Samstag, 2. Juni 2012

8.Hochwald Mittelrhein Marathon


Mittelrhein Logo

Eigentlich war der Luxembourg Marathon ja genug und ich wollte mich erst mal erholen. Doch kaum ist der Marathon vorbei, da macht man sich auch schon Gedanken wie es weitergehen soll. Da war doch noch was, ach ja der Mittelrhein Marathon. Nicht gerade einer meiner Favoriten, aber man kann nachmelden für überteuerte 62 Euro. Dafür aber ist keine Übernachtung nötig, Anfahrt dauert höchstes 2 Stunden und man kann sogar ausschlafen, da der Start erst gegen Abend ist. 2 Wochen Abstand, das geht auch noch!
Also erst mal das Training so gestaltet, dass man einen Marathonstart noch einschieben kann. Zwar war ich doch ganz schön mitgenommen nach Luxembourg (besonders die Oberschenkel), dafür aber die Knieschmerzen links fast weg. Es ging auch alles sehr gut bis nach dem langen Lauf am Sonntag. Plötzlich fing es im Fußballen an zu schmerzen. Natürlich noch zu Ende gelaufen und erst mal nichts dabei gedacht. Montags Schmerzen beim Auftreten. Dienstags kam dann noch ein brennen und kribbeln in beiden Fußballen/Zehenbereiche dazu. Das kenne ich, sowas hatte ich letztes Jahr schon mal. Ging nach ein paar Wochen irgendwann von alleine weg. Aber die Schmerzen beim Auftreten das ist schon was anders. Dienstags abends ne lockere Runde gelaufen. Irgendwie ging es doch. Das waren jetzt allerdings nur 12km, am Samstagabend wären es ein paar mehr. Abwarten, das wird schon irgendwie. Mittwochs abends nochmal ganz locker 10km gejoggt. Das fühlt sich alles nicht gut an. Deshalb am Donnerstag und Freitag lieber gar nichts mehr gemacht. Was mach ich jetzt den bloß? Laufen, oder ärgern dass ich nicht dabei bin?
Na laufen was denn sonst! Wettkampfadrenalin ist besser als jedes Schmerzmittel, ich werd‘ das schon irgendwie packen, hat bisher noch immer geklappt.

Samstag 2.Juni

Mit bester Laune um 11:15Uhr losgefahren. Die Füße fühlen sich schon leicht besser an. Schnell alles gefunden in Koblenz, nicht lange rumgesucht. Wenn man 62 Euro für ne Nachmeldung ausgibt, da kommt es auf die Kosten der Tiefgarage direkt unter dem Kurfürstlichen Schloss auch nicht mehr an. Zentraler kann man nicht mehr parken. Marathonmesse ca. 5 Minuten, Bahnhof ca. 15 Minuten und Duschen auch ca. 15 Minuten zu Fuß.
Im sehr edlen Kurfürstlichen Schloss war alles schön hergerichtet, gefällt mir viel besser als in der Vergangenheit die abgelegene Sporthalle am Oberwerth. Viel persönlicher alles. Gleich mal das Nachmeldeformular ausgefüllt, 62 Euro berappt. Auf meiner Startnummer ist jetzt halt kein Name drauf, aber das macht ja auch nix. Wir sind hier nicht in Luxembourg, die Stimmung an der Strecke ist hier, mal abgesehen von ein paar kleinen Stimmungsnestern, sowie sehr verhalten. Hier werden keine Namen gerufen, und kennen tut mich hier schon mal gar niemand. Jetzt hab ich noch so viel Zeit. Also ein bisschen rumgeschaut, den neuen Barfuß Schuh Adidas Adipure Adapt angetestet, bisschen auf die Wiese vor dem Schloss gesetzt. Die Sonne scheint, nichts zu merken von dem angekündigten Regen. Quasi traumhaftes Wetter, vielleicht 20° oder ein bisschen mehr. Ich freue mich schon auf den Lauf. Die Füße schmerzen zwar noch etwas beim gehen, aber das wird schon.


