Sonntag, 12.April 2015

35.Rotterdam Marathon


Logo Rotterdam 2015

Der Rotterdam Marathon war lange als möglicher Sub3 Lauf geplant. Und jetzt? Schon wieder angeschlagen! Ärgerlich! Nach dem Barcelona Marathon am 15.März, hatten die Probleme mit dem Oberschenkel scheinbar Ihren Höhepunkt erreicht. Die Schmerzen wurden weniger, aber gingen nicht weg. Umso erstaunter war ich, wie ich beim Freiburg Marathon am 29.März damit noch unter einer 3:10 bleiben konnte. Die verbleibenden 2 Wochen setzte ich nun alles dran, irgendwie wieder in die Spur zu kommen. Einerseits trainieren, andererseits Regeneration und die Verletzung auskurieren. Zuerst dachte ich es wird wirklich besser. Aber nach dem letzten Intervall Mittwochs vor dem Rotterdam Wochenende, war Schicht im Schacht. Übelste Schmerzen. Sitzen war eine Qual. OK, es wird irgendwie gehen in Rotterdam. Aber an Sub3 kann man beim besten Willen nicht mehr denken. Das letzte Training ersatzlos gestrichen. 3 Tage nicht mehr gelaufen. Besser weniger Schmerzen als die Trainingseinheiten planmäßig durchgezogen.

Samstag 11.April

3:30Uhr der Wecker klingelt. Schon brutal, aber anders nicht möglich. Mit dem Europa Sparticket der Bahn nach Rotterdam. 6x Umsteigen, sehr enger Fahrplan. Aber es klappt alles. Die Niederländische Bahn ist immer auf die Minute pünktlich! Ich bin um kurz nach 13 Uhr in Rotterdam Centraal. So habe ich alle Zeit der Welt, erstmal in die Unterkunft zu gehen. Die Wege sind relativ kurz. 30 Minuten Fußmarsch mit Gepäck zur Unterkunft "Room Rotterdam". Das Hostel liegt super zentral im alten Hafengebiet der "Nieuwe Maas". Der Wind pfeift durch die Straßen von Rotterdam. Jetzt fängt das auch noch an zu regnen. Es hilft ja nichts, die Unterlagen müssen abgeholt werden. Nochmal 20 Minuten zur Marathon Messe laufen. Bleibt nur zu hoffen, dass es morgen ein besseres Wetter gibt.
Die Messe ist überschaubar für solch eine große Veranstaltung. Keine Warteschlagen, schnell hat man seine Unterlagen zusammen.


Pünktliche Ankunft am Bahnhof "Rotterdam Ceentral"
Das Gebäude der „Nationale Nederlanden“, Hauptsponsor des Rotterdam Marathons, fällt einem sofort ins Auge

links: Pünktliche Ankunft am Bahnhof "Rotterdam Ceentral"
rechts: Das Gebäude der „Nationale Nederlanden“, Hauptsponsor des Rotterdam Marathons, fällt einem sofort ins Auge


Rotterdam ist bereit für den Marathon
Überall findet man Kunstwerke moderner Künstler. Hier "Santa Claus - Kabouter Buttplug" von Paul McCarthy mahnt den Konsum des Westens an

links: Rotterdam ist bereit für den Marathon
rechts: Überall findet man Kunstwerke moderner Künstler. Hier "Santa Claus - Kabouter Buttplug" von Paul McCarthy mahnt den Konsum des Westens an


Marathonmesse im World Trade Center Rotterdam
Startnummernausgabe

links: Marathonmesse im World Trade Center Rotterdam  rechts: Startnummernausgabe


Zurück in der Unterkunft treffe ich auf meine Zimmerkollegen. 3 Läufer aus Polen. Alles absolute Profis. Überall, sehe ich Bananen, Brötchen, Nudeln und jede Menge Sport Ergänzungspräparate. Sehr nett die polnischen Lauffreunde. Man kommt ins Gespräch. Alle laufen locker unter 3 Stunden. Einer will sogar unter 2:50 bleiben. Wahnsinn! Da bin ich ja schon mal beruhigt, dass morgen pünktlich bei jedem die Wecker klingeln. Keiner im Zimmer der ausschlafen will, oder womöglich noch heute Party macht.

