Sonntag, 28.Oktober 2018

37.Frankfurt Marathon


Fankfurt 2018

Der Bremen Marathon lief ja doch so halbwegs zufriedenstellend, gut 2 Wochen nach der OP der Kiefergelenks Plastik. Entsprechend positiv sah ich auch dem Frankfurt Marathon entgegen. Dachte doch tatsächlich, dass hier noch eine gute Zeit gelaufen werden kann. Praktisch als guter Abschluss für das verkorkste Jahr 2018. 3 Wochen Erholung und Aufbau nach Bremen standen zur Verfügung. Das Training und auch die aktuelle Körperliche Verfassung brachten allerdings schnell Ernüchterung.

1.Woche 51,4km
2.Woche 46,5km
3.Woche 11,1km + Frankfurt Marathon 42,195km

Ein bisschen Probleme mit dem Fußballen rechts und weiterhin extreme Ermüdungserscheinungen. Kaum Schlaf in der Nacht. Soweit die Voraussetzungen bis zum Mittwochabend vor dem Marathonwochenende. Nichts neues also….. Doch dann kommt es knüppelhart. Eine extreme Erkältung schleicht sich ein! Nach dem letzten Test am Mittwochabend geht es los. Über Halskratzen, Ohren zu, Kopf dröhnen und extreme Schlappheit, setzt sich der Verlauf weiter fort. Alle Maßnahmen helfen natürlich nur bedingt und die Situation wird immer beschissener. Wäre es nicht Frankfurt, sondern irgendein Wald und Wiesenmarathon, würde ich diese Aktion knicken! Aber so lasse ich die Option offen bis zum Sonntag, denn auch Laufkumpel Jonas ist mit von der Partie und wir wollten eigentlich gemeinsam den Marathon abregeln.


So nimmt dann alles trotz brutaler Erkältung seinen gewohnten Lauf.... Samstagmorgen, Jonas am Bahnhof abgeholt. Mega Frühstück zusammen reingezogen, schön entspannt Fußball Bundesliga reingeklotzt. Abendessen hergerichtet und übelst zugeschlagen, wie jedes Mal. Nur das Bier läuft diesmal nicht so richtig. Auch Jonas ist immer noch angeschlagen. So ist es kein Wunder, dass wie beide bereits um 22Uhr im Bett liegen. Kann ja für den Marathon nicht schaden. Zusätzlich gibt's noch die extra Bonusstunde der Zeitrückstellung oben drauf. Also genug Zeit zum Frühstücken und Tasche packen am Sonntagmorgen.

Mit der kostenlosen Bahn direkt nach Frankfurt in die Messehalle gefahren. Ohne anstehen die Startnummer geholt, und sogar in aller Ruhe ein Langarm Shirt gekauft. Es ist arschkalt, der Wind pfeift ekelhaft um die Ohren. Sowas ist keiner im Augenblick gewohnt, nach dem viel zu warmen Sommer. Und ich will mir das alles trotz dröhnendem Kopf und Erkältung antun? Es kommen doch erhebliche Zweifel beim Umziehen zum Start auf. Macht das überhaupt irgendeinen Sinn? In diesem Zustand? Besser nicht starten? Da gab es schon andere ähnliche Situationen, aber heute ist das wirklich super grenzwertig, und auf keinen Fall zur Nachahmung zu empfehlen. Irgendwie werde ich es wuppen. Locker mit Puls im Blick durchlaufen. Wird schon passen am Ende.


Da stehe ich nun im Block. Keine Ahnung was mich erwartet. Wie wird der Körper auf die Erkältung reagieren? Auf jedem Fall wird streng nach Puls gelaufen. Bloß keine Experimente hier! Im Pulk ist es noch schön warm und angenehm. Aber nun fällt der Startschuss, und ich muß los. Was für eine Nummer mal wieder. Zum kotzen! Fast gar nix kann mehr normal ablaufen! Einfach mal ein Marathon ohne Probleme! Das ist wirklich schon ewig her!

Obwohl ich diesmal ziemlich weit hinten bin, gibt es für die ersten paar Kilometer ausreichend Platz! Das hatte ich nicht erwartet! Und auch das laufen geht trotz aller Schwierigkeiten relativ gut. Knapp über 5'er Schnitt geht's die ersten 10km durch die Abschnitte Opernplatz, Bankenviertel, zurück zur Festhalle, Palmengarten, Innenstadt, Börse, nochmal Oper und schließlich rauf zum nördlichsten Punkt des Kurses in Eschersheim mit dem 10km Marker. Erstaunlich! 51:08min, also eine Pace von 5:07min/km! So schnell war ich im Training nicht und jetzt bin ich krank und kann das laufen! Der Puls Schnitt mit 125bpm (71%) passt gut für das Tempo.

