Sonntag, 18.Mai 2014

8.Knastmarathon Darmstadt


SV Kiefer

Ein ganz besonderer Marathon steht schon lange bei mir auf der Liste. Nie hat es geklappt. Irgendwie war immer eine andere Laufveranstaltung zur selben Zeit, oder ich wollte einfach nicht innerhalb von 7 Tagen 2 Marathons laufen. Und das obwohl der Darmstädter Knastmarathon quasi bei mir um die Ecke ist. Für 2014 hatte ich mich frühzeitig angemeldet.

Das Angebot mit 25€ ist unschlagbar.
- amtlich vermessene Strecke, also Bestenlistenfähig
- Chipzeitmessung (Mikatiming)
- personalisiertes Funktionslaufshirt
- Finisher Medaille
- Verpflegung vor -und nach dem Marathon
- Physioservice
- ganz besondere Location

Mit den Lauf-Terminen wurde es dann doch etwas eng. Der Knastmarathon ist mein 4. Marathon im Wochentakt, und der 7. Marathon in Folge, seit dem 23.März dieses Jahres.

Da kann man die super Zeiten nicht mehr erwarten, aber ein Bummel Marathon das kommt überhaupt nicht in die Tüte!

Die schlimmen Knieschmerzen der vergangenen Monate waren fast nicht mehr wahrnehmbar. Probleme mit dem Rücken (LWS) und Blasen an den Fußballen sind aktuell meine größten Sorgen. Für den Rücken gibt es morgens und abends Wärmebehandlung. Zusätzlich 1x pro Woche Rückengymnastik. Die Fußballen erhalten Gehwohl Fußbalsam je morgens und Abends. Mehr kann ich da jetzt nicht tun.
  


Einlaß um 8:00Uhr
Marathon gelaufen und wieder raus aus dem Knast

links: Einlaß um 8:00Uhr  rechts: Marathon gelaufen und wieder raus aus dem Knast


Sonntag 18.3.

Ich behalte meinen gewohnten Rhythmus bei. Aufstehen um 5:00 Uhr. Dann frühstücken mit 2 Banane-Honig Brötchen und Kaffee. Bisschen relaxen, Tasche packen und schließlich ganz gemütlich um 7:20Uhr die Fahrt zur JVA Darmstadt. Kurz vor 8Uhr bin ich dort. Überhaupt keinen Stress. Jeder hat im Vorfeld seine Einlasszeit in die JVA bekommen. Es können immer nur eine bestimmte Anzahl von Personen am Eingang abgefertigt werden. Zuerst wird der Personalausweis kontrolliert, die Wertsachen abgegeben und dann erhält jeder ein Kontrollband. Dieses Band darf bis zum Verlassen der JVA nicht entfernt werden. Es ist praktisch die Kennzeichnung, dass man ein Besucher ist.

Ab jetzt ist privates fotografieren absolut untersagt. Die Veröffentlichung von Fotos ist logischerweise ebenso verboten.

Die Sporttaschen werden wie beim Flughafen durchleuchtet. Kameras oder Mobil Telefone sind absolut verboten. Als nächstes kommt die Personenkontrolle mit dem Metalldetektor. Zum Schluss erfolgt noch eine Drogenkontrolle mit Hilfe von Spürhunden. Nun sind alle Prüfungen erledigt. Die Gruppe wird nach draußen auf das Gelände der JVA geführt.

Es ist schon alles aufgebaut. Unser Blick fällt sofort auf einen Verpflegungsbereich mit Kaffee, Brötchen und Kuchen. Es ist wirklich alles vorhanden. Leider jetzt vor dem Marathon eher schlecht, noch etwas zu essen. Dahinter ist der Start/Ziel Bereich mit der Messvorrichtung. Um die Ecke sind ein paar Zelte aufgebaut mit Tischen und Bänken. Alles sehr schön hergerichtet. Trotzdem stellt sich die Frage: "wie haben die das geschafft, hier einen amtlich vermessenen Rundkurs über 1,758km (24 Runden für den Marathon) aufzubauen?"

Ganz einfach, die meisten Teile der Strecke werden doppelt genutzt. Einmal hin, einmal zurück. Das hat natürlich viele Kurven und teilweise extrem scharfe Wendepunkte zur Folge. Dazu kommen im Laufe des Marathons die ganzen Überrundungen und Engstellen dazu. Das wird am Ende ein paar Minuten auf die Endzeit ausmachen.

Die Stimmung ist super, das Wetter passt. Nur von den Temperaturen her, könnte es ungemütlich werden. Die wärmeren Temperaturen, nach den kühlen Wochen, werden für jeden ein Problem darstellen.