Die Marathon Messe mit Startnummernausgabe findet diesmal im Kurfürstlichen Schloss statt.
Die Laufstrecke ist ja bekannt von 2009 und 2010

links: Die Marathon Messe mit Startnummernausgabe findet diesmal im Kurfürstlichen Schloss statt.
rechts: Die Laufstrecke ist ja bekannt von 2009 und 2010

Kritisch werden alle Angaben vom Orga Team geprüft
Mittelrhein Marathon Fanshop. Hier gibt es alles vom Handtuch bis zum Plüschtier

links: Kritisch werden alle Angaben vom Orga Team geprüft
rechts: Mittelrhein Marathon Fanshop. Hier gibt es alles vom Handtuch bis zum Plüschtier

15 Uhr. Umziehen und die nötigsten Sachen in den Kleiderbeutel. Fußmarsch zum Bahnhof. Warten auf den Sonderzug nach Oberwesel. Weiter im Sonderzug zum Start. Bei der Fahrt lässt sich schon die Laufstrecke begutachten. Ankunft um 16:45Uhr in Oberwesel. Noch fast eine Stunde Zeit bis zum Start. Nun gut, ungefähr einen Kilometer muß man noch bis zum Start laufen. Der Start befindet sich diesmal 150 bis 200 Meter weiter nördlicher als sonst, weil ein kleiner Streckenteil in Koblenz geändert worden ist. Umziehen und Läuferbeutel abgeben. Wie immer Läuferbeutel in den Transporter, paar kurze Lauftests, Schuhschnürung prüfen und warten auf den Start. Aus den Lausprechern dröhnt eine ganz schlechte Live-Version von AC/DC‘s Hells Bells und dann geht es los.


Hauptbahnhof Koblenz
Sascha Kaufmann läuft in diesem Outfit den Marathon in 4:24:40 Wahnsinn!

links: Hauptbahnhof Koblenz  rechts: Sascha Kaufmann läuft in diesem Outfit den Marathon in 4:24:40 Wahnsinn!

Immer wieder sehr unterhaltsam, die Zugfahrt nach Oberwesel
Auf zum Start!

links: Immer wieder sehr unterhaltsam, die Zugfahrt nach Oberwesel  rechts: Auf zum Start!

Wer zu spät kommt, den bestraft der Bahnübergang
Auf nach Koblenz!

links: Wer zu spät kommt, den bestraft der Bahnübergang  rechts: Auf nach Koblenz!

Der Start ist diesmal nicht am Ochsenturm, sondern ca 200m weiter vorne wegen irgedwelcher Streckenänderungen in Koblenz.
Am Start treffe ich auf Wolfgang Bernath

links: Der Start ist diesmal nicht am Ochsenturm, sondern ca 200m weiter vorne wegen irgedwelcher Streckenänderungen in Koblenz.
rechts: Am Start treffe ich auf Wolfgang Bernath

fertig umgezogen
Weg mit den Sprit Stinkern! Das "Follow me" Fahrzeug ist ein E-Smart. Eine super Sache!

links: fertig umgezogen.  rechts: Weg mit den Sprit Stinkern! Das "Follow me" Fahrzeug ist ein E-Smart. Eine super Sache!

17:40 Uhr Start.

Überhaupt kein Platzgerangel, aber das ist beim Mittelrhein normal. Das Starterfeld vom Marathon mit 700 Läufer/innen + Team und Duo Marathon ist gegenüber den 2400 Halbmarathonteilnehmern (startet in Boppard um 19:45Uhr) weitaus kleiner. Schnell hab ich meinen Rhythmus gefunden und bin gespannt auf den ersten KM Marker. Was kann ich heute erreichen? Trotz Schmerzen in den Fußballen hab ich mir natürlich ein Zeit Ziel gesetzt. Die Strecke ist relativ flach bis auf ein paar kleine Anstiege. Es gibt so gut wie keine Kurven. Wenn ich ähnlich gut drauf bin wie in Düsseldorf vor 5 Wochen, dann sollte eine Zeit unter 3:15 drin sein. Aber man darf eines nicht vergessen, das ist mein 4. voll gelaufener Marathon innerhalb 7 Wochen. Naja mal sehen 4:23min für KM1 ist schon mal ein guter Einstieg. Burg KatzAber dieser erste KM zeigt es mir schon, dass es nicht einfach wird. Der Wind kommt direkt von vorne, die Sonne knallt auf den Kopf. Schnell zieht sich das Feld auseinander und man bekommt den Gegenwind noch mehr zu spüren. KM2 in 4:28min/km fällt mir nicht mehr ganz so leicht. Die Fußballen brennen leicht, aber das lässt sich bisher ganz gut aushalten. Ich versuche in der Gruppe zu bleiben um nicht den ganzen Wind abzubekommen. KM3 in 4:28min/km. Auf der anderen Rheinseite kann man jetzt den Loreley Felsen bewundern. Der Gegenwind nimmt weiter zu und das alles kostet jetzt schon so viel Kraft. KM4 in 4:34min/km zeigt schon deutlich dass es hier nicht einfach wird. Ich muß ein bisschen mehr zulegen wenn ich im 4:30’er Schnitt bleiben will. Hier ist überhaupt nichts los an der Strecke. Vereinzelnd mal ein paar Leute am Straßenrand mit zaghaftem klatschen. Das Feld zieht sich immer weiter auseinander, ich muß wirklich jetzt schon beißen um an der Gruppe dran zu bleiben. KM5 drücke ich in 4:24min ab. Gesamtzeit 22:16min. Eigentlich zu schnell für mich, aber andererseits muß ich jetzt an der Gruppe bleiben, denn die nächste Gruppe ist viel zu weit hinten. Zur rechten die Burg Katz sorgt für kurze Ablenkung.

