Sonntag, 26. August 2012

34.Koberstädter Waldmarathon



Trotz anhaltender Probleme geht das Training für die drei großen Marathons weiter. 9.9. Münster ; 30.9. Berlin ; 14.10. Köln. Aber da war doch was! Ja, gleich bei mir um die Ecke. Natürlich! Der Koberstädter Waldmarathon! Hier fing doch alles an, vor fünf Jahren! Mein erster Marathon! Grund genug auch in diesem Jahr außerplan den Koberstädter Waldmarathon zu laufen.

Freitags vorm Marathon noch mal schnell den Gesundheitszustand beim laufen gecheckt. LWS/ISG immer noch etwas schmerzhaft, Knie links doch sehr bedenklich. Besonders die Innenseite schmerzt. 18Uhr ist Online Meldeschluss. Was tun? 17:40Uhr vom laufen zurück. Rechner hochgefahren, Anmeldung abgeschickt. Irgendwie wird es gehen. Ist ja noch ein Tag zum ausruhen dazwischen.

Sontag Morgen 5:00Uhr aufgestanden. Zwei Brote, ein Joghurt und 3 Tassen starken Kaffee müssen reichen. Hastig schnell das Problemknie und die Rückenpartie um LWS/ISG getaped. Tasche geschnappt, rein ins Auto und ab nach Egelsbach. Alles ist wie immer. Mein 4.Start bei dieser schönen familiären Veranstaltung. Doch etwas ganz entscheidendes ist heute anders! - Die Strecke!

Bedingt durch den Ausbau einiger Industrieanlagen mußte ein sehr großer Teil des Koberstädter Waldes gerodet werden. Dies betraf den südlichen Teil der Strecke. So mußten sich die Organisatoren des Waldmarathons um eine geänderte Strecke bemühen. Anstelle des 2 Runden Kurses wurde nun ein 3 Runden Kurs. Die neue amtlich vermessene Strecke ist wie ich finde akzeptabel. Sagen wir mal so, man hat von Seiten des Orga Teams das best mögliche daraus gemacht.  


neue Strecke Koberstadt

oben: Die neu gestaltete Strecke im Koberstädter Wald. Jetzt erstmal eine kleine Runde, dann 2 verkürzte Runden der Strecke der letzten Jahren.

Pünktlich um 8 Uhr wird wie immer neben dem Sportgelände der SG Egelsbach gestartet. Die Strecke führt kurz durch den Ort, dann an den Kleingärten vorbei. Schließlich über die A661 in den Koberstädter Wald. Der Anfang fällt mir extrem schwer. Nur mit Mühe erreiche ich KM Zeiten unter 4:40min/km. Aber warum will ich hier eigentlich so schnell laufen? War dieser Marathon nicht geplant als langer Lauf unter Wettkampfbedingungen? Also könnte ich doch ruhig ein bisschen Tempo rausnehmen. Aber wie schon befürchtet, wenn die Startnummer mal hängt.....

Die erste verkürzte Runde ist ein einziger Krampf, genau wie meine Rückenbeschwerden, welche ich seit 10Tagen habe. KM5 Durchlauf bei 22:55min, und ich fühle mich jetzt schon wie bei KM25. Was für eine Schnapsidee, 2 Wochen vor dem Münster Marathon mich nochmal auf so eine Aktion einzulassen. Es hilft nichts, jetzt muß ich es durchziehen. Also häng ich mich irgendwie an die Läufer vor mir ran und versuche das Tempo mitzugehen. Langgezogene Anstiege im hügeligen Gelände kommen noch mit dazu. Endlich die höchste Erhebung ist für diese Runde erreicht, jetzt wird es ein bisschen angenehmer.

Im leichten Gefälle kommt mir das Tempo gar nicht mehr so anstrengend vor. Die 2.(größere) Runde beginnt. Plötzlich läuft es! Ich überhole sogar ein paar Mitstreiter. KM10 bei 45:48min abgedrückt. Das ist ein Schnitt von 4:35min/km. Ist doch gar nicht so schlecht! Wenn ich das noch ein bisschen halten kann, dann kann ich heute vielleicht sogar unter 3:20 finischen. Das wäre doch eine super Sache für 5 Jahre Marathonjubiläum!

Immer mal wieder ein paar längere fiese Ansteige machen kurzzeitig das Leben schwer. Aber im großen und ganzen läuft es jetzt. Die Rückenbeschwerden sind zu merken, aber behindern doch nicht so sehr. Viel mehr macht mir das linke Knie zu schaffen. Aber das kenne ich schon, und es bringt mich vorerst nicht aus der Ruhe. KM15, Zeit steht bei 1:08:25 KM Schnitt 4:34min/km. Sogar noch Tempo zugelegt, aber das war nur möglich durch mehr Gefälle als Anstieg. Weiter geht es mit angezogenem Tempo. Ja sogar die Steigungen laufen besser als gedacht.

KM20 und wieder zugelegt! 1:31:09 Schnitt 4:33,5min/km. Jetzt kommt die Verpflegungsstation, die Gelegenheit zur Gelaufnahme. Am Verpflegungsstand entdecke ich meinen ehemaligen Chef aus der der guten alten Zeit. Er engagiert sich seit ein paar Jahren, zusammen mit seiner Frau, bei der SG Egelsbach. Eine super Sache! Da lasse ich mich nicht lumpen und lege nochmal Tempo zu.

