Sonntag, 27.April 2014

12.Düsseldorf Marathon


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Voller Zuversicht nach dem unerwartet guten Ergebnis vom Leipzig Marathon (13.April), ging es in die Vorbereitung für Düsseldorf. Die Probleme mit dem Knie Innenband ließen immer mehr nach. Ein normales Training war somit wieder möglich. Klar, Leipzig steckte noch in den Knochen, aber trotzdem schaffte ich 94,6km in der Woche danach. 

Die Woche vor Düsseldorf mußte ich dann allerdings wieder etwas kürzer treten (78km incl. Marathon), da Probleme im LWS Bereich aufgetreten waren. Mit Gymnastik, Dehnen, Cremen und Taping das Problem gerade so wieder zum Düsseldorf Marathon in den Griff bekommen. Zielzeit ganz mutig nach der 3:06:42 von Leipzig auf Sub 3:05 angesetzt.

Als Unterkunft habe ich mich diesmal für 35€ (low cost budget Einzelzimmer) ins Hotel Diana eingebucht. Südlich der Altstadt gelegen, ca.20 Minuten Fußweg vom Start/Ziel entfernt. Perfekte Entscheidung! Viel besser als das Hostel aus 2012/2013 mit den ganzen besoffenen Altstadt Touristen im Mehrbettzimmer.

Das Auto außerhalb der Laufstrecke geparkt, nicht dass ich wieder ewig warten muß mit der Heimfahrt, bis die Straßen Sperrung endlich aufgehoben wird. Sachen ins Hotel gebracht und gleich weiter zur Startnummernausgabe in die Düsseldorfer Stadtsparkasse. In diesem Jahr wird es keine Marathonmesse geben. Es gibt lediglich ein paar kleinere Info-Stände neben dem Sponsor Diadora.


Die Startnummernausgabe befindet sich diesmal in der Stadtsparkasse
Die Stadtsparkasse ist eine ungewohnte Umgebung für die Marathonmesse

links: Die Startnummernausgabe befindet sich diesmal in der Stadtsparkasse
rechts: Die Stadtsparkasse ist eine ungewohnte Umgebung für die Marathonmesse


Wer braucht auch schon den ganzen Firlefanz mit Verkaufsständen und Mega-Pastaparty? Ich habe heute meine ganz private Pasta-Party mit ein paar guten Lauffreunden, Jan Winschermann dem Race Direktor vom Rhein Marathon und André Pollmächer. Alles direkt an der Rheinuferpromende/Kasematten im Frankenheim Bistro.

Jan sponsert das Essen für uns alle. André Pollmächer plaudert über Trainingspläne, Ernährung, Vorbereitung und auch private Dinge. Ein absoluter Highlight schon am Tag vor dem Marathon. Hier noch einmal ein ganz großes Dankeschön an:
Jan Winschermann, der trotz allem Stress, diese Aktion für uns möglich gemacht hat.
Ulli und Hennes für die ganze Organisation der privaten Pasta Party.
André Pollmächer, der sich tatsächlich am Vorabend vom Marathon die Zeit nimmt, mit uns Freizeitläufern völlig unabgehoben und locker zu quatschen.

Leider gibt es im Frankheim Bistro nur Pizza. Das ist mir zu riskant mit der Pizza. Ich bleibe bei den bewährten "Spaghetti aglio olio". Also geht es auf dem Heimweg ins "Ponte Vecchio" in der Düsseldorfer Altstadt. Sehr lecker und kein Vergleich zur Pleite vom letzten Jahr im "La Candeletta", was nur ein paar hundert Meter entfernt liegt. Laufkumpel Wolfgang, der im Auto übernachten will (!), kommt auch nochmal auf ein Bierchen mit. 


Treff am Vorabend mit dem derzeit besten deutschen Marathonläufer Andre Pollmächer
mit fettiger Pizza zur Sub 2:50! Unglaublich! Muß ich unbedingt auch mal versuchen

links: Treff am Vorabend mit dem derzeit besten deutschen Marathonläufer André Pollmächer
rechts: mit fettiger Pizza zur Sub 2:50! Unglaublich! Muß ich unbedingt auch mal versuchen


Nach der Pleite vom letzten Jahr im "La Candeletta", diesmal Karboloading im Ponte Vecchio.
Sehr lecker Essen und absolut angenehme Atmosphäre im Ponte Vecchio.

links: Nach der Pleite vom letzten Jahr im "La Candeletta", diesmal Karboloading im Ponte Vecchio.
rechts: Sehr lecker Essen und absolut angenehme Atmosphäre im Ponte Vecchio.


