Samstag/Sonntag, 27/28.Juni 2015

27.Reichenbacher 24 Stundenlauf (DM)


Logo Reichenbach 2015

Der 24 Stunden Lauf kommt dieses Jahr viel zu früh. Keine Zeit mehr für eine richtige Vorbereitung. Auch die dringend benötigte Erholung, nach bereits 14 gelaufenen Marathons in 2015, findet praktisch nicht statt. Entsprechend gedämpft sind die Erwartungen. Der einzige Vorteil gegenüber dem 24h Lauf aus dem letzten Jahr, ist eine vernünftige Unterkunft in der Nacht vor dem Lauf, und die Erfahrungen aus 2014.

Zusammen mit Vereinskollege Dirk wird am Freitag um die Mittagszeit der 410km lange Anreiseweg nach Reichenbach in Angriff genommen. Den Kofferraum voll mit allem möglichen Krams. Ob jetzt sinnvoll oder nicht. Es wird versucht für jede erdenkliche Situation irgendwas dabei zu haben. Die Straßen sind voll, die Temperaturen gehen stark in Richtung 30°C. Es kommt permanent zu Staus. Wir sind genervt, müde und gar nicht so in Stimmung für einen 24 Stunden Lauf.


Kaffepause muß sein! Kurzerhand einen Stopp in Bamberg gemacht, Kaffee getrunken und die Altstadt besichtigt!
Kaffepause muß sein! Kurzerhand einen Stopp in Bamberg gemacht, Kaffee getrunken und die Altstadt besichtigt!

oben: Kaffepause muß sein! Kurzerhand einen Stopp in Bamberg gemacht, Kaffee getrunken und die Altstadt besichtigt!


Irgendwie schaffen wir es doch, gerade so gegen kurz vor 8 Uhr, im Stadion am Wasserturm die Startunterlagen abzuholen. Das Orga Team vom LAV Reichenbach war schon kurz davor die Tür zum Meldebüro abzuschließen.......Schnell noch die Lage checken, und das Zelt für morgen aufbauen. Geschafft! Ein Glück! Darum müssen wir uns morgen früh keinen Kopf mehr machen. Jetzt noch in die Unterkunft zum einchecken, Taschen abstellen, kurz frisch machen. Ab zum Supermarkt letzte Dinge einkaufen. Ganz wichtig noch, das Abendessen muß eingenommen werden. Was für ein Stresstag! Wie soll man da erholt am Samstagmorgen um 10Uhr an den Start gehen? Fast unmöglich!


Das Stadion am Wasserturm. Hier befindet sich der Start, Versorgungsbereich und die Startnummernausgabe
Gerade noch in der Zeit. Punkt 8Uhr wird der Raum zur Startnummernausgabe abgeschlossen

links: Das Stadion am Wasserturm. Hier befindet sich der Start, Versorgungsbereich und die Startnummernausgabe
rechts: Gerade noch in der Zeit. Punkt 8Uhr wird der Raum zur Startnummernausgabe abgeschlossen


Sauerei! Das vorher extra als "S" bestellte Shirt gibt es nur noch ab "L" und ist somit absolut unbrauchbar! NACHTRAG: DER LAV REICHENBACH HAT AUF ANFRAGE 2 SHIRTS IN PASSENDER GRÖSSE NACHGELIEFERT. EIN SUPER SERVICE WIE ICH FINDE!! DANKE LAV TEAM!!!!
Keine große Sache ist der Aufbau vom "Wurfzelt". Man hilft sich sofort und wie selbstverständlich gegenseitig.

links: Sauerei! Das vorher extra als "S" bestellte Shirt gibt es nur noch ab "L" und ist somit absolut unbrauchbar! Angeblich wurden keine "S" und "M" geliefert. Sauerei! Das vorher extra als "S" bestellte Shirt gibt es nur noch ab "L" und ist somit absolut unbrauchbar!
NACHTRAG: DER LAV REICHENBACH HAT AUF ANFRAGE 2 SHIRTS IN PASSENDER GRÖSSE NACHGELIEFERT. EIN SUPER SERVICE WIE ICH FINDE!! DANKE LAV TEAM!!!!
rechts: Keine große Sache ist der Aufbau vom "Wurfzelt". Man hilft sich sofort und wie selbstverständlich gegenseitig.