Fehlt also nur noch ein guter Italiener für das Pasta Essen. Mir wird das "La Pizza" gleich in der Nähe empfohlen. Blöd nur, dass es dort tatsächlich nur Pizza gibt. Wenn ich Pasta haben will, dann muß ich ins "Spaghettata", nochmal 2km entfernt. Na gut, ich habe sonst nichts gesehen außer asiatischer Küche, also nichts wie hin.
Sieht sehr nobel aus das Ding. Gleich bei der Bestellung die Menge der Portion abgeprüft. Für 12€ eine große Portion Spaghetti al Olio würde ich wohl kaum schaffen, versichert mir die Bedienung, Tja, wie das Leben so spielt, bekomme ich eine Portion, welche in Deutschland nicht mal als "klein" durchgehen würde. Mir wird nochmal versichert, es ist die große Portion. Super sauer esse ich die paar Nudeln. Da muß ich wohl nochmal nachlegen. Auf dem Rückweg zum Hostel wird bei "Albert Heijn" eingekauft. Paar Brötchen und Käse zum Nachtisch. Das lief jetzt nicht so gut mit dem Essen. So bin ich noch nicht beschissen worden! Ich kann es nicht ändern. Wie immer die Sachen zusammen gepackt für den Marathon, und pünktlich um 22:30Uhr wird geschlafen.


Da wurde ich mal schön beschissen! "Große Portion" Shaghetti aglio olio für 12Euro
Tasche gepackt für den Marathon

links: Da wurde ich mal schön beschissen! "Große Portion" Shaghetti aglio olio für 12€
rechts: Tasche gepackt für den Marathon


Sonntag 12.April

Ich bin vor den Weckern wach. Frühstück optimal, 4 Stunden vor dem Marathonstart eingenommen. Das Hostel selbst bietet erst ab 8Uhr Frühstück an. Das obwohl das Haus voller Läufer ist. Instant Kaffee gibt es trotzdem in der Küche zum selber machen. 3 Tapes am Oberschenkel/Pobereich angelegt, in der Hoffnung damit weniger Schmerzen zu haben. Noch ein bisschen fachsimpeln mit den polnischen Lauffreunden und dann ab zum Start.

Die Sonne scheint, es ist ein super Tag. Die Ruhe in der leeren Innenstadt lässt schlagartig nach, wenn man zum Marathonzentrum am "Stadhuis" kommt. Hier geht die Party jetzt schon ab! Die Messe hat auch noch auf. Viele nutzen die Gelegenheit, um Sonntags erst die Unterlagen abzuholen. Entsprechend groß ist der Andrang. Da bin ich froh, gestern alles schon erledigt zu haben. Der Rotterdam Marathon ist ein riesen Spektakel. Wo kann ich meinen Läuferbeutel abgeben? An der Info wird mir geholfen. Die Wege sind schon etwas verstopft. Es reicht, um 15 Minuten vor dem Start, im Block C für unter 3 Stunden zu stehen. Die Kontrollen sind streng. Trotzdem schaffen es immer wieder welche hier reinzukommen, ohne den "C" auf der Nummer.

Es wird ernst. Der Sprecher heizt die Stimmung auf. Um 5 Minuten vor Start ertönt "you never walk alone" aus den Lautsprechern. Der ganze Block singt laut mit. Ich natürlich auch. Was für eine tolle Atmosphäre. Ich bin ganz weg. Pünktlich um 10Uhr zum Start, knallen dann die Salut Böller aus den echten Kanonen. Hammer!


Frühstück in der Küche vom Hostel mit Banane/Honig Brötchen und instant Kaffee
Der Start vom Rotterdam Marathon ist direkt am "Stadhuis"

links: Frühstück in der Küche vom Hostel mit Banane/Honig Brötchen und instant Kaffee
rechts: Der Start vom Rotterdam Marathon ist direkt am "Stadhuis"


Bereit für den Marathon
Das gibt es nur in Rotterdam. Kanonenböller zum Marathonstart

links: Bereit für den Marathon  rechts: Das gibt es nur in Rotterdam. Kanonenböller zum Marathonstart


Start 10:00Uhr

Die ersten Kilometer vom Start weg auf der "Coolsingel" sind sehr eng. Es gelingt einfach nicht auf die 4:15'er Pace zu kommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Strecke leicht ansteigt. Das setzt gleich zu Beginn ganz schön zu. Insgeheim hatte ich ja schon die Pace auf Sub3 ausgelegt, aber so wird das ganz bestimmt nichts. Am "Leuvehaven" entzerrt sich das Feld leicht. Es geht rauf auf die "Erasmusbruk". Ein gigantisches Bauwerk über die "Nieuwe Maas". Der Wind von der Nordsee schiebt empfindlich von der Seite. Endlich oben! Jetzt kann man Speed aufnehmen. Mit Tempo unter 4min/km rauschen wir auf die Halbinsel "Kop van Zuid" zu. Super Stimmung an der Strecke. Das macht Spaß! Jetzt erst werden die 2 Laufspuren zusammengeführt. Es wird wieder kurz eng, dann geht es mit 4:10'er Pace weiter.

