Samstag, 21. Mai 2011

MLP Marathon Mannheim

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Nach all den grenzwertigen Läufen mit Verletzungen sollte ich doch eigentlich mal ne Pause machen. Aber wer kann schon die Füße stillhalten, wenn ein Läuferfreund anruft, und hat einen Startplatz für Mannheim Marathon über?

Genau 3x bin ich in den letzten 2 Wochen seit dem Prag Marathon gelaufen. 7,5km 13,5km und 11km. Immer mit Problemen an der linken Achillessehne. Das ist alles sehr grenzwertig. Kann man da nochmal 42km laufen incl. der Verletzungen? Es wäre in diesem Jahr die einmalige Gelegenheit Mannheim zu laufen, da Luxemburg Marathon um 3 Wochen in den Juni verschoben wurde. Soll ich, soll ich nicht? Besser nicht, es ist zu riskant! Aber da ruft mich Läuferfreund Andy aus Bensheim an. Er hat einen Startplatz von einer verletzten Läuferin. Mit der Option zusammen mit Andy ne lockere Runde in Mannheim bzw. Ludwigshafen zu drehen, Zielzeit so um die 3:30, sage ich zu.

Samstag 21.5.2011

Leichte Kopf und Zahnschmerzen quälen mich ein bisschen. Bei schwülen 28° Grad fahr' ich zu Andy nach Bensheim. Andy hat gestern schon alles klar gemacht mit Startunterlagen und ummelden der Startplätze. Super Service! So müssen wir uns nur noch die Startnummern anheften und laufen. Ganz entspannt und locker sitzen wir noch auf dem Balkon und trinken Kaffee. Ja sogar ein Stück Kuchen wird noch verdrückt. Kein Bestzeitendruck. Die ganze Woche über schön Schokolade gefuttert und Weizenbier getrunken. Lockere Runde Zielzeit 3:30. Quasi langer Trainingslauf bei guter Stimmung in Mannheim.

Weiter nach Mannheim, Kopfschmerzen gehen nicht weg. Zahn drückt, vielleicht doch noch ne Tablette nehmen? Nein, kommt nicht in Frage. Hier werden keine Schmerzen übertüncht. Bei den Temperaturen wäre das fatal den Körper zu täuschen. Viel zu viel Angst macht mir die angeschlagene Achillessehne. Diese hab ich zwar gut getaped, aber 42km sind eben 42km, da macht man mal nix!
Ganz souverän steuert Andy das Parkhaus an. Obwohl nur 45km von mir entfernt kenne ich von Mannheim so gut wie gar nichts! Wir laufen zum Start/Zielbereich am Wasserturm. Tolle Stimmung überall. Ich bin gleich mal angenehm überrascht von Mannheim!


Wo sind wir hier eigentlich? Ich habe keinen Plan
Ein Glück kennt sich Andy hier prima aus

links: Wo sind wir hier eigentlich? Ich habe keinen Plan  rechts: Ein Glück kennt sich Andy hier prima aus

unter falscher FlaggeNochmal kurz in die Messe rein um zu checken ob das auch geklappt hat mit der Ummeldung der Startnummern. Super freundliche Helfer beim Orgateam machen noch Witze mit uns. "......ja ist gemeldet für 4,2km Bambinilauf, viel Spaß und Erfolg........."
Tasche abgeben und raus zum Start.

rechts: Unter falscher Flagge: Andy alias "Daniel" und Frank als "Gwendolyn"

Jetzt heist es durchkämpfen zum Starterblock. Sehr voll sind die Wege, aber irgendwie kommen wir in den gewünschten Block. Ich müßte jetzt echt nochmal dringend auf Klo.....aber hier gibt es keine Möglichkeit mehr. Zuviel Wasser gesoffen bei den schwülen Temperaturen, das war ja klar. Hilft nichts nächste Pinkelmöglichkeit in 3 1/2 Stunden!


18:30 Uhr. Start frei!

