Freitag/Samstag, 10/11.Juni 2016

58.Bieler Lauftage Marathon


Biel 2016 Logo large

Wie heißt es doch? Irgendwann mußt du nach Biel! Dieses Jahr ist es soweit! Aber als 11.Marathon im Wochentakt, schon vor dem Start eine Art "Mission impossible".


Kurzbericht:

Dass man nach dem 10. Marathon im Wochentakt nicht mehr viel erwarten kann, ist logisch. Aber dass es zusätzlich noch so ein Dreckswetter geben würde war nicht vorhersehbar! Da kommt Freude auf, in der Regennacht von Biel! Besonders bei einer kurz/kurz Klamottenwahl. Gekämpft bis zum bitteren Ende. Sub 10h war absolut unmöglich! Die Beine noch schwer wie Blei, da ist man mehr als zufrieden, unterm Strich so durchzukommen. Kaum Gehpausen gemacht. Wenn, dann ab km50 an den VP's und in ein paar Steigungen. Die Endzeit von 10:19:54 ist das, was maximal möglich war.


Ausführlicher Bericht:

Dieses Jahr muß es einfach sein! Biel ist dran! Es paßt! Keine anderen Marathons am gleichen Wochenende. Eine besondere Vorbereitung gibt es nicht. Der 100'er wird einfach eingeschoben ins Marathonprogramm, wie schon 3 Wochen vorher der Rennsteig Supermarathon. Also gar nicht lange rumgemacht, Training reduziert und die letzten Tage vor Biel mehr Kohlenhydrate gefuttert.

Wohlfühlprogram ist nicht! Es gibt "low cost" Version. Freitagmorgen mit der Bahn hin, späten Nachmittag Unterlagen klarmachen, abends 22:00Uhr die 100km laufen. Samstagmorgen irgendwann nach 8Uhr finishen, dann duschen, bisschen ausruhen, nachmittags mit der Bahn wieder zurück, um pünktlich Samstagabend wieder zu Hause zu sein. Die übliche Übernachtung fällt weg, es kostet mich also nur das Startgeld und was man sonst noch so unterwegs braucht.

Klingt von der Logistik her erstmal ziemlich einfach. Aber laufen muß ich ja auch noch. Und das ist genau der Punkt! Ich bin total im Arsch! Seit Wochen keinen richtigen Schlaf mehr gehabt. Nach 10 Marathons im Wochentakt sind die Beine schwer wie Blei!

Normalerweise sollte man jetzt eine längere Regenerationspause einlegen! Aber die dringend benötigte Auszeit muß noch warten! 100km Biel und der Midsommer Marathon in Tromsö stehen noch auf der Liste! Lediglich 4 Tage stehen zur Erholung nach dem Duisburg Marathon zur Verfügung. Total verrückt! Aber mal ganz ehrlich, ich wollte es ja nicht anders. Hab mich total übernommen. Jetzt muß ich zusehen, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme. Gestrichen wird nichts!

Freitag 10.Juni

Alles läuft wie geplant ab. Anreise nach Biel und die Unterlagen im Kongresszentrum abgeholt. Die Kohlenhydratspeicher werden statt der sündhaft teuren Nudeln mit Fladenbrot und Bananen aufgefüllt. Nur bei der Laufkleidung gibt es Unstimmigkeiten. Die Vorhersagen standen auf bestes, trockenes Wetter. Nun heißt es: heftiger Regen in der Nacht! Bis zum Start um 22:00Uhr ist noch viel Zeit. Das reicht sogar um die Beine beim kostenlosen Physio Service nochmal lockern zu lassen.

Nach langem hin und her, entschließe ich mich zu kurzen Laufklamotten. Lediglich ein Buff Tuch wird zusätzlich um den Arm gewickelt. Wenn ich all die Ultra Cracks mit Ihren Rucksäcken sehe.....die schleppen sich doch tot! So wenig wie möglich mitnehmen! Ein Powerbar Riegel zur Sicherheit, bis es unterwegs was an den VP's gibt und eine mini Kopflampe für alle Fälle. Zusätzlich zu ersten Mal überhaupt bei einem Wettbewerb, nehme ich den mini MP3 Spieler mit. Zur Motivation ab KM50, wenn es einsam wird mit. Hab natürlich vorher gefragt ob das erlaubt ist!