Durch den Stadtteil "Feijenoord" zum "De Kuip", dem Stadion vom Fußballklub Feijenoord Rotterdam. Hier ist mit KM5 endlich der erste sichtbare KM Marker. 21:07min ist gar nicht mal so schlecht. Macht Pace 4:13min für diesen Abschnitt. Da habe ich ja tatsächlich die verkorksten ersten Kilometer, gleich nach dem Start wieder wettgemacht. Es läuft besser in den Stadteilen "Zomerland", "Kreekhuizen" und "Lombardijen". Mit Pace um die 4:10min/km bin ich meiner Planung voraus. Aber warum nicht. Der Oberschenkel zieht etwas, aber sonst läuft das eigentlich. Schon seltsam. Da quält man sich im Intervalltraining für gerade mal 3x1500 im MT, und hier läuft das viel flüssiger. Geht da vielleicht doch was mit Sub3?


Die "Erasmusbruk" über die "nieuwe Maas" muß zwei Mal überquert werden
"De Kuip" Stadion von Feijenoord Rotterdam bei KM5. Bildquelle: Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed

links: Die "Erasmusbruk" über die "nieuwe Maas" muß zwei Mal überquert werden
rechts: "De Kuip" Stadion von Feijenoord Rotterdam bei KM5. Bildquelle: Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed


Der 10km Marker wird nach 41:50min abgedrückt. Das bedeutet, ich bin die letzten 5km in 4:08min/km gelaufen. Dranbleiben! Das kann heute durchaus klappen! Jetzt unbedingt am VP Wasser aufnehmen. Den ersten Stand habe ich noch ausgelassen, da wird es jetzt echt Zeit. Es gibt nur alle 5km VP's mit Getränken. Die Tische sind lang, wie immer erst mal Wasser. Aber was ist das? Ein Becher mit einem Schwamm drin? Schwamm raus, Wasser trinken. Komisch, aber es hat den Vorteil, dass nichts verschüttet wird. Ganz am Ende der Tische wie üblich das ISO Getränk.

Die Strecke führt nun über den schmalen "Havenspoorpad" zum Stadtteil "Zuidwijk". Das Gebiet ist hier weitestgehend unbebaut, somit schiebt der Wind wieder von der Seite. Das kostet Kraft. Es wird etwas enger auf der Strecke. Wie üblich in solchen Situationen, versucht jeder im Windschatten des anderen zu laufen. Prompt geht die Pace auf 4:20min/km zurück. Wieder kommen die Zweifel. Noch nicht mal bei KM15 und schon so zu kratzen. Immer wieder müssen die Lücken von einer Gruppe zur anderen geschlossen werden. Dennoch gelingt es mir den Sub3 Pacer zu überholen und abzuhängen. Das macht mich einfach verrückt, so viele Läufer kleben an dem Typen dran. Da muß ich vorbei, auch wenn es ein paar Körner kostet.

In "Zuidwijk" wird es besser mit dem Wind. Der nächste VP wird angekündigt. Ich brauche jetzt schon einen Gel-Schub. Bis KM20 kann ich nicht warten. Rein mit dem Zeug. Aber wo ist der VP? Den Mund voll mit klebrigem Zeug und kein Wasser dazu! Auf der gegenüberliegen Seite sehe ich den VP. Das zieht sich ewig. Da muß doch mal die Wende kommen! Rum um die Kurve. Erst noch die Messmatte für KM15. 1:02:43min. Rechnen können wir später. Wasser und zwar ganz schnell! Gleich 2 Becher kralle ich mir. Puh! Endlich wieder Luft holen durch den Mund. Das war echt knapp. Wie war der letzte Abschnitt? Wow! Doch noch 4:10'er Schnitt von KM10-15. Auch hier in "Zuidwijk" super Stimmung, wie fast überall an der Strecke. Man merkt gleich, dass in Holland die Leute ganz anders drauf sind als in Deutschland.