Die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Trotzdem ist der Blick fix auf den Start morgen um 10Uhr gerichtet.
Die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Trotzdem ist der Blick fix auf den Start morgen um 10Uhr gerichtet.

oben: Die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Trotzdem ist der Blick fix auf den Start morgen um 10Uhr gerichtet.


"Müllers alte Backstube". Es ist die perfekte Unterkunft in Reichenbach, gerade für den 24 Stundenlauf.
Die Wahl für das Karboloading am Freitagabend fällt auf die Pizzeria "Da Papu" im Ortskern von Reichenbach

links: "Müllers alte Backstube". Es ist die perfekte Unterkunft in Reichenbach, gerade für den 24 Stundenlauf.
rechts: Die Wahl für das Karboloading am Freitagabend fällt auf die Pizzeria "Da Papu" im Ortskern von Reichenbach.


Anfangs ist Dirk noch gut drauf beim Abendessen
Die Laune schlägt allerdings um, da das Hauptessen ewig braut und die Portion viel zu klein ist.

links: Anfangs ist Dirk noch gut drauf beim Abendessen
rechts: Die Laune schlägt allerdings um, da das Hauptessen ewig braut und die Portion viel zu klein ist


Ich kann mich nicht beklagen. Mein Essen kommt schnell und die Portion ist ausreichend.
Das bekommt man im "Da Papu", wenn vorher eine extra große Portion "Spaghetti al Oglio" bestellt wird

links: Ich kann mich nicht beklagen. Mein Essen kommt schnell und die Portion ist ausreichend.
rechts: Das bekommt man im "Da Papu", wenn vorher eine extra große Portion "Spaghetti al Oglio" bestellt wird.


In der Nacht zum Samstag wird kaum ein Auge zugemacht. Wenn ich es hochrechne vielleicht 2 Stunden Schlaf am Stück. Mir brummt der Kopf, ich bin platt und gerädert. Das kann doch nicht funktionieren! Bereits die Nacht zuvor, hatte ich auch schon wenig Schlaf. Egal, da muß ich jetzt durch. Schon mal die Tasche gepackt, einen starken Kaffee gekocht und warten bis es 7 Uhr ist. Dann gibt es nämlich Frühstück!

Das Frühstücksbüffet ist super reichhaltig. Es ist alles da was man so braucht. Schade nur, dass wir nicht so richtig reinschlagen können. Ein bisschen mehr als vor einem Marathon geht da schon. Ich gönne mir sogar ein Müsli mit super dickem Joghurt. Wenn das mal kein Fehler war! Wie mir der Hausherr später erklärt, ist da extra Sahne und Vanillezucker drin!

Die Wahl der Unterkunft ist trotzdem spitzenmäßig! Wir können unsere Sachen einfach bis zum Sonntag im Zimmer lassen, obwohl wir nur für 2 Nächte zahlen! Wo gibt es denn sowas noch?


Die Startnummern werden schon mal gepinnt. Für die Vorderseite mit Chip und die Rückseite normal. Ein Startnummernband kommt für mich nicht in Frage. Das nervt nur, und zwar 24 Stunden lang!
Super Frühstück. Da muß man sich extrem zusammenreißen, um nicht später überfressen am Start zu stehen.

links: Die Startnummern werden schon mal gepinnt. Für die Vorderseite mit Chip und die Rückseite normal. Ein Startnummernband kommt für mich nicht in Frage. Das nervt nur, und zwar 24 Stunden lang!
rechts: Super Frühstück. Da muß man sich extrem zusammenreißen, um nicht später überfressen am Start zu stehen.


Wie üblich ein paar Brötchen mit Marmelade oder Honig. Dazu immer reichlich Kaffee.
Wenn das mal gut geht. Müsli in extrem dicken Joghurt vom Hausherrn mit Sahne und Vanillezucker verfeinert.

links: Wie üblich ein paar Brötchen mit Marmelade oder Honig. Dazu immer reichlich Kaffee.
rechts: Wenn das mal gut geht. Müsli in extrem dicken Joghurt vom Hausherrn mit Sahne und Vanillezucker verfeinert.


Gut gefrühstückt brechen wir auf zum Stadion. Hier ist schon gut was los. Das Wetter ist angenehm. Die Temperaturen weit unter 20°C. Letzte Vorbereitungen für den Start. Die wichtigsten Sachen werden parat gelegt. Mir genügen fürs erste ein paar Gels, Riegel und Wasser. Dirk fährt da schon wesentlich mehr auf. Mixt uns gleich noch ein Getränk aus Cola und Redbull, falls mal gar nichts mehr geht.

