Sonntag, 26. August 2007

29.Koberstädter Waldmarathon

Mein Marathondebut

Wie konnte es dazu kommen ?

Ganz einfach.

Irgendwann lief ich im Training meine Standart Sonntagsrunde (ca.17KM) einfach 2x . Ich wollte mal sehen was da passiert, jenseits der 30KM Marke. Und was ist passiert ? Gar nichts, kein Runners High oder sonst irgendwelche magischen Erscheinungen. Es hat auf den letzten Metern ein wenig in den Beinen geschmerzt, aber ansonsten gings eigentlich. Der nachfolgende Tag war auch etwas anstrengender auf den Beinen. Aber sonst alles bestens. Nachdem ich die Lauferei immer ernster genommen habe, und inzwischen ein paar 10'er und HM's gelaufen bin, war nach diesem Trainigslauf klar, daß ich die fehlenden 8 KM auch noch irgendwie hinbekommen werde.

Meine Wahl viel auf den Koberstädter Waldmarathon. Also ein Marathon ohne den großen Firlefanz wie in Frankfurt, Mainz oder sonst irgendwelchen großen Veranstaltungen.

Das Training hab ich jetzt deshalb nicht großartig geändert. Kein Trainingsplan, keine langen Läufe, einfach normal weitertrainiert, an den Wochenenden an 10'er oder HM's teilgenommen und unter der Woche Abends ne Runde gedreht. In der Regel so 3-4 Einheiten pro Woche mit insgesammt 40-60 KM. Als Ziel hatte ich mir also erstmal ankommen und wenn möglich unter 4 Stunden gesetzt. Die Pace sollte die 5min/Km erstmal nicht überschreiten.

Da die Strecke ganz in der Nähe von meiner Arbeit liegt, bin ich dort Abends ab zu hin gefahren und hab mich quasi mit der Strecke vertraut genmacht. Ein paar Steigungen waren schon drin. Aber alles im Rahmen der vertretbaren.

Ich wollte nichts dem Zufall überlassen und bin gleich Samstags hingefahren um mir meine Startunterlagen abzuholen. Im kleinen Sportstadion in Egelsbach war dann schon ein Zelt aufgebaut. Alles top organisiert, nette und freundliche Helfer, alles sehr familiär. Kurz um, man fühlt sich wohl !
Den Sonntag bin ich sehr früh in Richtung Egelsbachs aufgebrochen. Gegessen habe ich nichts mehr. Zu groß war die Angst vor Seitenstechen. Lediglich Kaffee habe ich getrunken, da ich das so gewohnt bin. In Egelsbach angekommen, noch gar nix los. Der ganze Parkplatz für mich. Eine Hand voll Läufer waren schon da. Um nicht ganz so saft und kraftlos an den Start zu gehen, habe ich dann 30min vor dem Start noch so eines dieser Energy Gel Packs mit Wasser runtergespült.

Nochmal ein bischen warmlaufen und zum Start. Um 8 Uhr gehts los.