rechts:
Burg Katz, Bildquelle Johannes Brobalotoff

Wir durchlaufen St. Goar und leider wirkt das Ort auf mich wie ausgestorben. Ein paar Leute stehen an der Straße aber die große Unterstützung bleibt aus. Weiter KM6 in 4:28min. Direkt im Blick jetzt die Burg Rheinfels und auf der andern Seite die Burg Maus. Ich hab jetzt schon so zu kratzen, kann mich an den Burgen gar nicht so erfreuen. Ich glaub das war zu schnell für den Anfang. Es hilft nichts, jetzt muß ich diesen Weg gehen. Verbissen versuche ich das Tempo zu halten, erst laufen wir zu dritt, dann nur noch zu zweit. Weiter geht es mit 4:20min, 4:31min und 4:24min/km für KM9. Ich kann dieses Tempo nicht mehr mitgehen, ich muß meinen letzten Mitläufer ziehen lassen. Er schafft es, sich einer Gruppe anzuschließen. Verzweifelt kämpfe ich um den Anschluss an die Gruppe herzustellen. Sie sind einfach zu schnell. Ab jetzt muß ich alleine im Wind laufen.


Burg Rheinfels oberhalb von St.Goar. Bildquelle: Tobias Kna
Burg Maus. Bildquelle: Peter Weller

links: Burg Rheinfels oberhalb von St.Goar. Bildquelle: Tobias Knab.  rechts: Burg Maus. Bildquelle: Peter Weller

KM10 Durchlauf bei 44:20min. Das ist nicht schlecht, aber ich habe kaum mehr Reserven. Weiter stur die B9 rauf, KM11/4:28 und KM12/4:37 in Hirzenach. Endlich wieder mal ein paar Leute an der Strecke, aber schnell ist Hirzenach vorbei und schon ist man wieder alleine auf der Straße. Die Gruppe ist noch in Reichweite, aber der Abstand wird immer größer. Unmöglich für mich da nochmal ran zu kommen. Burg Liebenstein und Burg Scherrenberg auf der anderen Rheinseite sorgen für etwas Abwechslung.


Burg Liebenstein. Bildquelle: Roland Todt
Burg Sterrenberg. Bildquelle: Roland Todt

links: Burg Liebenstein. Bildquelle: Roland Todt  rechts: Burg Sterrenberg. Bildquelle: Roland Todt

Endlich Bad Salzig ist erreicht, längst ist der KM Schnitt auf über 4:30min/km angestiegen. Gerade mal 16km sind gelaufen und ich fühle mich schon wie bei KM30! Die Unterstützung in Bad Salzig macht wieder Mut.Burg Katz Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Halbmarathonstart in Boppard. Nach weiteren 2km auf der Bundesstraße erreichen wir Boppard. Ich überhole sogar mal wieder einen Läufer trotz abnehmender Pace. Die Bundesstraße wird verlassen und über eine kleine Querstraße geht es an der Rheinpromenade weiter. KM20 in 4:32min/km ist noch akzeptabel. Längst habe ich schon das erste Gel verdrückt. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder zu Seitenstechen kommt wie in Luxembourg vor 2 Wochen. Kurz vorm Halbmarathondurchlauf steht Michel Descombes und klatscht jeden Teilnehmer ab. Sehr schön! Noch ein letzter schwerer Aufstieg und wir befinden uns wieder auf der Bundesstraße 9. Hier ist jetzt richtig was los, denn die Halbmarthonies haben sich zum Start in Boppard eingefunden. Über die Messmatte von KM21,1. Jubel von allen Seiten. Das kann ich sehr gut gebrauchen. 1:34:17, ein bisschen schneller als in Lux. Mein Name wird noch durchgesagt und schon befinde ich mich wieder auf den einsamen, endlosen Kilometern der B9.