Auf sowas will ich, wenn möglich verzichten. Mein Plan ist simpel. Ab KM 15 geht es los mit Gel, dann alle 10km im Wechsel einen Riegel bzw. ein Gel. Den Rest hole ich mir am offiziellen Verpflegungspunkt. Dort werde ich sowieso ziemlich schnell ein paar Stopps einlegen, und irgendwelchen Kram fressen, der unterm Strich eh' nichts bringt außer einen vollen Magen. In der Schuhwahl vertraue ich auf den gut gedämpften Asics Cumulus 15. Der hat schon fast 800km drauf, aber lief sich gerade auf langen, langsamen Strecken recht angenehm.

Kurz vor 10 Uhr. Jetzt wird es ernst. Auf zum Start! Die Nationalhymne wird gespielt. Ein paar Erklärungen noch, dann geht es pünktlich los!


Die letzten Vorbereitungen zu Start. Verpflegung raus legen an den Tisch. Wechselklamotten und andere Schuhe im Zelt parat stellen.
Na super! Jetzt fängt das auch noch an zu regnen kurz vor dem Start.

links: Die letzten Vorbereitungen zu Start. Verpflegung raus legen an den Tisch. Wechselklamotten und andere Schuhe im Zelt parat stellen.
rechts: Na super! Jetzt fängt das auch noch an zu regnen kurz vor dem Start.


Noch schnell ein Foto vor dem Start für das Vereinsarchiv.
10 vor 10 in Reichenbach. Kurze Ansprache, Nationalhymne und dann geht es ab.

links: Noch schnell ein Foto vor dem Start für das Vereinsarchiv.
rechts: 10 vor 10 in Reichenbach. Kurze Ansprache, Nationalhymne und dann geht es ab. 


Die ersten Runden sind zum abtasten. Die Strecke wird begutachtet, das Tempo versucht konstant um die 6min/km zu halten. Im Großen und Ganzen läßt sich der amtlich vermessene 1199,19m lange Rundkurs halbwegs gut laufen. Die Bodenbeläge wechseln von Asphalt, Betonpflaster und Kunststoff. Es gibt 2 leichte Anstiege, die sich im Laufe des Rennens natürlich summieren werden. Die Temperaturen sind angenehm, es ist recht bewölkt, aber noch regnet es nicht.

Den 6'er Schnitt bekomme ich nicht hin. Bin viel zu schnell unterwegs. Die ganzen erfahrenen Ultra Cracks sind wesentlich langsamer unterwegs. Das kommt davon, wenn man im Training das Tempo nicht läuft. Dazu in kurzen Abständen, Marathons am Anschlag gelaufen. Da ist es der Körper nicht gewöhnt, plötzlich einen 6'er Schnitt zu laufen. Die Folge: man wird immer wieder automatisch schneller und muß sich einbremsen! Die Quittung dafür werde ich mit frühzeitiger Ermüdung relativ schnell bekommen.  

In den ersten Runden hat man das Gefühl, es geht überhaupt nicht voran, und noch so viele Stunden sind zu laufen. Die Strecke hat sich relativ bald eingeprägt und ist schnell langweilig. Viele der Mitstreiter/innen auf der Strecke kennt man. Andere wiederum laufen heute Ihr 24 Stunden Debüt, wie zum Beispiel Mike Hausdorf aus Berlin. Mit ihm bin ich eine ganze Weile beim Rom Marathon 2014 zusammen gelaufen. So trifft man sich immer wieder bei Laufveranstaltungen. Das freut mich. 

Leider gibt es auch Laufbekannte die einem weniger gut in Erinnerung sind. So muß ich zu meinem Entsetzten feststellen, dass der Dauersänger der LG Berlin Nord auch am Start ist. Wie immer, er singt! Pausenlos! Grausam! Das ist ehrlich gesagt nur kurz witzig, und auf die Dauer nur noch nervend. Na klar, jeder wie er will. Aber bei allem Verständnis, das ist eine Deutsche Meisterschaft und keine Karnevals Veranstaltung. Irgendwo hört der Spaß auf. Als wären die peinlichen Schlager aus der offiziellen Streckenbeschallung nicht schon schlimm genug. Na gut, ich muß wohl damit leben. Irgendwann wird er damit bestimmt aufhören.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, überhaupt in den Lauf reinzukommen, geht es jetzt etwas besser. Ich halte mich an die Verpflegungsstrategie mit Wasser, Gel und Riegeln. Es werden fleißig Kilometer gesammelt. Noch vor der 4 Stunden Grenze ist die Marathondistanz bereits absolviert. Damit ist 1/4 des Minimalziels von 160km gelaufen. Natürlich werden die Beine jetzt schwerer und das geht nicht ewig so weiter. Aber erst mal dranbleiben, auch wenn es jetzt heftige Regenschauer gibt. Vereinskollege Dirk klagt dagegen seit km30 über Adduktorenprobleme und nimmt Tempo raus.

