Samstag, 31.Januar 2009

10.RLT Rodgau Ultramarathon


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Nun war es soweit. Nach 5 gelaufenen Marathons sollte ein Ultra Marathon über 50km die nächste Herausforderung sein. Wie immer bei solchen Aktionen gibt es nicht genügend Zeit zur vernünftigen Regeneration vom letzten Marathon, und die Vorbereitungszeit ist wie immer viel zu kurz. Außerdem stehen in den nicht ganz 7 Wochen Vorbereitung auch noch zwei kleinere Wettkämpfe auf dem Programm. Bis der Entschluss endgültig gefasst ist, einen Ultra zu laufen, verstreicht schon die erste Woche. Nur noch 6 Wochen Zeit. Die erste Trainingswoche steht jedoch ganz im Zeichen vom 10km Silvesterlauf in Frankfurt. Der Silvesterlauf läuft erstaunlich gut. Ich schaffe sogar eine Zeit unter 41 Minuten. Super. Allerdings meldet sich nach dem Wettkampf die alte Verletzung vom Ermüdungsbruch wieder. Schmerzen und Drücken am Schambein. Ich reduziere das Training und mache sogar 3 Tage Pause. Erst eine Röntgenaufnahme beim Arzt gibt mir wieder grünes Licht zum Training. Puh! Alles noch ok, scheinbar nur ne Überlastung. Also weiter geht's im Training. Nur noch 5 Wochen bis zum Ultra und immer noch kein vernünftiges Training dafür gemacht. Ich schaffe 72km in Woche 4 vor dem Ultra Marathon. Aber beim Ultra sind 50km zu laufen, und das in einem etwas schnelleren Tempo. Mein Ziel für den Ultra lautet: ohne Gehpausen ankommen und unter 4 Stunden bleiben. Das würde bedeuten ich müßte einen Schnitt von 4:48 auf den Kilometer laufen. Das wäre ein Marathondurchlauf bei 3:22:30 und dann noch 7,8km dazu! Ist das überhaupt zu schaffen? Muß klappen! Weiter wird trainiert. Dumm nur, dass am Ende der Woche 3 vor dem Ultra, schon wieder ein Wettkampf am Sonntag ansteht. Da hilft nur eines, der lange Lauf wird donnerstags abends gelaufen und sonntags der 10,5km Wettkampf. Der lange Lauf wird zur Nacht und Nebel Aktion. Alles ist vereist und super dichter Nebel. Der Wettkampf sonntags wird zu einer Schlitterpartie bei Regen auf vereisten Waldwegen. Trotzdem klappt der Spagat. Insgesamt 73km gelaufen und eine gute Zeit beim Wettkampf. Noch 2 Wochen. Nun die letzte Chance nochmal ein paar Kilometer zu sammeln. Ich laufe unter anderem dienstags 21km, und samstags 30km. Es fehlen am Sonntag gerade mal 14 km zur 100'er Grenze. Das wäre neuer Wochenrekord für mich. Was tun? Na was wohl? Die 14km noch laufen! Total verrückt. Aber da packt einen mal wieder der Ehrgeiz und die Vernunft bleibt auf der Strecke. Noch eine Woche. Dienstags, letztes Intervalltraining 3x1500m im geplanten Ultratempo. Ausgerechnet jetzt meldet sich die Leiste wieder, wenn ich das Tempo anziehe. Bin ja auch selbst schuld! Was muss ich unbedingt die 100km in der Vorwoche laufen. Was jetzt ? Nicht verrückt machen lassen, die 2 letzten Einheiten einfach ohne die geplanten Steigerungen laufen, und am Samstag ganz normal den Ultra starten, und schauen was passiert.

Samstag 31.1.2009

Früh aufstehen ist angesagt. Schließlich sollte man noch ein ausreichendes Frühstück zu sich nehmen. Ich esse eine Schale mit Müsli, 2 Brote mit Honig und trinke Kaffee. Das hat sich im Laufe der Zeit bewährt. Die Tasche ist längst gepackt. Um 7.30 Uhr geht es dann los in Richtung Rodgau Dudenhofen. Mir geht es gut, ich bin bester Laune. Um 8.25 Uhr wollte ich mich an der S-Bahn Station mit Gabi treffen. Ausgerechnet an diesem Tag gibt es Probleme mit der Zugverbindung, so verschiebt sich der Treff am Bahnhof auf 9 Uhr. Zum Glück immer noch genügend Zeit bis zum Start um 10 Uhr. Letzte Vorbereitungen laufen, man trifft noch ein paar Leute aus dem Läuferforum, dann geht es ab zum Start. Um an den Start zu kommen, muss man noch einen Fußweg von fast 1 KM zum "Gänsbrüh" zurücklegen. Es ist kalt. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nicht gerade angenehm. Am Startplatz stehen schon fast alle bereit. Es bleibt nichts anderes übrig, sich ganz hinten anzustellen. Ist ja dank moderner Zeitnahme nicht so schlimm.