Im Startbereich ist gute Stimmung. Die Bieler Bevölkerung macht aus den Lauftagen ein wahres Volksfest. Auch die meisten Läufer/innen sind entspannt. Ganz anders als die übliche Anspannung bei den normalen Stadtmarathons über 42,195km. Es ist noch schwülwarm. Mit einem zusätzlichen Langarmshirt hätte ich mich bereits im Startblock kaputtgeschwitzt.


Die Startkarten Ausgabe erfolgt im Bieler Kongresszentrum gleich neben dem Start/Ziel
Die Startkarten Ausgabe erfolgt im Bieler Kongresszentrum gleich neben dem Start/Ziel
Nicht viel los im Festzelt mit der Nudelparty. Kein Wunder bei den Preisen.....
Nicht viel los im Festzelt mit der Nudelparty. Kein Wunder bei den Preisen.....

Für 11 Euro einen lächerlich gefüllten Teller Nudeln. Das sehe ich nicht ein!
Für 11 Euro einen lächerlich gefüllten Teller Nudeln. Das sehe ich nicht ein!
Hauptsache noch ein paar Kohlenhydrate eingefahren! Da wird schnell noch aus der Not heraus eine Tüte mit Fladenbrot für 1,50Euro besorgt.
Hauptsache noch ein paar Kohlenhydrate eingefahren! Da wird schnell noch aus der Not heraus eine Tüte mit Fladenbrot für 1,50€ besorgt.

Nochmal Physio Service 2 Stunden vor dem Lauf. Warum nicht? Meine Beine sind immer noch müde und überlastet.
Nochmal Physio Service 2 Stunden vor dem Lauf. Warum nicht? Meine Beine sind immer noch müde und überlastet.
So langsam wird es ernst. Noch gut eine Stunde bis zum Start. Was soll ich bloß machen? Kurz/kurz oder doch Langarm unters Laufshirt? Ich bleibe bei kurz/kurz, was sich nur in den ersten 30min als Vorteil herausstellen wird.
So langsam wird es ernst. Noch gut eine Stunde bis zum Start. Was soll ich bloß machen? Kurz/kurz oder doch Langarm unters Laufshirt? Ich bleibe bei kurz/kurz, was sich nur in den ersten 30min als Vorteil herausstellen wird.

Start 22:00Uhr

Ohne großes Spektakel fällt der Startschuss. Zunächst werden unter begeisternder Unterstützung an der Strecke ca.6km in Biel gelaufen, bevor es über den Nidau-Büren Kanal in die Nachbargemeine Port geht. Die Beine sind noch immer schwer, das war klar. Aber was will man da auch in 4 Tagen Regeneration vom letzten Marathon erwarten!

Die erste Herausforderung läßt nicht lange auf sich warten. 90 Höhenmeter auf 2km Strecke stetiger Anstieg bis in den Ortskern von Bellmund. Der für Notfälle gedachte Power Bar Riegel muß jetzt schon dran glauben! Kaum die Kuppe erreicht, da geht es auch gleich wieder alles runter! Die Ortschaft Jens ist schnell durchlaufen, der Strecke wird wieder eben. Immerhin, der 10km Marker ist erreicht. Mit 58:09min bin ich doch von der Zeit perfekt unterwegs! Vom Fitness Zustand allerdings total im Sack!