Während die ersten schon auf Regenkleidung setzen, oder sogar mit einem Regenschirm Ihre "Wanderung" fortsetzten, bleibt bei mir alles beim alten. Kurz/kurz und weiterhin die inzwischen nassen Asics Cumulus 15 Schuhe. Es wird zunehmend schwieriger, der Versuchung zu verfallen, nicht mal ein kurzes Stück zu gehen. So fängt es immer an. Dann geht es schlagartig abwärts. Deshalb solange laufen wie es nur geht. Das klappt auch für die nächsten 2 Stunden. 52,9km nach 5 Stunden und 63,7km nach 6 Stunden.

Jetzt meldet sich die Verdauung immer heftiger. OK, ich bin gut im Schnitt, ein paar Minuten Zeit für den Toilettengang kann ich mir erlauben. Aber wie das so ist, der Körper ist blockiert. Es geht nichts! Nach fast 10 Minuten Klo Pause, bin ich wieder auf die Strecke. Das war umsonst, hat Zeit gekostet und noch viel schlimmer: Ich bin aus dem Rhythmus! Das Anlaufen fällt so schwer. Instinktiv versuche ich die verlorene Zeit wieder reinzuholen. Dennoch kommen nur 8,4km in Stunde 7 auf die Uhr.

Das läuft jetzt nicht mehr rund. Die ersten Gehpausen werden eingelegt. Der Regen hat aufgehört, die Sonne wärmt das Klima auf. Der Bann ist gebrochen. Ich greife ich am Verpflegungspunkt nach Äpfeln, Bananen oder Kartoffeln mit Salz. Gar nicht gut! Mann, reiß dich zusammen! Die Kilometer pro Stunde werden weniger, aber es paßt gerade noch. In Stunde 8 noch 9,6km. Für die Stunde 9 nur noch 8,4km. Damit habe ich am Samstagabend 19:00Uhr 90,1km auf der Uhr. Das ist sehr ordentlich, und irgendwie hatte ich mir insgeheim erhofft, nach 10 Stunden die 100km Marke geknackt zu haben. Aber was ist danach? Es geht doch jetzt schon nichts mehr, und noch nicht mal die Hälfte der Zeit ist abgelaufen.  

Auf komm! 100km in 10 Stunden. Das geht! Jetzt mal durchziehen und keine Gehpausen machen! Die ersten haben bereits die 100km Marke gepackt und werden über die Lautsprecher Anlage durchgesagt. Das setzt ja wirklich nochmal ungeahnte Kräfte frei. Tatsächlich, es reicht! Fast genau um 20:00Uhr stehen die 100km auf der Uhr! Aber jetzt kommt genau das, was ich befürchtet habe. Der Schalter wird rumgelegt, ich falle in ein Motivationsloch. Die Luft ist von jetzt auf gleich raus. In der 11.Stunde bringe ich es nur auf 7,2km.

Der Sprecher kündigt das Bergfest an. Die Hälfte wär dann schon geschafft. Ich seh' das leider etwas anders! Nochmal 12 Stunden zu laufen und völligst im Eimer! Was macht eigentlich Dirk? Er kämpft verzweifelt, bleibt weiterhin auf der Strecke. Die 100km hat er jetzt auch passiert. Aber ehrlich gesagt er sieht nicht gut aus. Kurzer Plausch auf der Strecke. Er ist am Ende, will mal Pause machen. OK, die 12 Stunden machen wir noch voll, dann gibt's eine paar Runden gehen mit Kaffee! 115,3km stehen beim Bergfest zu buche. Jetzt nochmal 12 Stunden auf der Strecke bleiben! 