Der Startschuss fällt. Es dauert fast 3 Minuten, bis ich über die Startlinie laufe. Jetzt geht der Slalomlauf los. Es ist viel zu eng und zu voll um hier vernünftig sein Tempo zu finden. Naja, vielleicht gar nicht so schlecht denke ich, da überpaced man am Anfang auch nicht so. 10 Runden a 5 KM sind zu laufen. Die Strecke führt vom Start weg erst mal leicht abfallend, dann folgt eine fast 180 Grad Kurve nach rechts. Weiter geht es am Waldrand auf den Verpflegungsstand zu. Dieser liegt in einer Linkskurve. Von dort führt die Strecke über ein freies Feld vorbei an KM Marke 1. Jetzt rechts herum leicht ansteigend auf ein Waldstück zu. Bis man allerdings im Wald ist, bläst der Wind ganz empfindlich. Im Wald gibt es die 2 KM Marke. Nach einer Linkskurve kommt die Wendepunktstrecke. Sehr eng geht es hier zu. Man läuft noch ein kleines Stück aus dem Wald heraus, dann kommt die Wendemarke auf engstem Raum um ein Fass herum. Richtungswechsel, wieder zurück in den Wald. Weiter gerade aus am Waldrand, jetzt ist die Strecke wieder komplett ohne Gegenverkehr. KM 3 Marke kommt, und auch wieder ein Abschnitt über das offene Feld. Hier pfeift der Wind zum Glück nicht so stark. Eine rechts, kurz darauf links Kurve, dann führt der Weg wieder auf den Wald zu. Im Wald gibt es ein paar leichte Kurven, bis man nach rechts abknickt. Jetzt führt die Strecke etwas hügelig an einem Zaun zur Opel Teststrecke entlang. Hier kommt jetzt auch die KM 4 Marke. Die Strecke macht eine Kurve nach rechts, das Schlimmste ist überstanden. Jetzt geht es fast nur noch leicht abschüssig bis zum Start/Ziel Bereich. Runde 1 : Alles voller Läufer, kaum ein Durchkommen. Gleich nach dem Verpflegungsstand treffe ich Laufjoe, er macht ein Bild, und gibt mir die Erlaubnis Ihn einmal zu überrunden. Mühselig bewege ich mich im Slalom um die ganzen Läufer/innen. Das kostet Zeit und Kraft. Das Feld zieht sich kaum auseinander. Warum Muss ich auch so lange rumtrödeln am Start. Es hilft alles nichts, ich muss jetzt teilweise neben der Strecke überholen. Am Wendepunktabschnitt geht mal fast gar nichts, ich muss bremsen. Meine Zeiten bis KM3 total außer Plan. 5:06, 5:03, 5:04. Zum Glück ist die Wendepunktstrecke vorbei, es gibt etwas mehr Platz, ich kann wieder schneller laufen. 4:35 bei KM4, na also. Zum ersten Mal die Strecke runter Richtung Start/Ziel Bereich. Am Waldrand steht Harald wie versprochen mit einer Rassel, und feuert mächtig an. Top! Danke Harald! Die erste Runde neigt sich dem Ende zu. Im Zielbereich ist viel los. Sogar ein paar Cheerleaders machen Stimmung. Klasse! Die Zeitnahme erfolgt. KM 5 in 4:30 gelaufen. Das macht eine Rundenzeit von 24:20. Ganze 20 Sekunden hinter dem Plan. Aber das kann man aufholen.

Runde 2:

Ich muss jetzt nur aufpassen, dass ich mich nicht verausgabe beim aufholen. Hey, da vorne läuft ja auch Gabi. Ich schließe auf, und wir plaudern kurz. Weiter geht es am Verpflegungsstand vorbei auf die nächste KM Marke. Ne 4:30 ! Das bedeutet ich bin wieder voll im Plan von 4:48/km. Sauber, back on Track. Jetzt kann ich erst mal wieder langsam machen. Es läuft jetzt. Das Feld hat sich gut auseinander gezogen, die Überholmanöver sind nicht mehr so schwierig. Der Puls hat sich bei 82-85% HFmax eingependelt. Die restlichen Zeiten für die Runde 2 sind alle um 4:35. Runde 2 wird mit einer 22:46 gestoppt. Das bedeutet 10km in 47:06. Schon 54 Sekunden "Vorsprung".