Die Nacht ist trotz Einzelzimmer nicht sehr erholsam. Erst schlafe ich nicht ein, und dann geht es ständig raus auf's Klo. Um kurz nach 5 Uhr klingeln die Wecker. Frühstück hergerichtet. Ganz entspannt und in aller Ruhe beim Fernsehen das Frühstück eingenommen. Noch das Knie und Wade getaped. Ein Blick aus dem Fenster zeigt nichts Gutes. Es regnet in Strömen. Also nochmal ein paar Sachen mehr in den Läuferbeutel. Die Wechselschuhe ziehe ich jetzt schon mal an, der Marathonschuh kommt in den Beutel. Wer will schon mit klatsch nassen Schuhen am Start stehen?


Alles schon gepackt für den Marathontag
Wie immer. Brötchen mit Banane und Honig. Leider diesmal keinen Kaffee.

links: Alles schon gepackt für den Marathontag  rechts: Wie immer. Brötchen mit Banane und Honig. Leider diesmal keinen Kaffee


Wade und Knie noch schnell getaped
Die Königsallee wird von lästigen Dauerparkern befreit

links: Wade und Knie noch schnell getaped  rechts: Die Königsallee wird von lästigen Dauerparkern befreit


Fußweg zur Kleiderbeutelabgabe am Burgplatz. Jacke, Hosen alles schon nass. Super! Es wird aber auch nicht besser. Das Zelt zum umziehen ist proppenvoll. Jeder harrt aus bis kurz vor Schluss. Es hilft nichts! Ich muß los zum vereinbarten Treff um 8:30Uhr unter der Oberkasseler Brücke. Trotz übelstem Wetter ist die Stimmung gut. Schnell noch ein paar Bilder gemacht, und dann geht es raus in den Startblock. Das mit den Wechselschuhen hat kaum was gebracht. Die Marathonschuhe sind jetzt auch vollgesaugt mit Wasser.
Das ist alles so ein bisschen wie in Münster 2013. Wenn die Ziel Zeit auch so wird, dann kann es von mir aus hageln! Aber soweit wird es nicht kommen. Ich habe zwar einen Startplatz im Sub3 Block, aber von der Top Form aus September 2013 bin ich meilenweit entfernt.


Proppenvoll das Läuferzelt. Niemand will draußen im Regen stehen
Nach top Marathonwetter in 2012 und 2013, diesmal Düsseldorf im Regen.

links: Proppenvoll das Läuferzelt. Niemand will draußen im Regen stehen
rechts: Nach top Marathonwetter in 2012 und 2013, diesmal Düsseldorf im Regen.


Überhaupt kein Gedrängel im Startbereich. Laufclowns und Genussläufer sucht man heute vergebens. Das Wetter hat viele Teilnehmer abgeschreckt. Von den ursprünglich 4000 gemeldeten Startern, werden am Ende nur 2700 im Ziel gezählt! Angeblich wurden 30% der Startunterlagen gar nicht erst abgeholt! Völlig unspektakulär und ohne großes Gedöns fällt um 9:00Uhr der Startschuß am Joseph Beuys Ufer.

Start

Viel Platz zum laufen auf dem ersten Kilometer rauf zum Messegelände. Noch wird versucht die größeren Pfützen geschickt zu umlaufen. Doch irgendwann juckt einen das auch nicht mehr. Es fällt mir erstaunlich leicht die Pace unter der 4:15min/km zu halten. Weiter rüber in den Stadtteil Stockum zum nördlichsten Punkt der Strecke. Hier muß ca 1km auf Kopfsteinpflaster gelaufen werden. Aber alles noch kein größeres Problem. Zurück ans Rheinufer auf die Cecilienallee, welche wir vor ein paar Minuten erst in entgegengesetzter Richtung gelaufen sind.

Abzweig in den Stadtteil Pempelfort. Gute Stimmung trotz Regen. Pace immer noch unter 4:15min/km, aber ich merke schon den Kräfteverschleiß. Erstmal dranbleiben, auch wenn es schwerfällt. Das erste größere Highlight steht an. Über die Hofgartenrampe rauf zur Oberkasseler Brücke über den Rhein
nach Oberkassel. Super Stimmung! Da kann man einfach nicht langsamer werden! Jetzt kommt es darauf an. Der 10km Marker kommt. 42:21min. Das wäre Kurs Sub3. Eigentlich unmöglich das zu halten mit dem Trainingsrückstand.

