Sonntag, 22.September 2013

31.Fudicia Baden Marathon Karlsruhe


Karlsruhe Logo 2013

Mal wieder kurzentschlossen einen Marathon laufen anstelle des langen Laufes. Das alles genau 1 Woche vor Berlin und mit Fußschmerzen links seit dem Münster Marathon vor 2 Wochen.

Ja warum denn nicht. Ich muß ja dank der guten Zeit von Münster, in Berlin gar nicht mehr so aufdrehen. Also ein lockerer Marathon in Karlsruhe mit Zielzeit Sub 3:30 das gönne ich mir heute mal. Wetter soll ja auch super werden. Sonne und bis 20°C. Außerdem wurde mir Karlsruhe als sehr schöner und schneller Marathon empfohlen.

Aufstehen um 4 Uhr. Die übliche Prozedur. Frühstücken mit 2 Banane-Honig Brötchen, Joghurt und viel Kaffee. Ruck-zuck bin ich in Karlsruhe. Parken alles kein Problem. 10min Fußweg zum Marathonzentrum in der Europahalle. Alles prima. Kurz nach 7 Uhr habe ich bereits für 55Euro meine Nachmeldung abgegeben. Ich bekomme die Startnummer, mehr nicht. Kein Läuferbeutel, keine üblichen Goodies wie Nudeln, Magnesium usw. Wer braucht den Kram auch schon.

8 Uhr noch ein Treff mit 2 Jungs vom Verein. Kurzer Plausch und dann mal so langsam umziehen, Kleiderbeutel abgeben, Toilette aufsuchen und rein in den Starterblock. Ich kann hingehen wo ich will. Überhaupt kein Problem. Könnte quasi in jedem Block. Aber Zielzeit ist ja Sub 3:30 und so ordne ich mich auch brav dementsprechend ein. Der Moderator vom Marathon versucht witzig zu sein, reißt einen Spruch nach dem anderen. Irgendwie überhaupt nicht mein Ding, naja wem's gefällt.


Marathon Messe in der Europahalle Karlruhe
Bester Laune kurz vorm Start

links: Marathon Messe in der Europahalle Karlruhe  rechts: Bester Laune kurz vorm Start


9:00 Uhr Start:
Ganz locker durch die Karlsruher Südweststadt, Südstadt und Ockstadt. Über die breiten Hauptstraßen läßt es sich super laufen. Über die A5 nach Durlach, hier wird auch die Stimmung gleich etwas besser. Durlach wird in südlicher Richtung verlassen. Für die ersten 10km 45:55min gebraucht. Eigentlich viel zu schnell, aber irgendwo war mir das schon klar dass es so kommt. Der Fuß zieht ab und an, aber alles im Rahmen. So kann es weiterlaufen.

Weiter durch ein Waldstück in die Ortschaft Rüppurr. Die Sub 3:15 Pacer hab ich schon vor mir und da werde ich gleich mal dran vorbei gehen. Ich fühle mich gut und werde immer schneller. Ich weis, das ist alles andere als gut für den Berlin Marathon, aber ich kann gar nicht anderes. Das macht ja auch Spaß. Die Pace ist längst unter 4:30min/km. Noch ein kurzes Stück über eine breite Straße und wir sind schon in Weiherfeld.

Plötzlich stockt das Feld. Was ist denn da los? Getränkestand? Staffelwechsel? Nichts geht mehr. Das Feld steht! Jetzt sehe ich was da los ist. Ein Bahnübergang und die Schranken sind zu! Ein Güterzug bewegt sich im Schritttempo auf den Schienen! Das glaub' ich doch nicht! Blankes entsetzten! Wie kann denn sowas passieren? Die Läufer/innen Meute tobt. Nach einer gefühlten Ewigkeit (tatsächlich waren es fast 2 Min) ist der Güterzug vorbei und die Schranken öffnen sich wieder. Natürlich geht es jetzt nicht gleich reibungslos weiter. Das Feld ist total aufgestaut, der Weg erneut durch ein Waldstück ist viel zu eng für solch eine Masse. Mit Wut im Bauch und im Zick-Zack Kurs geht es weiter. Es dauert nicht lange und ich habe mir den nötigen Platz zum laufen wieder verschafft.

Diese Aktion hat Zeit gekostet und vor allem Kraft. Instinktiv wird versucht die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Die Pace steigt weiter an. Der Stadtteil Bulach ist erreicht. Die Laune im Feld ist miserabel. Die meisten der Läufer/innen hatte Ziele von Sub 1:30 für den Halbmarathon oder Sub 3 für den Marathon. Das ist jetzt nicht mehr einzuholen.

Nach der Unterführung der Bundesstraße K9657 führt die Strecke in einem Grüngürtel weiter. Die Verzweigung von Halbmarathon und Marathon kommt. Die Halbmarathonies biegen restlos bedient ab zum Zieleinlauf. Wie üblich bleibt nur noch eine Hand voll Läufer/innen für die Marathondistanz auf der Strecke. Halbmarathon Durchlauf bei 1:36:38 trotz aller Pannen ist sehr gut. Unter 3:15 müßte eigentlich drin sein.