rechts: Die Rheinpromende in Boppard. Die Hälfe des Marathons ist fast geschafft. Bildquelle: Tk

Zum Glück hat sich das mit dem Wind jetzt ein bisschen gebessert. Nochmal ein kurzes Aufbäumen, KM22 in 4:24min, KM23 in 4:29min und KM24 in 4:30min. Aber bei KM25 erfolgt die Ernüchterung mit 4:37min. Linke Wade meldet jetzt schon leichte Probleme, aber nach ein paar KM gibt sich das zum Glück wieder von selbst. Füße brennen, aber ist erträglich. Und das Knie? Nichts! Keine Schmerzen! Das ist ja mal was Neues. An den Versorgungsstellen ist wenigstens immer für gute Stimmung gesorgt, ansonsten ist in diesem Streckenabschnitt wirklich gar nicht los. Noch einmal mit einer 4:29min den KM26 abgedrückt,Marksburg aber jetzt kommt der Einbruch häppchenweise. Die Strecke führt nun durch den Ort Spay. Hier ist auch wieder gute Stimmung. Mit Bier und leckeren Speisen haben es sich die Einwohner am Straßenrand gemütlich gemacht. Ich schaffe es sogar noch an der 2.plazierten Frau vorbeizugehen. Doch kaum ist mir das gelungen, kommt von hinten die bisherige 3.plazierte Frau und überholt uns beide. Ja die kenne ich noch von den ersten Kilometern. Sie hat alles richtig gemacht. Nicht überpaced und schön konstant das Tempo gehalten. Sowas zahlt sich eben aus. Am Ende wird Sie mit 3:11:21 ganz souverän den 2.Platz der Frauenwertung belegen. Ich lern‘ das halt nie und irgendwie ärgert mich das. Was hätte das heute so gut laufen können, wenn ich am Anfang nicht so überzogen hätte. KM28 in 4:34min immer noch ok, aber jetzt verlassen wir Spay und der langgezogene Aufstieg kommt. Erst nochmal ne Unterführung, aber dann muß eine heftige Rampe auf die B9 überwunden werden. Hat man das endlich geschafft, bleibt die Strecke immer leicht ansteigend. Für solche Aktionen habe ich mir überhaupt keine Reserven mehr gelassen und folglich werde ich immer langsamer. KM29 in 4:45min, KM30 in 4:47min. Nochmal der Blick über den Rhein zur Marksburg.

rechts: Die Marksburg auf der anderen Rheinseite schafft keine Ablenkung von den Strapazen. Bildquelle: Holger Weinandt 

Zum Glück ist die Steigung vorbei, die Strecke führt jetzt durch die Orte Brey und Rhens. Gerade in Rhens durch die Altstadt ist ein weiterer stimmungsvoller Höhepunkt der Strecke. Die Stimmung ist wirklich saugut, aber das hilft mir kaum mehr. 4:59min für KM32. Na das kann ja lustig werden, 10km nur noch versuchen zu überleben. Jetzt überholt mich auch der Läufer, welchen ich noch vor Boppard selbst überholt hatte. Aber sonst, zieht niemand an mir vorbei. Ja klappen die alle so zusammen wie ich? Noch gut 10,2km zu laufen und 2:25:01 stehen auf der Uhr. Gesamtpace 4:32min/km. Ich fürchte ich werde die Sub3:15 diesmal nicht schaffen. Der Schnitt liegt schon augenblicklich bei 5min/km. Erholung nicht in Sicht. Das wird heute nix! Ich muß jetzt echt schauen dass ich hier ohne Gehpausen ordentlich ins Ziel komme. Was für ein Drama. Nochmal Kohlenhydrate nachladen? Ich hab ein Riegel und Gel dabei. Nein, besser nicht. Immer noch die schlechten Erinnerungen von den Seitenstechen aus Luxembourg im Kopf.