Die Luegallee hinunter, dann Hansaallee weiter. Upps? Jetzt schon folgt der Abzweig in den Stadtteil Niederkassel. Das war bei meinen bisherigen Starts aber anders. Ja schade, dann wird das Welt beste Altersheim im Niederkasseler Lohweg ausgelassen! Sehr schade! Das war ein Highlight für die Läufer und die Senioren! 

Kurze Steigung die Lütticher Straße rauf kostet ein bisschen Kraft, aber dafür geht es ja gleich wieder runter zu den Rheinauen mit den Kleingärten. Trotzdem, die Pace geht jetzt knapp über die 4:15min/km. Das war zu erwarten. Wieder sehr gute Stimmung beim
Durchlauf unter der Oberkasseler Brücke. Hier hat sich alles versammelt um nicht nass zu werden. Erst KM16 und schon ganz schön zu kratzen, na das kann ja noch lustig werden.

Weiter durch Oberkassel und wieder zurück zur Luegallee. Tolles Bild jetzt mit dem entgegenkommenden Läuferfeld. Ganz weit vorne ist schon die Steigung zur Oberkasseler Brücke zu erkennen. Ich drücke mir erst mal ein Gel bei KM18 rein. Die Brücke hat es echt in sich. Wäre ich nur schon drüben. KM19 direkt an der Tonhalle mit 4:25min abgedrückt! Ein Glück ist die Strecke jetzt kurz abschüssig. KM20 in 4:11min gleicht aber den Zeitverlust über die Brücke nicht aus. 

Wieder eine Änderung gegenüber dem letzten Jahr. Am Opernhaus führt der Kurs auf eine Wendepunktstrecke auf der "Kö". Weiter durch die Stadtmitte. Der Halbmarathondurchlauf erfolgt diesmal schon in der Berliner Allee. Ich ziehe nochmal an, um wenigstens eine HM Zeit unter 1:30 auf der Uhr zu haben. Tatsächlich, mit 1:29:50 reicht es gerade so.     

Also wenn ich hier so einen 2.Abschnitt wie in Leipzig (1:33:52) hinlegen kann, dann wäre ich mehr als zufrieden. Irgendwie läuft es jetzt wieder. Keine Ahnung warum, aber das nehme ich gerne mit. Ich habe wieder die 4:15'er Pace auf der Uhr und wir sind schon im Stadtteil Derendorf. Die 25km Messmatte wird mit 1:46:38 passiert. Das ist ja haargenau Sub3 Kurs.

Es folgt der Abschnitt im Düsseltal. Hier wird es sich jetzt entscheiden. Die Stimmungshochburg gleich nach der Kult-Eissporthalle an der Brehmstraße, fällt dieses Jahr wetterbedingt etwas kleiner aus. Trotzdem, was hier heute los ist, dafür kann ich mich nur bei den Düsseldorfer Zuschauern bedanken! Wer steht schon gerne bei diesem Wetter auf der Straße? Also Daumen hoch für Düsseldorf.

Ich laufe den 2.Abschnitt fast schon die ganze Zeit zusammen mit Astrid Staubach. Die Ultraspezialistin aus dem Vogelsberg lief im Januar den Rodgau Ultra über 50km in 3:41:58. Das ist wirklich bärenstark was die heute hier abliefert. Ich habe Mühe dranzubleiben, obwohl die Pace inzwischen auf 4:20min/km abgefallen ist. Der KM30 Durchlauf zeigt es ganz deutlich. 2:08:20 die Gesamtzeit. 22 Sekunden verloren im Abschnitt KM25-KM30. Damit sind auch die letzten minimalen Chancen auf ne Sub3 erledigt. 

Die letzten 12km werden also mal wieder alles abverlangen. Locker lassen kommt überhaupt nicht in die Tüte! Und der Hamburg Marathon in einer Woche? Ist mir im Augenblick völlig egal! Ich bin hier jetzt in Düsseldorf! Jetzt gilt es! Und wenn ich dran bleibe, dann gibt das unterm Strich eine super Zeit! Also kämpfen und alles geben.

Am Brehmplatz muß ich Astrid Staubach ziehen lassen. Die ist heute einfach super drauf und zieht das Tempo durch. Die ewig lange Rethelstraße runter. Jeder Kilometermarker wird herbeigesehnt. Die "32" gleich nach der Bahnbrücke zeigt mir eine 2:17:19 auf der Uhr. Also ein 4:40'er Schnitt bis ins Ziel würde reichen für die angestrebte Sub 3:05. Die Strecke führt wieder in die Stadtmitte, vorbei am Schloss Jägerhof in den südlichen Streckenabschnitt.