Runde 3:

Jetzt aber mal Tempo raus, sonst gibt es irgendwann ein böses Ende. In Runde 3 wird endlich mal ein Becher warmen Tee getrunken. Bis ich geschnallt habe, wie das läuft mit der Verteilung, bin ich bereits am Tischende und da steht nur noch Tee. Aber der ist gar nicht schlecht. Und mit dem Magen scheint es auch zu klappen. Jetzt fängt allerdings die Leiste doch leicht an zu ziehen, aber alles noch erträglich. Wenn es so bleibt dann ist es ok. Am Ende der Wendestrecke, treffe ich nochmal auf Gabi, die gerade in die Wendestrecke einbiegt. Ist die schnell unterwegs, super! Daumen nach oben. Ich frage, alles klar? "Ja, prima". Ich antworte, "bei mir auch, läuft gut". Das mit dem ziehen in der Leiste habe ich jetzt mal verschwiegen. Runde 3 laufe ich in 23:02min.

Runde 4:

Es ist nicht mehr so locker, aber es geht noch. Die Beine werden leicht schwerer. Die Zeiten sind noch super 4:35, 4:36, 4:38, 4:36, 4:31. Harald steht noch immer an der Strecke und feuert an: "Du bist gut in der Zeit", ich rufe "ja, aber langsam merke ich es doch ganz schön".

Runde 5:

Wenn diese Runde geschafft ist, dann ist die Hälfte rum. Noch 30km. Auf was für eine Aktion hab ich mich denn da eingelassen? Noch 30 verdammte Kilometer. Aber warum verrückt machen. Es geht doch noch. In 23:11 wird dir Runde gelaufen. Halbmarathondurchlauf war unter 1:39. Die Zeit nach 25km beträgt 1:56:16! Fast 4 Minuten schneller als geplant!

Runde 6:

Die Hälfte der Strecke habe ich hinter mir. Jetzt kommt das Gel zum Einsatz. Vielleicht hat es eine ähnlich gute Wirkung wie im Siebengebirge. Am Verpflegungsstand verliere ich etwas an Zeit, um endlich an den Becher Wasser zu kommen. Der Stand wird nun immer öfter angesteuert, einige machen dort eine kleine Pause. Jetzt hoffen auf den neuen Energieschub vom Gel. Rundenzeit 23:01.


KM10 noch alles kein Problem. Bildquelle, mit freundlicher Genehmigung: www.go4it-foto.de
KM30 in Sicht, es geht wieder. Bildquelle, mit freundlicher Genehmigung: www.go4it-foto.de

links: KM10 noch alles kein Bildquelle, mit freundlicher Genehmigung: www.go4it-foto.de Problem. Bildquelle, mit freundlicher Genehmigung: www.go4it-foto.de
rechts: KM30 in Sicht, es geht wieder.
Bildquelle, mit freundlicher Genehmigung: www.go4it-foto.de


Runde 7:

Nur noch 20km. Ich fühle mich wieder etwas gestärkt. War es das Gel oder der Glaube daran? Bald ist es geschafft. Die Leiste verhält sich ruhig, oder ich habe es inzwischen ausgeblendet. Immer noch KM Zeiten unter 4:40. Keine Anzeichen von Einbruch. Rundenzeit 23:09. KM35, immer noch 15km zu laufen, na und ? Mir geht's gut!

Runde 8:

Noch 15km. Es wird langsam zäh. Ich muss mich jetzt zusammenreißen. Alles was nach KM35 kommt ist für mich die kritische Phase. Jetzt entscheidet es sich. Ich laufe an dem Schild mit der Marathon Markierung vorbei. In der nächsten Runde habe ich hier die Marathondistanz geschafft. Aber damit ist ja nicht erledigt. Da fehlen ja noch 7,8km. Mir kommt es vor als würde ich langsamer werden. Was sagt die Uhr? Immer noch 4:40 auf den KM. Jetzt sogar ne 4:35. Da ist nichts langsamer geworden. 23:19 in Runde 8. Das ist absolut ok.

Runde 9:

Auf geht's noch 10km. Jetzt kommt ja auch der Marathondurchlauf. Ein Highlight in dieser Runde. Am Verpflegungsstand greife ich jetzt nach Cola. Ich bin schon bei KM41. Wäre es ein Marathon, dann hätte die Qual gleich ein Ende. Aber all diese Wegpunkte sehe ich nur noch ein Mal, dann ist es geschafft. Berg hoch, der Wind bläst. Alles ist jetzt super anstrengend. Ich laufe nur noch mechanisch vor mich hin. KM42. Und jetzt kommt der Marathondurchlauf. Hurra, ich bringe ein kleines Lächeln heraus. In 3:16:17 überquere ich die Marathonmarke. Nur 1:47 langsamer als in Mainz. Ich rufe mir laut zu "auf! das schaffe ich jetzt auch noch!" Die Wendestrecke kommt, das Stück im Feld. KM 43, KM 44. Alles Entfernungen, welche ich noch nie gelaufen bin. Ich bin immer noch unter 4:50/km. Noch einmal durch die Zeitnahme.