Die Güterzugkatastrophe kurz nach KM16 im Plan
Marathon weiter geradeaus, die Halbmarathonies können schon abzweigen

links: Die Güterzugkatastrophe kurz nach KM16 im Plan  rechts: Marathon weiter geradeaus, die Halbmarathonies können schon abzweigen


Weiter im Grüngürtel durch die Stadtteile Grünwinkel und Dexlanden. Man bekommt hier fast nichts von der Stadt zu sehen. Irgendwie ganz schön arm und das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich bin am überholen. Einen nach dem anderen. Wie aufgedreht laufe ich weiter. "Mach doch langsam" ruft mir ein gefrusteter Läufer nach. "Nix! Ich will jetzt fertig werden" mein Kommentar. Weiter im Grüngürtel bis KM27. Immer wieder kräftezehrende Überführungen oder Unterführungen. Die Pace bewegt sich trotzdem sehr konstant um die 4:20-4:25min/km.

Endlich bekommt man wieder was zu sehen. Wir sind im Stadtteil Mühlburg. Ab und an auch wieder mehr Zuschauerunterstützung. Trotzdem, spektakulär ist das hier auch nicht. Da ist die Zeit vom KM30 Durchlauf wesentlich interessanter. 2:15:39. Noch gut 12km zu laufen. Da ist sogar ne Sub 3:10 drin, trotz aller Katastrophen. Jetzt ist es doch sowieso Wurst. Nächste Woche in Berlin bin ich eh' platt. Also kann ich auch hier in Karlsruhe noch was raushauen.

Wir kommen der Innenstadt mit dem Schlossgarten immer näher. Das beflügelt nochmal. Die Pace geht auf 4:20min/km runter. Rein in den Schlossplatz. Hier ist jetzt wirklich Stimmung und entschädigt ein wenig für die eher mauen Teile des Marathons. Das Karlsruher Schloss wird auf einer Seite umlaufen und es geht im Schlossgarten weiter. Hier sind jetzt viele Ecken und Kehren die Zeit kosten. Aber wie besessen laufe ich weiter um unbedingt unter 3:10 das Ziel zu erreichen. Teilweise etwas verwirrend die Streckenführung im Schlossgarten, da die blaue Line ab und an einfach hinter den Absperrungen verschwindet. Das KM35 Schild an der Wendepunktstrecke steht in umgekehrter Richtung. Aber das kann man sich ja schon denken.

Bei KM36 wird der Schlossplatz wieder verlassen. 2:41:42 steht auf der Uhr. Noch gut 6km zu laufen. Es kommt ein Teil durch die Innenstadt. Wieder etwas mehr Stimmung. Doch relativ schnell ist die Innenstadt vorbei. Weiter in Südlicher Richtung zum Stadtgartensee. KM38 liegt mit 2:50:22 super in der Zeit. Die Sub 3:10 hol ich mir! So langsam schmerzen die Fußballen. Ganz besonders der linke. Naja wird noch gehen die 4km.

Im Stadtgarten macht es Spaß. Gute Unterstützung und aufmunternde Sprüche von den Zuschauern. "Auf das sieht super aus!". Ja genau! "Stoppen kann mich nur noch ein Güterzug", schießt es mir sofort durch den Kopf. Weiter die Pace angezogen. Für die letzten KM geht es sogar noch unter die 4:15min/km. Der Stadtgarten ist nun auch erledigt. Immer mehr werden die Schmerzen im Fußballen. Ich kann kaum mehr auftreten. Noch 3km Zähne zusammen beißen. Auf geht's! 

Ein kleines Stück durch den Stadtteil Beiertsheim. KM40 mit 4:12min abgedrückt. 2:58:48 die Gesamtzeit. Das muß reichen wenn die Fußballen das noch aushalten. Komm noch 2km. Weiter ordentlich Pace machen und nicht nachlassen. Leider gerade dieser Abschnitt kaum Zuschauerzuspruch. Ist ja nicht mehr weit. KM41 in 4:15min. Das läuft ja!

Der letzte Abschnitt führt noch einmal ein Stück durch den Grüngürtel bis zur Verzweigung von Zieleinlauf und KM22. Diesmal darf ich rechts ab in den Zieleinlauf. Vorbei an der Europahalle. Wenigstens hier tobt noch einmal alles. Super, das beflügelt. Der Eingang zum Stadion ist zu sehen. KM42 in 4:08min. Rein ins Stadion, die letzten Meter. Schlussspurt! Geschafft! 3:07:59 meine Endzeit incl. Güterzugwartezeit. Super das ist doch top.

Mal wieder fast gepackt. Auf den letzten KM nochmal voll zugelegt.
Nach kurzem Ärger über die Zwngspasue, kann ich schon wieder lachen über einen kuriosen Marathon in Karlsruhe. Zeit ist mehr als gut für einen ungeplanten kurzfristig eingeschobenen Marathon.

links: Mal wieder fast gepackt. Auf den letzten KM nochmal voll zugelegt. 
rechts: Nach kurzem Ärger über die Zwngspasue, kann ich schon wieder lachen über einen kuriosen Marathon in Karlsruhe. Zeit ist mehr als gut für einen ungeplanten kurzfristig eingeschobenen Marathon.