Platz der deutschen Einheit (KM34) ist passiert. Berliner Allee/Corneliusstraße runter. Abzweig am Hostel in die Herzogstraße. Hier sind die ganzen Altstadt-Touristen untergebracht. Die ersten scheinen Ihren Rausch ausgeschlafen zu haben und schnappen frische Luft an Straßenrand. Nächste Messmatte KM35. 2:30:33. Das sieht doch gar nicht schlecht aus mit der Sub 3:05. Eine 4:47'er Pace würde dafür jetzt schon reichen! Aber noch ist das Ding hier nicht durch. 7km können so lange werden.

Der Wendepunkt kurz vor der Rheinkniebrücke. Jetzt noch der Abschnitt in Unterbilk, der Rest geht doch fast von alleine. Von wegen! 4:38min für KM37! Jetzt bloß nicht nachlassen! Auf! Reiß dich zusammen. 4:30'er Schnitt muß schon noch sein! Die Partyzone am Zollhof/Medienhafen müßte doch noch einmal puschen. Ja was machen die denn da? Eine Wasser Dusche mitten auf der Strecke! Es regnet doch sowieso und ich bin froh, dass es etwas nachgelassen hat! Umweg laufen, das tue ich mir nicht an! Wenigstens KM38 hab ich mit 4:28min abgedrückt.

Es wird zur Tortur! Ich schlurfe nur noch über den Asphalt. Im Augenwinkel registriere ich gerade so den Rheinturm. Das ist jetzt eine ganz entscheidende Phase! Nicht nachlassen! Man kann den Lärm von Zielbereich an der Rheinpromenade schon hören. Nur blöd daß ich noch den Abschnitt auf der "Kö" laufen muß. Schon irgendwo frustrierend. Da kommen einem die schnellen Läufer auf der Haroldstraße entgegen, haben nur noch wenige 100 Meter zu laufen.

Da muß ich jetzt durch! Auf gehts, Abzweig in die "Kö". 40km Messmatte zeigt eine 2:53:16. Das letzte rausholen. Zähne zusammenbeißen. Das wird ne super Zeit! Das wird reichen für eine Top10 Marathonzeit in meiner eigenen Statistik. Wendepunkt an der Steinstraße und die andere Seite der "Kö" wieder runter. Der Gustav Adolf Platz ist erreicht. Jetzt muß doch gleich die "41" kommen. Da ist der Marker. 2:57:53. Das könnte sogar noch für eine Sub 3:03 reichen!


Noch gut 2km. Abzweig in die "Kö". Nochmal alles rausholen
letzter Versorgungsstand vorm Ziel

links: Noch gut 2km. Abzweig in die "Kö". Nochmal alles rausholen
rechts: letzter Versorgungsstand vorm Ziel


Sub 3:03, das wäre der Kracher schlechthin. Lauf! Lauf bis zum umfallen! Es ist nur noch dieser eine Kilometer. Ein paar gehen hier. Das kann ich überhaupt nicht verstehen so kurz vorm Ziel. Der Abzweig zum Rheinufer runter kommt. Ich kann das packen. Mit Schwung auf die Zielgerade. Durchziehen alles geben. Die Uhr steht noch unter 3:03! Der Zieleinlauf ist vor mir. Mit wirklich letzter Kraft durch den Bogen. 3:02:58 steht auf der Uhr! Es hat gereicht! Ich werd' verrückt!

Relativ schnell habe ich mich gefangen. Der Fußweg in den Versorgungsbereich nehme ich gerne auf mich. Ich bin total zufrieden. Wer hätte das gedacht! Vor gut einem Monat habe ich mich mit brutalsten Knieschmerzen in 3:14:41 durch den Rom Marathon gequält, 2 weitere Marathons gelaufen und jetzt ne Zeit unter 3:03! 8.beste Marathonzeit. Es geht aufwärts und nächsten Sonntag ist der Hamburg Marathon!

Schnell umgezogen im Versorgungsbereich. Duschen werde ich erst zu Hause. Das ist heute einfach zu riskant bei dem Wetter. Eine Erkältung kann ich mir wirklich nicht leisten. Heute Abend gönne ich mir ein paar Weizen und Schokolade zur Belohnung. Morgen ist damit gleich wieder Schluss. Volle Konzentration auf Hamburg!


Besser als erwartet. Düsseldorf in 3:02:58 gefinished
Tschüß Düsseldorf, bis zum nächsten Jahr

links: Besser als erwartet. Düsseldorf in 3:02:58 gefinished  rechts: Tschüß Düsseldorf, bis zum nächsten Jahr