FernsehturmLos geht es noch ein kleines Stück um den Wasserturn dann rein in die breite Straße Augustaanlage. Bisschen Gerangel und geschubse ist ja normal bei so vielen Startern, und nicht zu vergessen wir sind in einem langsameren Block gestartet. Mit 4:48min/km ist der erste KM dennoch recht gut unter diesen Bedingungen. Die Strecke führt raus aus Mannheim, vorbei am Carl-Benz-Stadion nach Neuostheim. KM Schnitt jetzt zwischen 4:30 und 4:40min/km. Das ist schneller als geplant und mir wird jetzt schon klar, das gibt heute kein entspannter 3:30 Marathon. Überall an der Strecke stehen jubelnd die Zuschauer und unterstützen die Läufer/innen. 5km Marker doch glatt übersehen. Ständig vorbildliche Verpflegungsstationen mit Iso, Wasser, Bananen, Riegel, Gelpacks, Cola und Schwämmen. Daran scheitert es schon mal nicht. Südlich in der prallen Sonne geht es an Seckenheim vorbei, dann auch mal kurz auf einen asphaltierten Feldweg und wieder rein nach Seckenheim. Hier ist ja der Teufel los. Überall Party auf der Straße. Klasse! Da vergisst man fast die Zahn und Kopfschmerzen. 10km Marker abgedrückt bei 46:12 Minuten.
Na wenn das mal gutgeht, viel zu schnell unterwegs. Aber die Problemsehne läuft sehr gut, ich bin wirklich überrascht. Also was spricht dagegen, mal abgesehen vom Trainingsrückstand, hier erst mal so weiter zu laufen. Andy ist auch noch gut dabei, obwohl er gerade den 4.Marathon innerhalb 4 Wochen läuft! Zurück geht es nach Mannheim immer weiter mit angezogenem Tempo. Die Sonne blendet und keine Laufbrille dabei. Jeder Getränkestand Wasser geschnappt. Eine Hälfte trinken und die andere Hälfte über den Kopf geschüttet. Vor uns läuft jemand mit langen Hosen, und er hat sogar eine Laufjacke dabei. Diese hat es sich allerdings schon um den Bauch gebunden. Also hier gibt es schon Verrückte. Das Wetter wird heute trotz Gewitterprognosen nicht mehr kippen. Da bin ich mir ganz sicher! Jetzt wenigstens ein bisschen Schatten am Neckarufer in Neuostheim. Zur linken der Luisenpark. Ich merke gnadenlos das viel zu hohe Tempo. Es wird Zeit was dagegen zu tun! Langsamer? Nö! Gelpack bei KM18 reingedrückt! Vorbei am Fernsehturm, Abzweig Ludwig-Ratzel-Straße in die Oststadt.

rechts: Der Fernmeldeturm von Mannheim 212,8 Meter hoch. Bildquelle: Rudolf Stricker


BrückeDurch die Kolpingstraße weiter auf die breite Goethestraße. Die Stimmung zieht wieder an. Wir nähern uns der Innenstadt. Jetzt Friedrichsring, die Zuschauer toben, denn jetzt kommt der Abzweig von Halbmarathon und Marathon. Bombenstimmung beim Blick auf das Start/Zielgelände. Aber wir müssen noch rüber nach Ludwigshafen. Vorher geht es allerdings noch durch die Mannheimer Innenstadt. Das ist ja Wahnsinn hier! Ich bereue im Augenblick nichts! Bin glücklich hier zu laufen, und das immer noch ohne größere Probleme. Die Rampe der gefürchteten Kurt-Schumacher Brücke ist in Sicht. Anstieg hinauf, HM Messmatte bei 1:36:40 überquert! Das ist ein Schnitt von 4:35min/km! Trainingslauf.....Ich hätte es mir ja denken können, wie das wieder ausgeht!

rechts: Die Brücke nach Ludwigshafen. Kaum mehr was los und über 2 km muß man laufen um endlich in Ludwigshafen anzukommen. Das ganze natürlich auch wieder zurück. Bildquelle: Immanuel Giel


Obwohl uns ein lokaler Radiosender, mit Stand direkt auf der Kurt-Schuhmacher-Brücke, noch den Tipp gegeben hatte so schnell wie möglich Ludwigshafen wieder zu verlassen, finde ich es doch recht stimmungsvoll in Ludwigshafen. Weiter durch Ludwigshafen Mitte. KM25 schon im Visir (1:54:58). Leider hat Andy ein bisschen abreißen lassen, so dass ich jetzt alleine laufen muß. Aber ich sag mal nach 4 Marathons in 4 Wochen ist das eine top Leistung, Andy halte durch ich warte im Ziel auf dich! Die Mundenheimer Straße hinunter. Auf der rechten Seite kann man das Süd-West Stadion sehen, in der Waldhof Mannheim zu Anfang der Bundesligazeit die Heimspiele austrug.

Das zieht sich hier endlos. Und irgendwie ist auch nix los. Aber das ändert sich schlagartig, als ich den Stadtteil Mundenheim und Rheingönheim durchlaufe. Hier sind jetzt wieder viele kleine Partys auf der Straße. Die Leute jubeln, da dreh' ich doch nochmal auf, auch wenn es jetzt echt schon weh tut. Vielleicht bring ja das nächste Gel noch mal was. KM30 nochmal ne kurze Brücke das merkt man jetzt. Ich bin fertig, keine Frage. Jetzt heißt es durchbeißen noch 12km! Da kommt es mit gerade recht dass wieder so ein Stimmungsnest an der Straßenseite mich aufmuntert. Irgendwie schaffe ich es den Schnitt um die 4:40min/km zu halten. Weiter durch die Gartenstadt, hier ist wieder ne Wechselzone für die Staffel. Hier brennt echt die Luft, von allen Seiten feuern die Zuschauer und die Staffelläufer die Marathonies an. Grandios! KM34 passiere ich mit 2:36:54. Noch 8,2km was geht da heute? Auf jeden Fall irgendwie unter 3:20 das ist mal klar!