Die Taschenabgabe erfolgt in der Sporthalle. Jeder erhält einen Sack für seine Sachen. Zusammen gehen wir zum Start. Vereinskollege Dirk will genau wie ich, erstmal mit 4:15'er Pace angehen, und sehen wie das so läuft. Laufkumpel Alex von der LC Haßloch will einfach nur durchkommen. Er ist nach seiner Verletzungspause noch nicht richtig in Form.

Es ist eng am Start. Die Stimmung top. Laute Musik aus der Anlage. Ein paar lockere Sprüche vom Moderator. Punkt 10:00Uhr fällt der Startschuss zum 8.Darmstädter Knastmarathon.


1.Runde

Sofort nach dem Start die Kurve nach rechts auf den Wendehammer. Hier ist noch genügend Platz für eine saubere 180° Kurve zu laufen. Zurück zur Kreuzung, dem zentralen Punkt des ganzen Laufes. Hier steht der Verpflegungstisch praktisch mitten auf Kreuzung. Etwas kurz, aber sollte gehen. Abzweig nach links, wieder zum Start/Ziel Durchlauf. Nach einem kleinen Knick nach rechts, das erste längere Stück gerade aus. Doch es dauert gar nicht lange, da folgt gleich nach einem leichten Knick, die nächste 90° Kurve nach rechts. Die Strecke führt direkt an der Mauer der Anstalt vorbei. Nach weiteren 200 Metern wieder eine scharfe 90° Kurve nach rechts. Vorbei an der Sporthalle, wo eine Gruppe mit Trommlern mächtig Stimmung macht. Weiter auf die Kreuzung mit dem Verpflegungspunkt zu. Kurz vor dem VP jetzt die schlimmste Stelle der Runde. 180° Spitzkehre mit ganz engem Radius. 24x abbremsen und wieder anlaufen. Kaum hat man wieder beschleunigt, da muß auch schon die nächste extra Runde gedreht werden. Unmittelbar nach der Sporthalle wird die Strecke nach rechts verlassen. Ein Gebäude muß umrundet werden, dann geht es wieder zurück auf die Hauptstrecke. Der Kurs läuft jetzt an der Mauer in entgegengesetzter Richtung. Alles wieder zurück bis zur Zeitmessung. Damit ist die erste von 24 Runden gelaufen. 1,758km. 7:32min hab ich dafür gebraucht. Schon jetzt 3 Sekunden langsamer als 4:15'er Pace. Puls jetzt bereits über 150 (85%). Das wird heute eine ganz üble Schinderei.


2.Runde

Noch einmal versuche ich die Pace anzuziehen. Nur mit größter Anstrengung steht die 4:15'er Pace auf der Uhr. Die Sonne knallt runter an der Mauer. Wie wird das erst gegen 12Uhr werden? Die Luft ist raus! Wenn überhaupt, dann kann ich heute evtl. ne Zeit um die 3:10 laufen. Diese Runde ziehe ich noch durch. Mit 7:30min sogar noch ein Ticken besser als Runde1. Aber innerlich fühle ich mich wie kurz vorm Halbmarathon Durchlauf.

Runde 2-12

Tempo raus! Das geht so nicht. Ziel ist jetzt die Pace unter 4:30min/km zu halten. Wenigstens bis zum HM Durchlauf. Dann mal sehen wie es weiter geht. Ein Glück gibt es alle 1,758km den Verpflegungsstand. Ich brauche jetzt schon dringend Wasser. Wir drehen hier weitere unsere Runden. Ein paar Inhaftierte sind an der Strecke, feuern uns an. Die vielen Helfer des Knastmarathons sind zum größten Teil Inhaftierte. Die sind wirklich voll dabei, reichen Wasser und Schwämme, das klappt super! Da können sich so manche emotionslose Helfer bei Stadtmarathons ne Scheibe von abschneiden. 

Die ersten 10km sind geschafft. 43:47min zeigt die Uhr. Das ist ne Pace von 4:22min/km. Ganz ordentlich, werde ich aber kaum halten können. Ich muß versuchen wenigstens bis zum Halbmarathon einigermaßen konstant weiterzulaufen. Es fällt extrem schwer. Die Runden werden immer eintöniger. Viele Überrundungen müssen nun auch noch gemacht werden. Teilweise wird man beim Wendepunkt ganz schön ausgebremst. Ich fühle mich nur noch saft und kraftlos. Da wird das Gel bei KM18 auch nicht viel bringen. Mal sehen, vielleicht gibt ne gute HM Zeit nochmal einen Schub.