Gleich mal weiter ins "Runners Heaven" die Verpflegungsstelle im Stadion. Ich hau mir ein paar Äpfel und alkfreie Biere rein plaudere mit aufgebrachten Läufern wegen der Zug Panne. Einer hat die Uhr angehalten während der Zwangspause. Jetzt steht ne 2:59 drauf. Aber offiziell ist es halt doch ne 3:04. Der Pacemaker für die 2:59 schafft es tatsächlich gute 7 Minuten wieder rauszulaufen. Allerdings hat er alle seine Mitläufer und mögliche Sub3 Kandidaten verloren. 

Soweit bis jetzt bekannt ist, trifft das Orga Team vom Baden Marathon keine Schuld für die Zwangspause am Bahnübergang. Dennoch versucht die Marathon Karlsruhe e. V. eine Lösung für Betroffene anzubieten:

Stellungnahme des Marathon Karlsruhe e.V.

"Die Abstimmung mit der Deutschen Bahn lief seit 25 Jahren nach dem gleichen Verfahren und klappte bisher reibungslos. Woran es in diesem Jahr scheiterte, müssen wir prüfen. Wir können uns zum jetzigen Zeitpunkt nur bei den betroffenen Läufern entschuldigen und werden eine Lösung suchen, die möglichst alle doch noch zufrieden stellt", sagte Fried-Jürgen Bachl, Geschäftsführer des veranstaltenden Marathon Karlsruhe e. V, nach dem Lauf. Von der Sperrung betroffene Läufer sollen sich über das Kontaktformular unter www.badenmarathon.de an den Veranstalter wenden.  

In einer Woche wird in Berlin jetzt wohl nicht mehr viel laufen, dafür aber ein kurioser Marathon mehr gelaufen.  

Nachtrag:

Bereits einen Tag später gibt es vom Marathon Karlsruhe e.V. eine wirklich sehr kulante Regelung für die Betroffenen des Güterzugverkehr.

Aktuelle Information für Betroffene durch den Güterzugverkehr am 22.9.2013

Liebe Läuferinnen und Läufer,

zwischenzeitlich haben wir von der Deutschen Bahn eine Bestätigung erhalten, dass sie über den Termin des Fiducia Baden-Marathon am 22.9.2013 schriftlich informiert war.
Von einer Radiojournalistin erfuhren wir, dass man unser Schreiben angeblich nicht verstanden hätte. Dies verwundert uns, da wir die Bahn über diese Veranstaltung seit über 25 Jahren in gleicher Weise informieren.
Auf unsere Nachfrage bei der Deutschen Bahn in Karlsruhe erhielten wir von einer Mitarbeiterin heute eine eMail -Adresse an die wir uns wenden sollen, um den Sachverhalt zu schildern. Angeblich landete unser Schreiben bei einer nicht zuständigen Stelle der Deutschen Bundesbahn.

Für uns steht in jedem Fall fest: Ohne eine verbindlichere Sicherheit, dass im Streckenbereich keine Güterzüge mehr verkehren, können wir den Fiducia Baden-Marathon in der bisherigen Art nicht durchführen. Welche Konsequenzen das hat, können wir heute noch nicht sagen.

Des Weiteren haben wir beschlossen:
a.) Wir werden die Zeiten korrigieren lassen. Dadurch dass wir bei KM 10, 20 und 30 Matten zur Zeitmessung liegen hatten, können wir die durchschnittliche Geschwindigkeit je Kilometer u.a. berechnen. Viele Läufer/innen haben zudem selbst mitgestoppte Zeiten uns vor Ort oder über das Kontaktformular (das noch bis 24.9., 9.00 Uhr online ist) mitgeteilt.
b.) Alle betroffenen Läufer/innen erhalten zusätzlich von uns einen persönlichen Freistart (keine Weitergabe an andere Personen möglich) exklusiv für den Fiducia Baden-Marathon am 21.9.2014.

Bitte habt Verständnis dafür dass wir die  Informationen sorgsam prüfen, um Trittbrettfahrer auszuschließen.

Wir entschuldigen uns nochmals bei allen Betroffenen und versichern, dass dies s.o. nicht mehr vorkommt und wir unser Möglichstes für eine gelungene Veranstaltung getan haben.

Mit den besten Grüßen

Euer Marathon Karlsruhe e.V.

Das ist für meine Begriffe eine riesen Sache vom Veranstalter, der ja alles richtig gemacht hat und überhaupt nichts für diese Katastrophe kann. Gepennt hat hier offenbar die Deutsche Bahn. Es bleibt zu hoffen, daß zumindestens die Kosten für die Freistarts von der Deutschen Bahn übernommen werden.

Super Marathon Karlsruhe e.V. ! 
Hier so schnell zu reagieren und eine anständige Lösung für die Betroffenen anzubieten ist vorbildlich. Ich komme nächstes Jahr wieder! 

 


Die Analyse von Karlsruhe. Bei KM16 zu sehen der unfreiwillige Stop an der Bahnschranke. Bild anklicken um in einem anderen Fenster zu vergrößern