Weiter quälen, Wendepunktstrecke auf der Raschingstraße. Jetzt runter bis zur Brücke. KM35 und die Uhr zeigt 4:48min für den letzten KM. Jetzt heißt es echt zusammenreißen, sonst brech ich hier ein! Wo bleibt nur die Rampe zur Brücke nach Mannheim. KM36 wieder in 4:40min. Das gibt Hoffnung. Aber immer noch 6km zu laufen. Meine Knie schmerzen inzwischen. Wenn die Sehne schon durchhält, dann muß ja irgendwas anderes kommen. Die Rampe zur Kurt Schumacher Brücke ist endlich da. Qualvoll der Anstieg, nur noch da rüber, dann ist es fast geschafft! Auf der Brücke sind inzwischen große Kerzen aufgestellt worden. Sehr schön gemacht! Auf der Gegenseite fährt gerade der Besenwagen vorbei und immer noch laufen welche auf der anderen Seite. Auf meiner Seite kann ich immer mal wieder ein paar Läufer gehen sehen. Die hohen Temperaturen fordern Ihre Opfer.

KM37 in 4:52! Das kann ich jetzt noch durch den Anstieg entschuldigen, aber der nächste KM muß wieder besser werden. Aufmunternde Rufe von den immer noch teilweise an den Seiten stehenden Zuschauern. Ferngesteuert weiterlaufen, nicht locker lassen. KM38 nur noch 4km, das muß doch zu schaffen sein. Die Uhr steht bei 2:55:52. So ein bisschen hatte ich ja teilweise sogar mit ner Sub 3:15 geliebäugelt, aber man muß jetzt mal die Kirche im Dorf lassen. Ich bin super unterwegs unter den ganzen Bedingungen, der Kopf dröhnt, Zahnschmerzen nerven, die Knie signalisieren es geht nix mehr. Ich werde die letzten KM noch schaffen. Denk nur an die geile Stimmung am Wasserturm, was wird da los sein! KM39 es geht langsam wieder runter. 4:38min für den letzten KM ist ja fast unglaublich. Gleich bin ich wieder in Mannheim. Letzter Getränkestand nochmal Wasser aufnehmen. Wieder gute Stimmung das baut auf. Kurzer Schlenker Richtung Jesuitenkirche. Ich kann echt nicht mehr. Das ging vor 2 Wochen in Prag alles noch irgendwie lockerer.

KM41 in 4:53min. Die Batterien sind leer, aber für den letzten KM geb ich nochmal alles was geht. Am Rand die jubelnden Mannheimer. So wird man quasi ins Ziel getragen. Nochmal über die Kreuzung. Der Wasserturm ist in Sicht. Einmal noch herum laufen dann ist es geschafft.



links: Die Jesuitenkirche, jetzt nicht mal mehr 2km bis in Ziel Bildquelle: Frank-M
rechts: Was für ein geiler Anblick, der beleuchtete Wasserturm gleich ist es geschafft. Bildquelle: Magnus Manske

Ist das jetzt geil hier. Von beiden Seiten jubeln die Zuschauer. Man kann sich kaum retten vor "du hast es gleich geschafft" Rufen. Auf der anderen Seite sieht man schon den Zielbogen. KM42 nochmal in 4:38min gelaufen. Die Musik dröhnt aus den Lautsprechern, was für eine Super Party hier. Ich werde angeleuchtet von bunten Lichtstrahlern. Noch ein paar Meter. Mein Name wird durchgesagt. Was für ein super Zieleinlauf. Ich kann endlich jubeln. 3:15:48 meine Endzeit. Ich kann das kaum glauben. Ich habs geschafft! Gleich mal abbiegen in den Verpflegungsbereich. Riegel, Bananen, Äpfel, Bier, Getränke, Kuchen alles da. Kurz darauf kommt auch schon Andy. Mit 3:22:14 eine super Leistung! 4 Marathon in 4 Wochen gefinished! Was für ein toller Abend in Mannheim!

Finish

Super Samstag Abend in Mannheim. Hoch zufrieden Andy und Frank

Schön wars in Mannheim und Ludwigshafen, vielen Dank an Andy der sich um den ganzen Ummeldekram gekümmert hat, und somit diesen Lauf für mich möglich gemacht hat.