Wenn ich darüber nachdenke, dass noch nicht mal die Hälfte geschafft ist, da wird es mir ja ganz anders. Es war verrückt den Trollinger letzte Woche noch einzuschieben. Mann, jetzt reiß dich mal am Riemen. Noch eine Runde dann ist schon mal die Hälfte gepackt. So muß man das sehen! Dirk kommt mir entgegen, der ist heute besser drauf. Hat mal locker ne halbe Runde Vorsprung. Noch einmal rum dann ist Halbzeit. Der Moderator vom Marathon macht das echt super. Kein blödes Gelaber, sondern nur Fakten vom Lauf. So ist man während dem ganzen Marathons immer gut informiert. Sehr gut! Mein HM Durchlauf ist ihm auch eine Meldung wert. 1:32:21. Na geht doch! Schwer zu halten, aber gute Aussichten um unter 3:10 das Ding hier zu beenden. 


Runde 13-24

Jetzt nochmal das Ganze. Es muß irgendwie gehen. Es wird immer schwieriger Wasser am VP aufzunehmen. Viele gehen bei der Wasseraufnahme. Da muß man manchmal auch auf Wasser verzichten und in der nächsten Runde nachladen. Für Runde 13,14 und 15 kann ich die Pace noch knapp um die 4:30min/km halten. Doch in Runde 16 (KM28) ist das nicht mehr möglich. Jetzt nochmal die letzten Reserven mobilisieren. Noch 14km das muß doch gehen!

Jede Erfrischung ist willkommen. Hatte ich noch einen Bogen um die Dusche kurz vor der Sporthalle gemacht, laufe ich jetzt durch. Der Wendepunkt wird immer mehr zum Problem. Die meisten schleichen nur noch um den Pylon herum. Runde um Runde wird es immer schlimmer. Ein Glück reichen die Helfer fleißig Schwämme. Ich habe die Temperaturen total unterschätzt. Immerhin 4:35'er Pace kann ich bis KM35 halten.

Nur noch 7km. Also 4 Runden! Völligst im Eimer. Da konnte ich letzte Woche beim Trollinger noch mal aufdrehen. Hier geht es nur noch darum irgendwie das Ding zu Ende zu laufen. Runde 21 in 4:39'er Pace gelaufen. Immerhin! Viele gehen jetzt, und die haben noch ein paar Runden mehr zu laufen. Nochmal den Rhythmus von den Trommlern aufnehmen. Die Wende genommen, Schwamm geschnappt. Extra Runde ums Gebäude. Wieder auf die Hauptstrecke an der Mauer. Abzweig zum Start/Ziel und nur noch 2 Runden.

2:52:30 auf der Uhr. 2 x 1,758km noch zu laufen. Das muß doch reichen mit der Sub 3:10! Die Fußballen brennen wie Feuer. Ist ja auch kein Wunder, durch die vielen Blasen aus den letzten Marathons ist die Haut teilweise fast weg. Aber das wird irgendwie noch gehen. Da muß ich jetzt durch. Auf gehts! Und so schlecht sieht das gar nicht aus. Ich kann sogar noch jemanden überholen, der in der gleichen Runde ist wie ich. 

Noch einmal der Durchlauf am Start/Ziel. Der Moderator kündigt es an. Ja, es ist meine letzte Runde! 3:00:44 auf der Uhr. Das muß reichen! Nochmal alles reinhauen und kämpfen. Gleich ist es geschafft. Nochmal um das Gebäude. Wieder die große Runde zurück. Vereinskumpel Dirk hat das Ziel schon erreicht. Ich bin auf der Zielgeraden. Evtl. reicht es für eine Zeit unter 3:09. Das langt! Ich kann noch jubeln! Wie geil! Es ist gepackt! Was für eine Nummer. 3:08:52 die Endzeit. Der 4.Marathon im Wochentakt. Man muß schon ganz schön bekloppt sein für sowas.

Jetzt erst mal voll stopfen mit Riegel, Bananen und Wasser. Das hab ich mir verdient. Nach kurzer Erholung, geht es zum Duschen. Jetzt noch warten bis 16 Uhr, dann ist die Siegerehrung in der Sporthalle. Auch hier wieder reich gedeckt mit Kuchen, Brötchen. Kaffee, Softgetränke und Malzbier. Nach schier endlosem Gelaber von Funktionären und Beamten kommt endlich die Siegerehrung. Eine eigene Wertung der Inhaftierten gibt es selbstverständlich auch. Mit einer 3:20 liefert der schnellste aus der JVA Darmstadt eine absolut respektable Leistung ab. Bedenkt man die Trainingsbedingungen der Inhaftierten, kann man das nicht hoch genug bewerten.

Ein gutes Vereinsergebnis in der Gesamtwertung. Platz 5/AK1 für Dirk und Platz 6/AK2 für mich. Mehr kann man nach dem Programm der letzten Wochen auch nicht erwarten. Eine sehr gelungene und schöne Veranstaltung, trotz 24 Runden immer das Gleiche.