuja". KM40 ist bereits passiert und das "Estadio Olímpico" mit dem Zieleinlauf ist jetzt ständig zu sehen. 2:57:22 auf der Uhr. Das kann nicht mehr schiefgehen! Trotzdem konzentriert weiter! Hier gibt es nichts geschenkt. Gerade diese beiden letzten Kilometer im trostlosen, verwilderten Gebiet der Weltausstellung von 1992 sind zäh. Mit 4:31 bzw. 4:28min/km haue ich nochmal alles raus was geht.


KM39 "Alameda de Hercules": Nochmal gute Stimmung mitnehmen und letzte Reserven mobilisieren
KM39 "Alameda de Hercules": Nochmal gute Stimmung mitnehmen und letzte Reserven mobilisieren
Endspurt: Über die "Puente de la Barqueta" zurück auf die "Cartuja" Insel
Endspurt: Über die "Puente de la Barqueta" zurück auf die "Cartuja" Insel

KM40 am Vergnügungspark "Isla Mágica": Sehr trostlos das Finale vom Sevilla Marathon durch das Expo Gelände von 1992
KM40 am Vergnügungspark "Isla Mágica": Sehr trostlos das Finale vom Sevilla Marathon durch das Expo Gelände von 1992
Nach dem "Ödland" im Expo Gebiet, entschädigt die letzte Runde im "Estadio Olímpico"
Nach dem "Ödland" im Expo Gebiet, entschädigt die letzte Runde im "Estadio Olímpico"

Der Zieleinlauf im Olympiastadion von Sevilla hat schon was. Zuerst durch den dunkeln, steil nach unten laufenden Stadiontunnel, dann auf der Laufbahn vor besetzten Rängen. Sehr schön und emotional. Kurzer Blick auf die Uhr. Locker unter 3:08. Der Zielbogen kommt näher, die Qualen sind gleich vorbei. Die letzten Meter. 3:07:10! Sauber! Das hätte ich mir nicht träumen lassen, nach den letzten Trainingseindrücken. Da kann ich ein paar Biere aufmachen!

Nach kurzer Verschnaufpause wird man freundlich gebeten, den Zielbereich zu verlassen. Es gibt die Medaille und eine Wärmefolie. Die Zielverpflegung befindet sich in den Stadionkatakomben. Hier gibt es zusätzlich noch eine Verpflegungstüte für jeden Finisher.


Die letzten 400 Meter werden im "Estadio Olímpico" gelaufen
Die letzten 400 Meter werden im "Estadio Olímpico" gelaufen
3:07:10. Das lief besser als erwartet. Heute gibt es ein paar Weizenbiere zur Belohnung!
3:07:10. Das lief besser als erwartet. Heute gibt es ein paar Weizenbiere zur Belohnung!

Der Rückweg zum Hostel wird zu Fuß zurück gelegt. Das dauert zwar ewig, aber jetzt ist das sowieso egal.

Ein gutes Abendessen muß schon sein! Allerdings wird es zum absoluten Flop! Das vom Hostel als "Geheimtipp" angepriesene Restaurant, ist ewig weit weg und dann gibt es nichts für Vegetarier! Der nächst beste Laden macht auch keinen guten Eindruck. Aber mir wird versichert, dass ich für 13,50€ eine riesen Portion vegetarische Paella bekomme. Na gut, was soll ich zu so später Stunde noch machen. Ich probier's halt. Was für ein Fehler! Mini Portion, grottenschlecht und schmeckt irgendwie nach Huhn! Ich bin restlos bedient!

Im Hostel haue ich mir aus lauter Verzweiflung noch ein paar Weißbrote und Spanische Biere rein.

Am nächsten Morgen geht dann auch schon der Flieger zurück in die Heimat. Sevilla brauche ich nicht noch mal. Für das was man bekommt, ist der Aufwand ist einfach zu groß.  


zurück im Hostel wird sich erst mal gestärkt
zurück im Hostel wird sich erst mal gestärkt
Was für ein Schrott! Mini Portion Paella mit steinhartem Brötchen. Da vergeht mir die ganze gute Laune.
Was für ein Schrott! Mini Portion Paella mit steinhartem Brötchen. Da vergeht mir die ganze gute Laune.

Marathon Strecke Sevilla 2016

Strecke:

Die Strecke führt nach dem Start zunächst etwa 5 km nach Süden durch die Stadtteile Triana und Los Remedios. Der Guadalquivir wird über die Puente de los Remedios überquert. Über den Paseo de Cristobal Colon und die Calle Torneo geht es in Wassernähe wieder zurück in Richtung Norden bis zur Ronda Urbana Norte, die nach 10 km erreicht wird. Der Stadtteil Poligono Norte wird auf der Avenida Alcalde Manuel del Valle umlaufen. Auf der Avenida de Llanes geht es zurück in Richtung La Macarena. Es folgen einige Schleifen östlich der Innenstadt, in denen unter anderem der Bahnhof Santa Justa (km 19) und das Estadio Ramón Sánchez Pizjuán des FC Sevilla (km 28) passiert wird. Dabei führt die Route insgesamt immer weiter nach Süden, bis am Estadio Benito Villamarin des Vereins Betis Sevilla der südlichste Punkt der Strecke erreicht ist. Jetzt geht es auf der Avenida la Palmera und dem Paseo de las Delicias zum Parque de Maria Luisa. Nach einer kleinen Schleife durch den Park geht es auf den Plaza de España (km 36), der einmal umrundet wird. Weiter geht es nach Norden an der ehemaligen Tabakfabrik, der Kathedrale und dem Plaza Nueva vorbei über die Alameda de Hercules über die Barqueta-Brücke (km 40) zurück auf die sog. Insel La Cartuja. Nach einer Schleife durch den Parque del Alamillo geht es zum Ziel ins Olympiastadion.

Der Marathon von Sevilla wirbt damit, das flachste Profil in Europa zu haben, die Differenz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Strecke beträgt weniger als 20 Höhenmeter.