Durch das Stadttor von Rhens. Bildquelle: Roland Struwe
Der Ortsken von Rhens. Hier ist auch diesmal wieder tolle Stimmung. Bildquelle: Roland Struwe

links: Durch das Stadttor von Rhens. Bildquelle: Roland Struwe 
rechts: Der Ortsken von Rhens. Hier ist auch diesmal wieder tolle Stimmung. Bildquelle: Roland Struwe

Wieder raus aus den Ortschaften auf die B9, leichter Anstieg. Trotzdem KM33 noch in 4:59min gelaufen. Ich werfe nochmal alles in die Waagschale was geht. Dank leichtem Gefälle schaffe ich noch einmal 4:43min für KM34 und 4:53min für KM35. Aber jetzt ist endgültig der Ofen aus. Ich schlurfe nur noch über die Strecke. 7km noch, was für ein Desaster. Ich sehne jeden KM Marker herbei. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die 36. 5:04min und Gesamtzeit 2:44:42. 6KM noch. Was sind 6km? Das sind eine Runde +1km auf der Rodgau Ultrastrecke, oder ein bisschen mehr als ne halbe kleine Trainingsrunde. Das muß doch zu packen sein! Reiß dich zusammen! Aber ein paar Helfer an der Stecke nehmen mir wieder allen Mut. „Schau mal der sieht schon ganz schön fertig aus“, „der ist am absoluten Limit“ höre ich von Straßenrand. Sehr aufbauend. Aber die beiden haben absolut recht! Weiter an der ehemaligen Königsbacher Brauerei (jetzt Koblenzer Brauerei). Bisschen Stimmung ist hier, aber ich registriere das kaum mehr. Durchkommen, um jeden Preis ist jetzt angesagt. KM37 in 5:05min. Das ist ok. 5km noch! Gleich sind wir in Koblenz dann ist die Stimmung wieder da. Denk an den tollen Empfang am Deutschen Eck. Durchhalten! Aber schon wieder ein brutaler Anstieg. Ich kann echt nicht mehr. Aber ich weiß noch aus 2009 und 2010, nach diesem Aufstieg kommt keine Steigung mehr. Einen Läufer kann ich sogar noch überholen. Rauf auf die Kuppe, kämpfen! KM38 in 5:09min gut so! Auf der rechten Seite ist das Stadion am Oberwerth zu erkennen. Weiter nach Koblenz rein. Da kommt ja wieder diese Abzweigung zur Oberwerth Halle. Hier mußte man noch sinnlose Schleifen laufen in 2010 wegen den Bauarbeiten am Deutschen Eck. Wenn ich da noch dran denke. Zum Glück ist das jetzt Vergangenheit.


Die ehemalige Königsbacher Brauerei. Jetzt Koblenzer Brauerei. Leider kein Ausschank an der Strecke. Bildquelle: Holger Weinandt
Sportpark Oberwerth. Diesmal sind keine hirnrissigen Schleifen zu laufen wie in 2010. Bildquelle: Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Koblenz

links: Die ehemalige Königsbacher Brauerei. Jetzt Koblenzer Brauerei. Leider kein Ausschank an der Strecke. Bildquelle: Holger Weinandt
rechts: Sportpark Oberwerth. Diesmal sind keine hirnrissigen Schleifen zu laufen wie in 2010. Bildquelle: Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Koblenz

KM39 in 5:16min. Hier geht jetzt gar nix mehr. Noch 3km das kann doch alles nicht wahr sein. Wie kann man sich nur so abschießen am Anfang. Wieder geht die Unterstützung der Zuschauer los. Kinder strecken Ihre Hände zu Abklatschen raus. Aber sorry, ich laufe heute keinen extra Meter mehr. Tut mir leid! Die Idealline wird ab jetzt nicht mehr verlassen! Immer wieder die Sprüche: „ist nicht mehr weit“. Es ist noch verdammt weit. So weit waren 2,5km noch nie gewesen! Ab und zu kommt jemand vom Staffelwettbewerb angefegt und saust nur so an einem vorbei. Das darf mich jetzt nicht aus dem Konzept bringen. Weiterlaufen, nicht gehen. Immer weiter! Komm es geht noch! Das wirst du packen! Rede ich mir immer wieder zu. KM40 endlich. 5:17min, Gesamtzeit 3:05:45. Weiter so! Das wird noch ne ganz ordentliche Zeit. Nicht nachlassen! Die Mainzer Straße will überhaupt nicht enden. Weiter unter den Ausläufern der Pfaffendorfer Brücke durch. Da ist endlich das Kurfürstliche Schloss. Jetzt kann es doch nicht mehr weit sein. KM41 in 5:28min! Das ist jetzt wirklich zu langsam. Komm! Hau nochmal rein! Abzweig rechts in die Stresemannstraße leicht runter zum Rhein. Vor mir eine komplette Staffel von den Handwerkern. Die haben hier Ihren Schlussläufer empfangen und laufen jetzt gemeinsam ins Ziel. Die Rheinpromenade kommt. Nochmal Abzweig nach links. Alles geben jetzt. Prima Unterstützung von allen Seiten. Das ist echt toll. Wirklich sehr schön und stimmungsvoll die letzten 500 Meter zum Deutschen Eck. Das Kaiser Wilhelm Reiterdenkmal kommt immer näher und auch der Zielbogen. Herrliche Atmosphäre am Deutschen Eck. KM42 sogar nochmal in 5:09min/km. Mit allerletzter Kraft laufe ich auf den Zielbogen zu. Wieder mal gepackt. Die letzten Meter. Jubel von allen Seiten. Das entschädigt doch ein wenig für die vielen einsamen Kilometer auf der B9. Geschafft! Was für ein Kampf! Medaille umhängen und gleich rüber zu den Getränken.