Nun die große Schleife laufen um den "Zuiderpark". Nach KM19 sind wir bereits wieder auf der "Oldegaarde". Die nächste Messmatte bei KM20 bestätigt es. Der 4:10'er Schnitt konnte beibehalten werden. Es läuft super für meinen angeschlagenen Zustand! Wer weiß, was da heute geht? Dritte Sub3 für 2015 im Visier? "Schön weiterlaufen, lass dich nicht beirren. Du bist heute gut drauf! Hier geht was!", rede ich mir immer wieder ein.

Abzweig in den "Groene Kruisweg". Der Halbmarathondurchlauf kommt. 1:28:15! Nä, das gibt's doch nicht! Schneller als Barcelona (1:28:20). OK, cool bleiben. Nicht abheben! Lauf dein Stiefel weiter! Das hat alles schon ganz schön Kraft gekostet. Vom Gefühl her war ich in Barcelona nach dem HM Durchlauf etwas besser drauf. Aber 1:45min "Vorlauf" auf die Sub 3 ist ein gutes Polster. Da kann man auch mal ein paar Kilometer in 4:30min laufen. Auf Frank, das packst du heute! In der Euphorie werden gleich mal ein paar Läufer, welche etwas nachlassen haben angefeuert. Aber schon nach ein paar hundert Metern lassen die Mitstreiter abreißen.

Als hätte ich es fast geahnt. Es wird zäh. KM23 in 4:17min ist schon mal eine Warnung. Jetzt ist der Punkt wo man unbedingt dran bleiben muß! Ab KM30 darf man langsamer werden. Vorher nicht! Reiß dich am Riemen!


Weiter am Maashaven im Stadtteil "Tarwewijk". Die Stimmung zieht wieder an. Das ist echt große Klasse, was hier an Unterstützung geboten wird. Wieder eine der vielen Partyzonen mit Musikbeschallung. Schon läuft es besser. KM24 in 4:04min. Doch kaum läßt die Stimmung nach, wird es wieder zäh. Wir erreichen die "Laan up Zuid". Hier sind wir schon zu Beginn gelaufen. Nun führt die Strecke in entgegengesetzter Richtung zurück zum "Centrum". Was ist denn plötzlich los? Ich verliere an Pace. Muss mich ganz schön quälen. KM25 nur 4:19min. Gesamtzeit 1:44:38. Das ist immer noch top! Macht 4:12'er Schnitt auf den letzten 5km Abschnitt. Auf jetzt! Du bist noch auf Kurs! Nur noch 17km zu laufen! Heute wird die 3. Sub3 in 2015 eingefahren!

Diesen Hänger muß ich jetzt durchstehen. Das "Kop van Zuid" ist schon fast erreicht. KM26 mit 4:13min passt wieder. Die Strecke steigt an, der Wind pfeift. Es geht zum zweiten Mal über die "Erasmusbruk". Das wird etwas Zeit und Kraft kosten. Die Stimmung auf der Brücke ist fantastisch. Da vergisst man fast die Schinderei. Gleich nach dem Scheitelpunkt der Marker für KM27. 4:32min das war klar. Dafür geht es jetzt mit Vollspeed runter zum "Leuvehaven". Jetzt kann schon mal ein wenig von der Zielstimmung mitnehmen. Kurz vorm "Beurs-World Trade Center" biegt die Strecke allerdings links ab. Nach ein paar hundert Metern kommt die 180° Wende und eine Unterführung. Der letzte entscheidende Abschnitt östlich vom Centrum wird eingeläutet.

Mit der U-Bahn Station Blaak und den Kubushäusern kommt das nächste Highlight bei KM29. Auch hier eine Partyzone. Diesmal werden allerdings holländische Schlager gespielt. Klingt ja genauso schrecklich wie unsere deutschen Schlager! Nichts wie weg hier! Die letzten beiden KM in je 4:11min/km gelaufen. Ich komme der Sub3 immer näher. Nur noch 13km. Das wäre echt der Coup! Aber abgerechnet wird bekanntlich erst an der Finish Linie.