Die ersten zwei Kilometer geht es noch durch Egelsbach über die B3 in den Koberstädter Wald. Hier kenne ich mich jetzt gut aus, da ich in den Wochen vorher genau auf dieser Strecke trainiert habe. Es geht erstmal im großen und ganzen fast nur bergab. Nicht viel, aber man merkt es schon. Es strengt nicht so an. Den Plan, unter 5min/Km zu laufen halte ich locker ein. 4:50,4:58,4:52,4:47;4:40 das sind meine ersten KM Zeiten. Im habe Probleme mit meinem Pulsmesser, ständig zeigt er nur Mist an. Ich versuche das Problem zu beheben, aber es klappt nicht. Ausgerechnet jetzt, bei meinem ersten Marathon ohne Pulsmessung laufen. Es hilft ja nichts, ich muß eben so weiterlaufen. Zu allem Unglück sticht mich jetzt auch noch eine Wespe oder irgend so ein Insekt knapp über den Fußknöchel. Das kann doch nicht wahr sein ! Hoffentlich wird das nicht dick. Ich merke den Schmerz vom Stich noch ein paar Kilometer lang, aber irgendwann ist es weg und wird scheinbar auch nicht dick. Die ersten Steigungen kommen, aber das nehme ich noch locker, es ist ja fast nie eine lange Steigung. Immer wieder kommen Passagen in denen es wieder abwärts geht zum erholen (bis hier hin). Andreas und Bettina stehen am Wildtor, welches heute extra für den Lauf offen ist, zum Waldparkplatz Messel. Super, extra wegen mir so früh auf den Beinen. Danke !! Ich drücke Andreas meinen Pulsbrustgurt in die Hand "da, der funktioniert net mehr, nimm ihn bitte". Jetzt kommt mein Lieblingsstück der Strecke. Ein längeres Stück abwärts, vorbei an einem Teich und wieder ein Stück hoch. Auch das läuft ja super denke ich. Den Stich überhalb des Knöchels habe ich schon fast vergessen. Ich nähere mich dem 4km langen Zusatzabschnitt welchen ich nur in der ersten Runde laufen muß. Die 10KM Zeit lag bei 47:55 es geht so langsam Richtung HM Marke. Ein Streckenposten mit dem Fahrrad begleitet mich ca 10min lang.Das ist mir recht, dann es ist ja sonst nix los, man läuft fast alleine. Die HM Marke kommt, die Uhr zeigt 1:41:35. Das bedeutet im großen und ganzen ein sehr ausgeglichener 1. Abschnitt obwohl jetzt doch schon ein paar Steigungen zu nehmen waren. Ich habe mir angewöhnt im 5km Takt einmal Wasser und einmal Iso Getränke zu nehmen. Das klappt gut es gibt keine Seitenstechen. Ein riesiger Wasserstahl bei KM 24 von der Egelsbacher Feuerwehr. Allerdings "umlaufe" ich das Ding. Ich bin noch gar nicht so verschwitzt. Überhaupt läuft es sehr gut, allerdings weis ich ja nicht was ab KM 34 so kommt. Noch nie bin ich vorher im Training weiter gelaufen. Die zweite etwas kürzere Runde beginnt. Leichtes Gefälle und eine Fotostation. Mir geht es super, also halte ich den Daumen nach oben Richtung Fotograf. Die Zeiten Bewegen sich jetzt sogar im 4:40/km Bereich, aber es geht ja auch wieder leicht abwärts. Ab KM 30 sind ein paar Steigungen zu nehmen, und ich brauche 3KM lang knapp über 5 Minuten auf den KM. Aber das stört mich nicht, ich fühle mich immer noch gut, die Stecke ist mir bekannt, ich weis was noch kommt. Nach dem Messeler Tor der Anstieg, das sollte die letzte größere Hürde werden. Wenn das geschafft ist, dann kann eigentlich nichts mehr passieren. Am Messeler Tor vorbei nochmal runter zum Teich, die Zeiten werden im Gefälle nochmal etwas besser. Es kommt eine 4:50 und eine 4:49. Jetzt passiere ich KM 34. Es geht aufwärts. Noch nie bin ich so weit an einem Stück gelaufen. Ich nehme die Steigung in einer 5:01/KM. Geht doch ! Nochmal ein kleines Gefälle vor dem letzten großen Anstieg mit 4:40/KM. Jetzt wird es hart, nun muß ich wirklich kämpfen. Und das zieht sich so lange. Keine Verschnaufpause möglich nur noch aufwärts 2KM lang. Es wird eine 5:43 und eine 5:32/KM. Geschafft, der Rest sollte kein Thema mehr sein. Fast nur noch eben und abwärts. Jetzt bin ich mir sicher. Es wird klappen, das Marathondebut. Wieder vorbei an der Wasserfontäne der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach. Die Autobahnbrücke kommt. Die letzte Anstrengung. Noch 2KM. Der letzte Verpflegungsstand. Ich mach noch Witze mit den Helfern am Stand. Was sagt eigentlich die Zeit ? 3:14:09 und wir sind bei KM 40 ! Also nochmal beeilen, dann ist sogar ne Sub 3:25 drin. Aber irgendwie nach der Autobahnbrücke bin ich doch langsam am Ende. Ich reiße mich zusammen, aber es tut ganz schön weh. Auf jetzt ! Der letzte KM durch Egelsbach. Leider kaum Zusachauer. Das Stadion kommt und ich biege ein. Der Triumpf ist fast greifbar. Ich höre den Sprecher : "ist das schon die erste Frau ?.........nein, doch nicht !". Schon wieder sorgen meine langen Haare für Verwirrung.....man gewöhnt sich im laufe der Zeit aber an solche Kommentare, und ich denke der Sprecher hat es auf die Entfernung tatsächlich nicht genau gesehen. Der Zielbogen kommt näher, es wird eng mit der SUB 3:25. Eigentlich wollte ich ja nur durchkommen, aber das lasse ich mir jetzt nicht nehmen. Ab durchs Ziel. Geschafft. Ich kann's kaum glauben. Ich bin meinen ersten Marathon gelaufen ! Die Zeit 3:24:56 !
 
Es hat sogar für ne SUB 3:25 gereicht. Das Glücksgefühl überwiegt und ich merke kaum was von den Strapazen. Jetzt gehöre ich auch dazu, zu den Marathonläufern. Und es war einfacher als ich gedacht hatte. Nach dem Duschen verweile ich noch ein wenig auf dieser wirklich supertollen Laufveranstaltung. Das ist sensationell, was hier im kleinen Egelsbach auf die Beine gestellt wird. Und dann diese schöne familiäre Atmosphäre mit Kaffee, Kuchen und Weizenbier. Einfach toll !

Auf der Heimfahrt kann ich es immer noch nicht glauben. Ich habe einen Marathon gefinished ! Heute Abend wird gefeiert !