So kann's von mir aus weitergehen! Ist aber wohl mehr ein Wunschgedanke…, das war zu schnell und die Quittung folgt. Ich muß mich jetzt schon arg quälen, um diese Geschwindigkeit noch wenigstens bis nach Sachsenhausen/Niederrad halten zu können. Immer kleine Teilziele setzen, nur so geht's. Konstablerwache, Mainbrücke, Sachsenhausen. Bei KM 16 gönn' ich mir schon mal ein Stück vom Powerbar Riegel und Banane am VP. Obwohl die Kraft merklich nachlässt, bleibt die Pace durch Goldstein und selbst noch in Schwanheim nach dem HM Durchlauf konstant! 1:47:54 für den ersten Abschnitt. Bleibt also bei 5:07min/km. Puls zeigt keine Auffälligkeiten, weiter geht's!

Der große Gong lässt nicht lange auf sich warten. Spätestens die Schwanheimer Brücke rauf (KM24) muß ich einsehen, dass Trainingsrückstand, Erkältung und ein miserabler Allgemeinzustand ihr Tribut fordern. Schlagartig wird's zur Qual. In Nied fange ich an, jeden KM Marker herbei zu sehnen. Noch geht's gerade so. Ich bleib dran, überhole noch viele Teilnehmer. Aber jede minimale Erschwernis, wie Wind oder leichte Steigungen, machen sich sofort auf der Uhr bemerkbar. Trotzdem wird auch dieser Teil bis zum KM30 Marker mit ordentlicher Pace von 5:15min/km abgeregelt. Pulsschnitt 131 (73%) absolut normal.

Letzter Abschnitt! Erstmal die Mainzer Landstraße durch Griesheim. Dieser Teil tut immer weh! Das ist nie ein Selbstläufer! Ob Sub3 Lauf, oder wie heute krank und platt. Kein Wind auf der "Meenzer". Das ist schon mal gut, aber dennoch eine schier aussichtslose Nummer. Jahr für Jahr das gleiche Bild: Läufer/innen fangen an zu gehen, oder bleiben einfach abrupt an den VP Tischen stehen. Da muß man jetzt durch! Marathonroutineprogramm einschalten, und das Ding in Frankfurt ordentlich eintüten! Keine Ahnung, wie ich es hingedreht hab', aber ich bin durch! KM35 Marker nach 3:01:47 im Europaviertel passiert. Man muß sich das vor Augen halten! Noch vor ein paar Jahren war ich nach dieser Zeit im VP Bereich vom Zielauslauf! Und heute? Noch 7km zu laufen! Die letzten 5km gingen mit 5:25'er Pace. Die letzten 7km ganz bestimmt nicht mehr. Mir hat jemand gewaltig den Stecker gezogen!

Die Stimmung an der Strecke zieht zum Glück wieder an. Das muß man jetzt irgendwie aufsaugen, und den Marathon im Kopf entscheiden! Hirn ausschalten, stur weiterlaufen, nicht nachdenken, und schon gar nicht stehen bleiben! Nur aufpassen mit den Schienen der Tram! Der Fußhub ist ja praktisch nicht mehr vorhanden. Da kann jedes kleine Hindernis zum Verhängnis werden. Volle Konzentration! Nochmal rauf zur Oper, Innenstadt, Bankenviertel, Hauptwache und Börse. Nur noch 2km! Satte 5:33min/km zeigt die Uhr für KM35-40. Egal das ist ok. Das wird jetzt auch noch durchgezogen! Na bitte KM41 Marker durch! Abzweig zum Finish mit dem Messeturm im Blick. Noch ein paar hundert Meter. Der Hammermann vor der Festhalle hat verloren! Ich pack's wieder mal! Geht auch wenn man krank ist! Jonas ist schon längst durch, frisch geduscht steht er da und feuert mich auf den letzten Metern zur Festhalle an! Sau geil! Der hat bestimmt die Sub 3 rausgehauen! Der Einlauf in der Festhalle, immer wieder gut! 3:41:44 die Zielzeit. Da kann man nix sagen! Ich bin absolut zufrieden!

Der Zielbereich ist leider nicht so umfangreich wie früher. Macht nix! Bisschen trockenes Rosinenbrot, das reicht mir. Die 0,0% Krombacher Brause schmeckt sowieso nicht. Schnell die nassen Klamotten wechseln und heim zum duschen. Mit meiner aktuellen Endzeit steht man locker 30 Minuten unbekleidet an den Duschen an. Das lassen wir mal besser, sonst wird die Erkältung noch zur Lungenentzündung.