Die Halbinsel "Kop van Zuid"
Kubushäuser an der U-Bahn Station "Blaak" bei KM29. Bildquelle: Cmglee

links: Die Halbinsel "Kop van Zuid"  rechts: Kubushäuser an der U-Bahn Station "Blaak" bei KM29. Bildquelle: Cmglee


Abzweig in den Mariniersweg in Richtung Stadtteil Rubroek. Auf der Gegenspur kommen uns schon die Führenden entgegen. Überaschenderweise ist der Äthiopier Abera Kuma in Front. Noch vor den favorisierten Kenianern Mark Kiptoo und Bernard Koech. Die haben es gleich gepackt. Ich hab das Schlimmste noch vor mir, brauche jetzt unbedingt das 2.Gel. Der nächste VP wird gleich kommen. Da ist schon der Hinweis. Jetzt aber abwarten. Nicht den gleichen Fehler machen wie bei KM15. Da kommen die Tische. Rein mit dem Ding! Wasser zum nachspülen. Diesmal alles perfekt. Zeitmessung für KM30. 2:05:48! Das ist echt gut. Die letzten 5km in 4:14'er Pace gelaufen. Gut 54 Minuten bleiben für die letzten 12,2km. 4:27'er Tempo würde reichen. Das ist drin! Weiter kämpfen!

Die "Boezemstraat" durch "Oud-Crooswijk" zieht sich ewig. Verbissen versuche ich das Tempo zu halten. 4:16min für KM31, damit kann ich leben. Zumal jetzt doch viele Mitstreiter abreißen lassen. Immer mal wieder sieht man ein paar Läufer auf der Gegenspur bereits den Rückweg laufen. Doch jetzt verschwindet die Gegenspur. Das bedeutet, es muß nur noch das Naherholungsgebiet "Kralingse Bos" umlaufen werden, und schon bin ich auch auf dem Heimweg! KM32 in 4:15min, sehr gut!

Durch den Grüngürtel im "Kralingse Bos" ist es angenehm zu laufen. Kaum Zuschauer an der Strecke, aber das macht hier nix. Ich genieße förmlich die Ruhe und laufe konzentriert weiter. KM33 sogar mit 4:05min abgedrückt. Ich werd' wahnsinnig! Das läuft echt alles auf Sub3 raus! Cool bleiben, nicht abheben! Abzweig in die "Boszoom". Schon kommt die "34". 4:20min geht noch, aber die Kraft schwindet. Sehr trostlos die lange Gerade. Von jetzt auf gleich ist es plötzlich nicht mehr so einfach Schritt zu halten. Die Muskulatur im Oberschenkel macht auch mehr Probleme. Ich laufe total unrund. Von hinten höre ich eine Gruppe ankommen. Das kann doch nur der Sub3 Pacer sein. Jetzt nur nicht überholen lassen! Komm, hau rein! 4:23min für KM35. Gesamtzeit 2:27:06. So schlecht waren die letzten 5km gar nicht. Immer noch im 4:15'er Tempo gelaufen.

Das wird immer ungemütlicher! Was für ein Fiasko. Das trippeln der Sub3 Gruppe kommt immer näher. Die ersten laufen an mir vorbei. Abzweig in den Kralingseweg. Das letzte Stück, dann ist der "Kralingse Bos" umrundet. Wieder nur 4:25min für KM36! Das wird ja immer schlechter. Auf jetzt! Komm! Du wirst dir das doch jetzt nicht mehr vom Brot nehmen lassen! Verzweifelt wird alles nochmal mobilisiert. Das Tempo kann ich erst mal wieder mitgehen. Wir passieren den "Kralingse Plas", den größten innerstädtischen See Rotterdams. Hier ist wieder Stimmung. Und die habe ich auch bitter nötig! 4:11min für KM37. Sauber! Ich bin wieder im Soll. Trotzdem ist der Ofen aus. Ich merke das ganz deutlich. Jetzt zieht der komplette Sub3 Pulk nach und nach an mir vorbei. Der Pacer, offenbar ein Mexikaner puscht noch mal: "Only 4 kilometers to go, arriba arriba andale". Ich muß abreißen lassen. KM38 in 4:25min, ist alles was ich noch auf der Pfanne habe.

Noch 4km! Die Pendelstrecke ist erreicht. Hier brennt die Luft. Die Stimmung brodelt. Das ist ja absolut abgefahren auf der "Boezemstraat". Komm' Frank, gib nochmal alles. Es ist fast gepackt! Durchhalten! KM39 in 4:16min. Gesamtzeit 2:44:33! Das muß ich einfach heimfahren. Die Schmerzen im Oberschenkel werden immer heftiger, die Füße brennen wie immer, aber getragen durch die bärenstarke Unterstützung am Streckenrand kann ich das irgendwie unterdrücken. Wir sind schon im Stadtteil "Rudbroek". KM40 in 4:18min. 2:48:40 steht auf der Uhr. Das kann man nicht mehr in den Sand setzten!

