Sonntag, 13. März 2011

36.Bienwald Marathon

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Seit dem Ultramarathon Ende Januar im Rodgau werden die Knieprobleme immer schlimmer. Vor 3 Wochen beim Untertagemarathon in Merkers hat das irgendwie noch geklappt. Aber jetzt geht Trainingsmäßig fast nichts mehr. Knieschmerzen lassen nur noch normales Training zu. Keine Tempoeinheiten, kein Bergtraining mehr, nur noch irgendwie ein paar KM sammeln und die Kondition nicht verlieren.

Unter diesen Umständen kann man nicht viel erwarten. Irgendwie durchkommen. Vielleicht ne Sub 3:10 wäre super. Aber auch nur ankommen ist ok.

Sonntag morgen, schnell noch was gefuttert, Problemknie getaped, alles rein ins Auto und ab nach Kandel.

Block 2Schnell bin ich in Kandel. Ist ja nicht weit. Wie immer alles super organisiert. Hier gibt es nichts spektakuläres, nichts außergewöhnliches, aber es ist proppenvoll! Kein Wunder! Denn bei gerade mal 29 Euro Startgeld bekommt man einen top organisierten Marathon, eine super schnelle Strecke, ein Funktionsshirt, beste Verpflegung, kurze Wege, warme Duschen und diesmal gratis dazu eine Flasche Wein nach Wahl, da 125 Jahre TSV Kandel.

Um 10Uhr geht es dann los. Ich reihe mich in den Block bis 3:10 ein. Der Blick geht nach vorne zum Start. Wer steht denn da mit der Knarre in der Hand? Es ist der Ministerpräsident von Rheinland Pfalz Kurt Beck! Kurzes Gelaber noch, und dann drückt Kurt ab. Die Masse setzt sich in Bewegung.