Die überwiegend leichte Steigung zehrt an den Kräften. Trotzdem bin ich inzwischen motiviert genug, den Lauf nicht nur als Trainingslauf für Münster zu nutzen, sondern jetzt will ich auch ein gutes Ergebnis erzielen. Vielleicht geht da ja sogar eine Zeit unter 3:15! Das wär' ja der Knaller! Aber erst mal die paar KM Steigung schaffen. So wie es aussieht erreiche ich den Abzweig in die 3.Runde bevor die HM Läufer (Start um 9:40Uhr) mir in die Quere kommen. Aber es wird nicht lange dauern, da werden mich die schnellsten eingeholt haben. Das HM Feld ist gut besetzt, denn für die HM Strecke gibt es Punkte für die Pfungstädter Laufcup Wertung.

KM25 in 1:54:08 passiert. Schnitt weiterhin bei 4:34min/km. Nur noch 17km durchbeißen, hier geht was! Nun ziehen auch die schnellsten HM Läufer an mir vorbei. Später werden sich wohl auch noch ein paar Läufer der 10km Runde dazu gesellen. Ein notwendiges Übel mit den HM/10K Starter/innen um solche Veranstaltungen letztendlich finanzieren zu können. Immer noch kann ich auf der leicht abschüssigen Strecke die Pace um die 4:30min/km halten. Die Sub 3:15 also weiterhin drin.

Nun wird es aber ungemütlich. KM28 passiert, die Strecke steigt jetzt an. Hier habe ich schon in Runde 2 viel Körner liegen lassen. Ich quäle mich hinauf. KM30 die Uhr steht bei 2:16:50min. Gesamtschnitt 4:34min/km. Noch einen Kilometer rauf, dann kommt der Verpflegungsstand. Das ist jetzt wirklich heftig. Gel raus gekramt, rein damit, Wasser am Versorgungspunkt geschnappt. KM31 Marker abgedrückt mit 5:02min/km! Jetzt wird es ernst! Noch 11km. Ich bin noch völlig platt von den letzten ansteigenden Kilometern, komme überhaupt nicht mehr in die Spur. KM32 immer noch in 4:45min/KM. Der Vorsprung auf die Sub 3:15 schwindet.

Abzweig kurz vor dem Messeler Tor. Jetzt kann man nochmal Fahrt aufnehmen, wieder fällt die Strecke kurzzeitig ab. Ich versuche nochmal alles. Noch die zwei weiteren Steigungen dann ist das hier eigentlich durch. Kann ich den Schnitt halten. Erster Anstieg geht los. Kämpfen und rauf! KM34, die Pace der letzten beiden KM wieder um die 4:30min/km! Die Kuppe der Steigung ist erreicht. Noch einmal kurz verschnaufen. KM35 in 4:39min/km ist ok. Letzte lange Steigung rauf. Alles rausholen. Das zieht sich wieder. Hier werden jetzt die letzten Körner verschossen. Verpflegungsstand nochmal Wasser rein, Abzweig nach rechts. KM36 in 4:55min/km doch deutlich abgebaut. Jetzt irgendwie wieder erholen und die letzten KM alles geben.

KM37 in 4:40min/km und KM38 in 4:43min/km, mehr ist nicht mehr drin. Ich bin platt, aber das ist ja auch kein Wunder. Nicht mehr vernünftig trainiert in den letzten Wochen, immer wieder neue Rückschläge mit Knie und Rücken. Und außerdem war das hier im Koberstädter Wald nicht geplant. Also was reg' ich mich auf! Ist doch ne super Zeit für einen "Trainingslauf" zum Münster Marathon in 2 Wochen. Noch 4km, die schaff' ich auch noch! Weiter geht es. Abzweig rechts am Koberstädter Falltorhaus. Noch einmal eine kurze Steigung nehmen. KM39, die Uhr steht bei 2:59:13. Das muß doch zu schaffen sein mit der Sub 3:15!

An Steigungen kommt jetzt nix mehr. Nur noch runter oder eben. Letzte Reserven rausholen für 3km bis zum Ziel. KM40 jawoll 4:20min/km. Das wird reichen für die Sub3:15. Da kommt kein Einbruch mehr. Die Steigungen haben mich nicht erledigt! Vorbei an den 10km Läufer/innen, aber das Slalom laufen hält sich in Grenzen. Rein nach Egelsbach. Nur noch die paar Seitenstraßen. Das Stadion ist zu hören! KM41 in 4:27min/km, Gesamtzeit 3:08:00min. Das Ding ist durch! Der Rest ist nur noch Formsache. Letzte Runde im Stadion. Das macht jetzt sogar Spaß! Vergessen ist die Qual, die Knie und Rückenschmerzen. Der Zielbogen wird bei 3:13:32 durchlaufen. Was für Kracher! Wer hätte das heute morgen noch gedacht?

Nach dem duschen, gleich mal schauen bei den Ergebnislisten. 11. gesamt und 2. in der AK. Unglaublich! Das hat sich ja gelohnt! Jetzt volle Konzentration auf Münster. Hier wird jetzt die Sub 3:10 angegangen. Auf einer flachen Strecke und wieder erholt müßte das doch machbar sein.