Vorbei am Kurfürstlichen Schloss. Weit ist es nicht mehr
Nur noch zum Deutschen Eck, dann ist es geschafft

links: Vorbei am Kurfürstlichen Schloss. Weit ist es nicht mehr  rechts: Nur noch zum Deutschen Eck, dann ist es geschafft

Das Deutsche Eck. Endlich wieder das Zielgelände des Mittelrhein Marathons nach 2010/2011 in der Innenstadt. Bildquelle: Holger Weinand
Von weitem schon sichtbar. Das Reiterdenkmal Kaiser Wilhelm I. Bildquelle: Dennis Schaarschmiadt

links: Das Deutsche Eck. Endlich wieder das Zielgelände des Mittelrhein Marathons nach 2010/2011 in der Innenstadt. Bildquelle: Holger Weinand
rechts: Von weitem schon sichtbar. Das Reiterdenkmal Kaiser Wilhelm I. Bildquelle: Dennis Schaarschmiadt

FinishWieder zittere ich am ganzen Körper so wie vor 2 Wochen in Lux. Erst mal was trinken sonst brech ich zusammen. Schnell der Erdinger Stand. Völligst im Eimer torkele ich weiter zum Versorgungsstand mit Essen. Apfel rein, dann weiter zur Läuferbeutelausgabe. Bin nur noch am frieren. Ich brauch jetzt was zum drüber ziehen. Da höre auf einmal jemand zu mir sagen: „Ein Scheiß, den man sich da immer wieder an tut!“. Es ist die 3.Frau welche ich in Spay überholt hatte. Sie muß kurz nach mir ins Ziel gekommen sein. Hat also das gleiche Drama ab KM30 hinter sich wie ich. Sie hat Recht, aber spätestens nach dem Duschen werde ich bestimmt schon wieder darüber nachdenken wo man denn als nächstes Laufen könnte! Mit einem halbstündigen Fußmarsch, immer schön langsam, geht es zu den Duschen, welche ungefähr 1km entfernt im Koblenzer Hallenbad sind. Das alles erinnert mich gerade so ein bisschen an den Weg zu den Duschen beim Rodgau Ultra, nur ist es zum Glück nicht so kalt. Ich werde überholt von allen möglichen Läufer/innen und spazierenden Rentnern. Die warmen Duschen im Hallendbad schaffen endlich Abhilfe gegen das zittern am ganzen Körper. Mein Zustand normalisiert sich wieder. Jetzt ist auch kein Problem die ca. 1,2km zurück zur Tiefgarage am Kurfürstlichen Schloss zu laufen. Am Schloss schlurfen noch die letzten Läufer vorbei, dahinter gleich der Besenwagen. Die Straße wird wieder freigegeben und ich kann ohne größere Verzögerung gleich nach Hause fahren.

rechts: Irgendwie wieder mal durchgekommen. Mittelrhein 2012 gefinished in 3:17:24. Bildquelle: Koblenzer Rhein-Zeitung

Auf jeden Fall dank dem Deutschen Eck ist der Mittelrhein Marathon wieder viel attraktiver geworden als bei meinem letzten Start in 2010. Aber ob ich mir sowas für 62Euro Nachmeldegebühr nochmal antun werde, ist fraglich.