rechts: Sub 3:10 wäre heute wirklich ne gute Zeit


Überhaupt kein Platzgerangel, im 4:16er Schnitt geht es in die ersten KM. Immer schön dicht beim Sub3 Pacemaker. Nein, nein das ist heute ganz bestimmt nicht meine Zielzeit. So ist nun mal mein Anfangstempo. Da kann ich nichts gegen machen.
Die Strecke ist so unspektakulär, das es nichts weiteres darüber zu berichten gibt. Zum größten Teil eine abgesperrte Bundesstraße. Doch eines fällt mir auf - ein Läufer. Ja genau, das ist doch der Typ, der mich vor 3 Wochen in Merkers beim Untertagemarathon quasi im Zielkanal noch überholt hat! Er ist mit dem Fahrrad von Leipzig hergeradelt. Wahnsinn! Und heute will er scheinbar ne Sub 3 laufen. "Meine Motivation läuft da vorne" meint er und deutet auf den Sub 3 Pacemaker. Na dann, viel Erfolg! Mir wird das alles zu viel um den Pacemaker rum, ich laufe jetzt ein paar Meter weiter vor dem ganzen Pulk. KM10 passiere bei 42:32min und immer noch vor dem 3 Stunden Pacemaker. Doch bei KM 12 werde ich nun endlich von dem ganzen Sub 3 Pulk überholt. Ich plaudere noch kurz mit dem Leipziger, "das ist jetzt genug für mich, ich lasse abreißen", "3:10 wäre heute schon super für mich", meine ich. Er erwidert, "wie gesagt meine Motivation läuft da vorne" er meint den 3 Stunden Pacemaker. Weiter geht es immer noch im Schnitt unter 4:20min/km. Aber das wird jetzt schon knüppelhart. Wie im letzten Jahr, am Ortseingang von Schaidt spielt eine Blaskapelle. "The Wanderer", das passt ja gut. Mit wandern hat das nix zu tun. Ich muß laufen! Und zwar noch 26KM! Eigentlich war das ja total verrückt mit dem bisschen Training in diesem Tempo anzugehen. Lange wird das so nicht mehr weiter gehen. Den Wendepunkt in Schaidt habe ich nun geschafft. Zurück geht es. Ab und zu ein paar aufmunternde Worte vom den Läufern die mir entgegenkommen. Jetzt folgt bald der Abzweig in den Wald. Erstes Gel runtergespült. KM Zeiten sind inzwischen über 4:20min/km. Ich treffe wieder auf einen bekannten Läufer. Die Welt ist so klein. Wir haben uns schon beim Marathon Vignoble D'Alsace 2010 getroffen. Stimmt! Er hat recht. Wieder ein paar KM Unterhaltung, das lenkt ab. Halbmarathondurchlauf bei 1:30:44. Mit ein paar Reserven könnte man jetzt glatt mal versuchen auf Sub 3 zu laufen. Aber heute nicht. Ich bin fix und alle. Irgendwie so lange wie möglich noch Tempo halten, dann wird es am Ende reichen für ne Sub 3:10. Endlich, der Wendepunkt auf dem Waldweg Abschnitt ist erreicht. Noch 16km. Schnitt immer noch unter 4:30min/km. Ich kann es kaum glauben wenn ich die Marker auf der Uhr abdrücke. Das alles mit reduziertem Training und instabilem Knie. Trotzdem, der Einbruch steht unmittelbar bevor. Aber was sehe ich denn da ganz weit vor mir? Der Läufer aus Leipzig! Und ich komme trotz langsamerem Tempo immer näher ran! Wie war das? "Da vorne läuft meine Motivation" genau so ist es. Heute bin ich am Ende vorne! Ja und tatsächlich, kurz bevor es wieder auf die Bundesstraße geht bei KM31 kann ich ihn überholen. Jetzt noch mal alles mobilisieren. Gel rein, Wasser geschnappt. KM32 immerhin noch in 4:33min/km. Noch 10km und nicht ganz 50 Minuten über auf die Sub 3:10. Das sieht gut aus! Knie läuft trotz Problemen gut, brennende Fußsohlen bei weitem nicht so schlimm wie beim Untertage Marathon. Aber wirklich nichts mehr in der Reserve. Es wird zäh! Brutal zieht sich die Bundesstraße. KM34 in 4:45min, und KM36 in 4:51min. Jetzt echt zusammenreißen. Sub 3:10 muß gepackt werden! Abzweig von der Bundesstraße kommt. So weit ist das doch nicht mehr! Plötzlich quält sich ein Läufer an mir vorbei, dicht begleitet von einem Fahrrad mit Getränken, Verpflegung, technische Beratung und Betreuung, mentales Aufbauprogramm usw. Hey was soll denn das jetzt. Direktes coaching vom Lauf-Trainer für ne Sub 3:10. Leute, wo sind wir hier denn? KM38 kommt. Noch 4km. Endlos zieht sich das. Schnitt jetzt über 4:50min/km. Nicht aufgeben. Jetzt bloß keine Zeit über 5min. Das wäre psychologisch sehr schlecht. Jetzt hilft es schon, wenn man von weitem die Ansagen aus dem Stadion hören kann. Irgendwie schleppe ich mich von Kilometer zu Kilometer. Den Schnitt kann ich irgendwie halten. Nochmal Abzweig zum Stadion. KM41 Schild wie eine Erlösung. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Das wird geschafft. Rein ins Stadion die Runde auf der Aschenbahn tut wirklich weh, aber ist doch so schön. Zieleinlauf. Diesmal überholt niemand mehr. 3:08:21 also bitte, das ist doch echt ein schöner Erfolg unter den Bedingungen. Das wohlverdiente alkfreie Weizen schmeckt heute besonders gut. Jetzt noch den Jubiläumswein abholen, schnell duschen, umziehen und ganz geschwind nach Mainz zum Fußballschlagerspiel gegen Leverkusen.

Vino

Jubiläums Wein. 125 Jahre TSV Kandel. Normalerweise stehe ich mehr auf Weizenbier aber der Wein war auch gut.