Runde 10:

Jetzt muss alles mobilisiert werden was noch geht. Ich bin am Ende. Ich könnte doch mal ein Stück gehen, ach was wär das schön. Nix da. Durchhalten ! Jetzt bist du soweit ohne Gehpausen gekommen, da wird in der letzten Runde erst recht nicht gegangen. Nochmal Cola am Getränkestand. Es geht ins Feld. KM 46. Nur noch 4km. Das wären 20 Minuten bei 5min/km. 20 Minuten können so lange dauern. Die ganze Zeit laufe ich neben einem Läufer her. Um mich ein wenig von den Qualen abzulenken, plaudern ich ein bisschen mit Ihm. Er kommt aus Saarbrücken. Da war doch was! Mein Marathonalptraum! Jetzt nur nicht abkacken wie in Saarbrücken, schießt es mir durch den Kopf. Wir kommen an KM47 vorbei. Ich kann das Tempo des Saarländers nicht mehr mitgehen. "Ich muss ein Tick langsamer machen, lauf du ruhig vor" rufe ich ihm zu. Er zieht davon. Zum letzten Mal die Wendestecke. Das muss doch jetzt mit dem Teufel zugehen, wenn ich jetzt nochmal ein Stück gehen müsste. Zusammenreißen ! Das schaffst du jetzt. Die Zeit ist so gut. Jetzt nichts mehr versauen. KM48 mit ner 4:57 genommen. Immer noch unter 5 Min/km. Gesamtzeit 3:44:16. Also die Sub 3:55 lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen. Aber 2 km können so lang sein. Nochmal in den Wald rein. Die Hügelstrecke. Nach dem Knick nach rechts geht es doch nur noch leicht abwärts. Dann war's das. KM49 in 4:49. Ich befinde mich bereits auf dem langen letzten Stück. Jetzt nochmal ne gute KM Zeit, dann schaffe ich sogar eine Endzeit unter 3:54. Egal wie das schaffe ich jetzt. Ich schließe sogar wieder auf den Saarländer auf. Nebeneinander laufen wir Richtung Ziel. Alles ist so klasse. Was für ein Tag. Man kann den Zielbereich immer besser erkennen. Nur noch wenige Meter. Die Cheerleaders winken. Die Zuschauer klatschen. Alles ist einfach nur genial. Es geht durch die Zeitnahme. Geschafft! Der erste Ultra ist gelaufen. Und die geplante Zielzeit um über 6 Minuten unterboten. Endzeit: 3:53:56.

Ich bin nur noch glücklich. Ab zum Verpflegungsstand und erst mal vollstopfen mit allem was so geboten wird. Und davon gibt es reichlich. Ich genehmige mir ein alkfreies Bier, und gehe zu meinem Mitläufer aus der letzten Runde. "Prost Saarländer, das ist ja wohl mal super gelaufen". Jetzt kommt auch schon Gabi ins Ziel. In 4:10:04. Das ist eine super Zeit. Damit erreicht Sie wie im Siebengebirge den 3.Platz in der AK35. Klasse Zeit! Glückwunsch!

Jetzt geht's mal langsam zum Duschen. Leider Muss man jetzt erst wieder zurück laufen. Ich bin total ausgekühlt, und freue mich auf die warme Dusche. Ich bin einfach kaum mehr in der Lage zu gehen. Überall friert es mich. Ich gehe zum Auto um die Sachen zu holen. Nochmal laufen zu den Duschen! Nee, ich fahre! Jetzt endlich warme Duschen. Aber wie das Leben so spielt, gibt es heute kein warmes Wasser in den Duschen! Viele ziehen sich nur trockene Sachen an, und fahren nach Hause. Das kann ich leider nicht machen. Ich muss kalt duschen! Mit dem Föhn versuche ich hinterher meine Füße und Hände wieder aufzutauen. Irgendwann geht es dann. Kaum fertig mit allen, kommt der Hausmeister und erzählt uns, dass 2 Kabinen weiter die Duschen warm sind. Toll! Zurück in der Turnhalle, warten wir natürlich jetzt auf die Siegerehrung. Platz 3 in der AK35 für Gabi. Und das beim Ultradebüt. Eine klasse Leistung! Das ganze wird dann abends in Sachsenhausen mit Gabi, Joe und mir, in der "Wettkampfnachbesprechung" mit Äppelwoi gefeiert.


Rundenzeiten 50km Ultramarathon Rodgau 2009

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