Die letzten beiden Kilometer laufen. Die Strecke steigt hier nochmal leicht an. Ich weiß gar nicht, wie ich überhaupt noch einen Fuß vor den anderen bringe. Das ist einfach unbeschreiblich was hier geboten wird. Mir scheint es fast als wäre die ganze Stadt an der Strecke. Vorbei an der futuristischen Station "Blaak". KM41 mit 4:27min passt schon! Ich muß ja nur noch ankommen! Wär hatte das gedacht. So kaputt bin ich in noch keinen Marathon gegangen, und jetzt womöglich die 11.Sub3. Alles was noch irgendwie geht, wird jetzt in die Beine umgesetzt. Der Abzweig in die "Coolsingel" wird zum Schaulaufen. Vorbei am World Trade Center Rotterdam. Rechts und links der Strecke sind Tribünen aufgebaut. Der Zielbogen scheint noch ewig weit weg zu sein. Aber das täuscht. Die Uhr ist zu erkennen. Es ist die "2" die vorne steht. Und noch ganz viel Zeit über. Ich sprinte praktisch zum Zieldurchlauf. Nochmal jubeln und strahlen! Ich hab's gepackt! 2:58:02. Das ist abartig! Heute Abend fließen die Biere in Strömen!


erst mal sammeln im Zielauslauf

links: Die Zielgerade ist gigantisch. Unter tosendem Jubel, vorbei am World Trace Center Rotterdam
rechts: erst mal sammeln im Zielauslauf


Nach ein paar Getränken und Bananen im Zielauslauf, treffe ich die 3 polnischen Lauffreunde bei der Kleiderbeutelausgabe. Alle sicher unter 3 Stunden. Duschen gibt es keine in Rotterdam. Schnell eine paar trockene Klamotten und den Rückweg in die Unterkunft antreten. Dort erwartet mich schon der Physio, den ich vorher für günstige 8€ (20 Minuten Behandlung) gebucht hatte. Die Behandlung ist schmerzhaft, muß aber sein. Schließlich folgen jetzt weitere 5 Marathons im Wochentakt.


Ich kann es kaum glauben. Trotz aller muskulärer Probleme und Schmerzen. Rotterdam in 2:58:02 gefished.
4x unter 3 Stunden. Frank 2:58:02, Jacek 2:52:50, Jaroslav 2:46:54 und Piotr 2:57:18

links: Ich kann es kaum glauben. Trotz aller muskulärer Probleme und Schmerzen. Rotterdam in 2:58:02 gefished.
rechts: 4x unter 3 Stunden. Frank 2:58:02, Jacek 2:52:50, Jaroslav 2:46:54 und Piotr 2:57:18


Am Abend gönne ich mir eine schöne Pizza im "La Pizza". Später im Hostel folgen viele Biere auf die nächste Sub3. Das bleibt nicht ohne Folgen. Der nächste Morgen ist hart. Aber mit einem reichhaltigen Frühstück bin ich schnell wieder hergestellt. Meine Bahn geht erst um 14:00Uhr. Da wird die Zeit genutzt, den "Euromast" zu besuchen. Hier hat man in fast 200m Höhe einen super Blick auf die Stadt Rotterdam und den riesigen Industriehafen. Das hat sich gelohnt!

Ein super Wochenende in einer schönen Stadt, einem top Marathon, und einer bärenstarke Stimmung an der Strecke.

Dank U well Rotterdam!


Einem heftigen Besäufnis am Abend......
....folgt ein ausgedehntes Frühstück am nächsten Morgen

links: Einem heftigen Besäufnis am Abend..... rechts: ....folgt ein ausgedehntes Frühstück am nächsten Morgen


Der Euromast im Hetpark
Blick vom Euromast in Richtung Rotterdam Stadt

links: Der Euromast im Hetpark  rechts: Blick vom Euromast in Richtung Rotterdam Stadt


Blick vom Euromast in Richtung "Europoort"
Nochmal Blick vom Euromast in Richtung "Europoort"

links: Blick vom Euromast in Richtung "Europoort"  rechts: Nochmal Blick vom Euromast in Richtung "Europoort"


Die Marathonstrecke vom 35.Rotterdam Marathon  (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)

oben: Die Marathonstrecke vom 35.Rotterdam Marathon  (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)


Lauf Analyse Rotterdam Marathon 2015 (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)

oben: Lauf Analyse 35.Rotterdam Marathon 2015 (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)