Eine oder auch zwei Kaffeerunden mit Dirk gehen. Das ist jetzt mal drin. Wir hadern mit uns selbst. Zuviel gemacht in der letzten Zeit. Kein spezifisches Training für die 24 Stunden. Tja so ist das eben, und jetzt stecken wir mitten im Schlamassel. Umso erstaunter bin ich, als Dirk bereits nach einer Runde gehen, wieder anläuft. OK, dann hinterher! Er hat ja Recht! Es dauert nicht lange, da fängt das schon wieder an heftig zu regnen. Da ist man gerade vom letzten Schauer trocken und schon kommt der nächste. Jetzt wird endlich ein langarm Shirt angezogen. Gegen den Regen nehme ich die gute Kappe vom 2014'er 100km Lauf am Leipziger Auensee. Auch wenn alle anderen ständig die Klamotten und Schuhe wechseln, ich ändere sonst nichts. Noch ein Schluck aus der Pulle und wieder auf die Strecke. Das hat alles Zeit gekostet. Stunde 13 ist der bisherige Tiefpunkt mit läppischen 4,8km. Aber die 120 gesamt Kilometer sind gepackt.


Nach den guten ersten 10 Stunden mit 100km auf der Uhr, macht sich in der Nacht die Verzweiflung breit.
Dirk ist total fertig und versucht alles um auf der Strecke zu bleiben

links: Nach den guten ersten 10 Stunden mit 100km auf der Uhr, macht sich in der Nacht die Verzweiflung breit.
rechts: 
Dirk ist total fertig und versucht alles um auf der Strecke zu bleiben


Jetzt muß mal ein bisschen mehr kommen! Noch 40km zum Minimalziel von 160km. Der Dauerregen wird immer schlimmer. Das Wasser steht auf der Laufbahn. Da überlegt man sich wirklich, ab man nicht doch mal ne Pause im trockenen einschieben soll. Aber das wäre der Anfang vom Ende. Nix da! Weiter laufen! Klar werden da jetzt immer häufiger "Gehrunden" eingelegt. Stunde 14 mit 8,4km ist unterm Strich ordentlich.  

Ich bin total durchgeweicht. Aber das macht mir irgendwie gar nichts mehr aus. Die Strecke leert sich. Man merkt doch dass jetzt viele Teilnehmer wegen dem Regen eine Pause einlegen. Da wird massiert, ein kleines Erholungs Schläfchen gemacht. Ist ja kein Problem, wenn man ein paar Betreuer dabei hat. Ich bin mal wieder ganz auf mich alleine angewiesen. Es ist wie letztes Jahr in Berlin. Man verliert die Kontrolle über sich selbst, und macht Dinge die ein Betreuer verhindern würde. So muß ich mich immer mehr mit Kartoffeln oder Apfelstücken nach ein paar gelaufenen Runden belohnen. Das ist nicht gut, wenn ich immer mehr in mich reinstopfe. Auf Dirk kann ich auch nicht mehr zählen. Er ist völlig platt, kann kaum mehr gehen, und beschließt eine längere Pause einzulegen. Bei mir kommen 7,2km für die erste Stunde nach Mitternacht dazu. Macht 135,7km gesamt.

Von 1-2 Uhr in der Nacht geht es gerade so weiter. Ich hangele mich durch. Nehme mir ein Erdinger alkfrei Weizen mit auf die Strecke. Vielleicht bringt es ja was. Zu mindestens werde ich nicht müde. Das war noch den bisschen Schlaf, in den letzten Nächten, so nicht zu erwarten. Wieder 7,2km mehr auf der Uhr. Wie lange geht das so weiter
? Noch 8 Stunden irgendwie auf der Strecke bleiben.

Die Oberschenkel und Waden werden immer härter. Das ist gerade mehr Krampf als Kampf. Es ist die schlimmste Krise seit dem Start. Was soll ich tun? Massage wäre jetzt super. Aber gibt's ohne Betreuerstab nicht. Magnesium wurde immer schön reingepumpt. Da kann ich auch nichts mehr ändern. Ich muß die Beine wieder etwas lockerer kriegen. Pferdebalsam muß jetzt her! Nochmal ein ausgedehnter Stopp am Zelt. Ich nehme das kühlende Balsam. Das wärmende wäre bestimmt nicht gut. Obwohl kalt ist mir schon. Nee, Blödsinn. Das kühlende Balsam wird einmassiert. Da kommt man ja gar nicht mehr hoch. Es ist ein Elend! Los raus auf die Strecke! Weiter geht's! Das fühlt sich erst mal etwas besser an. Nur wie lange? Die 17.Stunde bringe ich kaum was zählbares auf die Uhr. 146,5km zeigt die Durchgangsmessung um 3Uhr in der Nacht. Dann waren das ja gerade mal 3,6km in den letzten 60 Minuten!

Kurzer Plausch mit Dirk auf der Strecke. Für Ihn geht nichts mehr. Die komplette Muskulatur macht zu. Er will für 1-2 Stunden im Zelt die Beine hochlegen, und dann schauen ob noch was geht. Ich will es auf jeden Fall durchziehen. Es geht auch wieder etwas besser. 7,2km stehen um 4 Uhr in der Früh mehr auf dem Tacho. Noch 6 Stunden und die 160'er Marke ist zum greifen nahe!

Runde für Runde schlurfe ich über die Strecke. Der Gedanke an die 160km hält mich am laufen. So kann ich wieder 7,2km in der 19.Stunde sammeln. Das wäre erledigt! 160,9km zeigt die Tafel. Jetzt bloß nicht wieder in das nächste Loch fallen. Nun muß die Leistung aus dem letzten Jahr übertroffen werden. 185,3km waren es bei meinem 24 Stunden Debüt 2014 gewesen.

Es wird langsam hell. Wir kommen dem Ende der Qualen immer näher! Dirk hat sich wieder aufgerappelt und ist zurück auf der Strecke. Es dauert allerdings nicht lange, dann gibt er endgültig auf. Das wars für Ihn, er geht frustriert zum duschen. Es macht absolut keinen Sinn mehr. Ich muß weiter dranbleiben. Diese 25km werden doch noch irgendwie möglich sein! Schon wieder ein Stopp am VP, und das Mixgetränk aus Redbull und Cola haue ich mir auch noch rein. Das bringt doch nix! Ich bin verzweifelt, da macht man allen möglichen Mist. Trotzdem werden nochmal 7,2km bis um 6Uhr morgens verbucht!

Noch 4 Stunden! Ich muß nur auf der Strecke bleiben, dann reicht es! Selbst bei 4-5km gehen in der Stunde. Aber auch gehen ist gar nicht mal so leicht. Ich muß mich konzentrieren, konsequennt weiter laufen/gehen. Einer scheint da überhaupt keine Probleme mit zu haben. Der Sänger der LG Berlin Nord ist wieder auf der Strecke, und trällert
 munter vor sich hin. Ich flipp' gleich aus! Kann der nicht mal Ruhe geben! Schnell dran vorbei! Man sollte wirklich voher die Teilnehmerlisten genau studieren, wer alles am Start ist! Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe, aber es sind wieder 7,2km seit 6Uhr dazu gekommen.

7Uhr Sonntagsmorgens, die Runden Anzeige bringt kurz ein leichtes zufriedenes Lächeln ins Gesicht. 175,3km! Da habe ich mir ein kleines Frühstück mit Kaffee verdient! Es wird überschaubar. 3 Stunden noch. 3,33km pro Stunde und die Bestmarke fällt. Egal wie, das bekomme ich auf jeden Fall hin! Eine Runde gehen, eine Runde laufen. Zur Belohnung für jede Laufrunde eine paar Apfelstückchen. So kommen bis 8Uhr wieder 6km dazu. Es fehlen nur noch 4km! Die hab' ich um 9Uhr drauf! Los weiter, dann werden da heute über 190km zusammen kommen!


Es wird hell, die Lage ist nicht mehr ganz so aussichtslos
Ja wirklich sehr schade! ich könnte noch ewig weiterlaufen.......

links: Es wird hell, die Lage ist nicht mehr ganz so aussichtslos
rechts: 
Ja wirklich sehr schade! ich könnte noch ewig weiterlaufen.......


Reichenbach Sonntagmorgen kurz vor 8Uhr. Noch gut 2 Stunden zu laufen. Es wird Zeit für ein Frühstück mit Kaffee.
Fast keiner läuft mehr in den letzten Stunden. Jeder quält sich schon beim gehen.

links: Reichenbach Sonntagmorgen kurz vor 8Uhr. Noch gut 2 Stunden zu laufen. Es wird Zeit für ein Frühstück mit Kaffee.
rechts: 
Fast keiner läuft mehr in den letzten Stunden. Jeder quält sich schon beim gehen.


2 Stunden noch! Was sind 2 Stunden? Lächerlich! Von wegen! Selbst das gehen fällt nun extrem schwer. Ein Läufer torkelt nur noch rum. Er will aber ums verrecken nicht aufgeben. Da kann ich gar nicht mehr hinsehen! Außen den absoluten Cracks, läuft hier niemand mehr. Das heißt doch! Udo Pitsch von der TG Viktoria Augsburg läuft seit Runden verbissen sein Tempo. Der wird doch nicht die 200km Marke im Visier haben? Unglaublich! Jede Woche läuft er irgendwo einen krassen Ultra im moderaten Tempo, und hier scheint er noch einen draufzusetzen! Wahnsinn! Er läuft in der Altersklasse M60! Die wird er wohl gewinnen! Super Udo! Halte durch! Ich kann echt nur noch gehen. Aber das reicht um die eigene PB von 185,27km zu knacken. Eine Stunde vor Ablauf der 24 Stunden zeigt die Tafel 187,3km! Einmal kurz jubeln und freuen, dann geht es in die letzte Stunde! 

Die Strecke füllt sich wieder. Egal wie platt, oder kaputt. Humpelnd oder auf allen Vieren. Das läßt sich keiner nehmen! Dirk ist auch wieder auf der Strecke. Frisch geduscht und bereits in Jeans Hosen! Ich brauche unbedingt noch 3km, dann ist die 190'er Marke geknackt! Wer hätte das noch am Start vor fast 24 Stunden gedacht! Aber es ist extrem schwierig. So unglaublich das auch klingt, ich kann noch nicht mal
mehr vernünftig gehen! Das muß doch irgendwie zu machen sein! Zähne zusammen beißen und diese 3 Runden absolvieren. Es wird reichen! Ich brauche doch keine 20 Minuten für eine Runde!

Weiter geht's! Das Ding ist bald durch! Heute Abend Weizen Bier bis zum abwinken! Im Zieldurchlauf ist schon schwer was los. Die Zuschauer und Betreuer machen die Welle für jeden. Geil! Markierungssteine mit der Startnummer werden verteilt. Den Stein muß man nach Ablauf der 24 Stunden, dort ablegen wo man sich gerade befindet. Der nächste Durchlauf wird es zeigen auf der Tafel. Die 190 wird heute geknackt!
Jaaaa!!! Die Tafel zeigt 190,9km! Und es ist noch Zeit! Komm, los eine Runde geht noch! Da paßt jetzt auch alles. Die Sonne kommt raus, es wird warm. Noch ein paar Minuten. Jeder hat ein Lächeln im Gesicht. Nur noch ganz wenige kämpfen verbittert, und laufen auf dem letzten Tropfen um eine neue PB, oder eine top Platzierung. Ich bin mehr als zufrieden. Schlurfe durch die letzte Runde. Immer wieder gibt der Sprecher bekannt, wie lange noch zu laufen ist. 4 Minuten, 3 Minuten, 2 Minuten, 1 Minute.....Ende! Schluss! Aus! Feierabend! Kurz vorm Stadioneingang wird der Markierungsstein abgelegt und ich darf mich freuen! 192,8km, so die amtliche Vermessung. 

Jetzt zum Verpflegungsstand ein paar Happen essen. Ist ja nicht weit. Dann das Ganze in aller Ruhe sacken lassen. Einmal im Jahr kann man sich sowas geben, das reicht! Meine Strecke ist und bleibt der Marathon! So, jetzt wird geduscht und dann ab in die Unterkunft, ein paar Stunden pennen!    


Die letzte Runde wird unter großem Applause in Angriff genommen
Jeder bekommt einen Markierungs Stein mit seiner Nummer für den Endpunkt

links: Die letzte Runde wird unter großem Applause in Angriff genommen
rechts: 
Jeder bekommt einen Markierungs Stein mit seiner Nummer für den Endpunkt


sogar die Sonne kommt jetzt raus. Das sieht ja Der Wasserturm, das Wahrzeichen der Stadt Reichenbach richtig gut aus!
Das ist überschaubar. Noch 15 Minuten laufen/gehen und es ist gepackt!

links: sogar die Sonne kommt jetzt raus. Das sieht ja Der Wasserturm, das Wahrzeichen der Stadt Reichenbach richtig gut aus!
rechts: 
Das ist überschaubar. Noch 15 Minuten laufen/gehen und es ist gepackt!


Die 190km Marke ist geknackt. Nur noch wenige Minuten zu laufen/gehen
Trotz miserabler Vorbereitung, eine neue Bestmarke mit 192,8km erreicht.

links: Die 190km Marke ist geknackt. Nur noch wenige Minuten zu laufen/gehen
rechts: Trotz miserabler Vorbereitung, eine neue Bestmarke mit 192,8km erreicht.


Die genaue Streckenlänge wird ausgemessen.
Erst mal sacken lassen! Völligst im Eimer, aber mehr als zufrieden

links: Die genaue Streckenlänge wird ausgemessen  rechts: Erst mal sacken lassen! Völligst im Eimer, aber mehr als zufrieden


Noch schnell die Ergebnislisten gecheckt. Platz 14 gesamt und 6. in der AK45. Ja, das ist doch ein schöner Erfolg. Die AK45 ist eben bärenstark. Da machst du nichts. Letztes Jahr haben 185km in der AK40 ganz locker für Deutsche Vizemeisterschaft in der AK40 gereicht.

Nach ein paar Stunden Schlaf ist man wieder halbwegs hergestellt. Zeit zum futtern und saufen! Die Wahl fällt wieder auf das "Da Papu" in der schönen Altstadt von Reichenbach. Leider ist das Essen diesmal nicht so toll wie am Freitag. Die Portionen fallen auch viel zu klein aus. Dafür gibt es im Anschluss noch einen super netten, lustigen Abend mit Mike Hausdorf und seiner Schwester Sandra im "Tulas Pizza Kebap Haus".


Trinitatiskirche in der Altstadt von Reichenbach
Das Reichenbacher Rathaus am Marktplatz

links: Trinitatiskirche in der Altstadt von Reichenbach  rechts: Das Reichenbacher Rathaus am Marktplatz


Top saniert und hergerichtet der Marktplatz von Reichenbach
Waren am Freitag für mich zumindestens die Portionen im "Da Papu" noch recht groß, fällt am Sonntag der teure Salat schon mal sehr mickrig aus

links: Top saniert und hergerichtet der Marktplatz von Reichenbach
rechts: Waren am Freitag für mich zumindestens die Portionen im "Da Papu" noch recht groß, fällt am Sonntag der teure Salat schon mal sehr mickrig aus


Eine leckere Pizza zur Belohnung hab ich mir wirklich verdient. Für jemanden, der einen 24 Stunden Lauf hinter sich hat, allerdings viel zu wenig!
Schöner Treff am Abend in Reichenbach mit Mike Hausdorf und seiner Schwester Sandra, die Ihn während der 24 Stunden DM betreut hat.

links: Eine leckere Pizza zur Belohnung hab ich mir wirklich verdient. Für jemanden, der einen 24 Stunden Lauf hinter sich hat, allerdings viel zu wenig!
rechts: Schöner Treff am Abend in Reichenbach mit Mike Hausdorf und seiner Schwester Sandra, die Ihn während der 24 Stunden DM betreut hat.


Die Pizza hat nicht gereicht! Weiter fressen und saufen!
Mike hat in seinem 24 Stunden Debut 162,63km erreicht. Na dann, hoch mit den Weizen!

links: Die Pizza hat nicht gereicht! Weiter fressen und saufen! 
rechts: Mike hat in seinem 24 Stunden Debut 162,63km erreicht. Na dann, hoch mit den Weizen!


Jetzt wird alles reingefressen. Nochmal ein vegetarischen Döner obendrauf!
Und ein neues Weizen!

links: Jetzt wird alles reingefressen. Nochmal ein vegetarischen Döner obendrauf!   rechts: Und ein neues Weizen!


Ein ausgedehntes Frühstück nach den vielen Weizen vom Vorabend ist zwingend erforderlich!
Noch schnell das Kulturprogramm am Montag bei der Heimfahrt. Die Göltzschtalbrücke im Vogtland ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt

links: Ein ausgedehntes Frühstück nach den vielen Weizen vom Vorabend ist zwingend erforderlich!
rechts: Noch schnell das Kulturprogramm am Montag bei der Heimfahrt. Die Göltzschtalbrücke im Vogtland ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt


Streckenplan des vermessenen Rundkurses von 1199,19 m

oben: Streckenplan des vermessenen Rundkurses von 1199,19 m


Lauf Analyse vom 27.Reichenbacher 24 Stundenlauf 2015. (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster

oben: Lauf Analyse vom 27.Reichenbacher 24 Stundenlauf 2015. (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)