Im der Ferne zucken schon die Blitze! Das wird nicht mehr lange dauern, dann gibt es einen schönen Regenschauer. Leichter Wind kommt auch schon auf. Ja hätte ich doch nur das Langarmshirt genommen! Jetzt ist es zu spät! Wir verlassen die Straße und laufen auf einer Art "besserem" Feldweg weiter. Die Befürchtungen bewahrheiten sich. Es fängt an zu tröpfeln. Erst ein bisschen, dann immer mehr und heftiger! Innerhalb kürzester Zeit hat man kaum mehr Bock weiter zu laufen! Das kotzt mich an! Alles klatsch naß! Ich kann nur das Buff Tuch über den Kopf stülpen. Mehr hab ich nicht zur Auswahl.

Endlich wieder ne Ortschaft! Über Kappeln erreichen wir Aarberg bei KM16. Geile Stimmung trotz Regen im historischen Ortskern und vor allem auf der Holzbrücke über die "alte Are". Na also! Das motiviert doch wieder! Und der Regen ist auch nicht mehr so schlimm!

Ich bin wieder flotter unterwegs. KM20 Messpunkt mit 1:56:12 ist gut in der Zeit! Die Strecke hat für die nächsten 4km wieder um die 100Hm Anstieg. Da gehen auch schon die ersten. Das muß jetzt noch nicht sein! Da bewahrheitet sich am Ende immer wieder die alte Weisheit: "Wer hier schon geht, geht auch alle anderen Steigungen!" Schön dran vorbeigezogen! So langsam findet man sich rein in den 100'er. Nur auf's Klo müßte ich wirklich bald mal. Das Essen und der Riegel schiebt ganz schön. Das bremst und macht auf Dauer keinen Spaß! Bei KM25,5 kommt der erste große VP mit allem drum und dran. Da müßten doch auch ein paar Toiletten dabei sein! So lange muß ich halt durchhalten!

Weiter durch die Ortschaft Lyss. Auch hier trotz später Stunde und äußeren Bedingungen, immer wieder Zuschauer an der Strecke! Jetzt muß doch bald der VP kommen! Ich sehe viel Licht in der Ferne. Das Örtchen Ammerzwil kommt zum Vorschein. Da muß auch der VP sein! Prima das sieht gut aus! VP mit Toiletten im angrenzenden Gebäude. Das kostet zwar Zeit, aber kann ich jetzt nicht ändern! Nur leider, wie zu erwarten, ganz so klappt das nicht mit dem Toilettengang. Man kann nicht in ein paar Sekunden den ganzen Körper runterfahren. Das geht nicht. Wenigstens ist der Druck ein bisschen weg. Ich muß weiter! Kann hier nicht ewig hocken! Am VP decke ich mich gleich mal mit Gel und Riegel ein. Die haben ja die komplette Powerbar Palette zur Auswahl! Weiter geht's! Der Riegel wird in Häppchen gefuttert, das Gel ist erst mal in Reserve!

Gerade ein Viertel der ganzen Strecke ist gelaufen. Dieser Gedanke verschwindet einfach nicht aus dem Kopf! Die unspektakuläre Strecke durch das Limpachtal heitert auch nicht gerade dazu auf! Die erste Streckenkontrolle drückt mir ein Stempel auf die Startnummer, dann kommt auch bald der nächste VP in Oberamsern bei KM38. Obwohl vorher mehrfach ins Hirn eingetrichtert, nicht so viel an den VP's zu fressen, stopfe ich wieder die Taschen und den Mund voll. Das Dixi-Klo nehme ich auch nochmal. 

Der Regen hat jetzt komplett aufgehört. Das sollte doch motivieren, wenigstens mal die Marathonmarke zu überqueren! Die Euphorie erhält bei KM 39,5 einen herben Dämpfer! Es geht wieder rauf! Erst gemächlich, ab dem KM40 Marker in Mülchi heftiger! 3:57:26 meine Zeit für 40km. Also Pace jetzt über der magischen Schwelle von 6min/km. War mir sowieso klar! 10 Stunden in Biel, sind für mich nicht machbar! Nicht nach diesem Programm!

Das ist brutal! Da verliert man den letzten Funken Durchhaltevermögen! Trotzdem nicht gehen! Noch nicht hier! Das wäre zu früh! Die Marathondistanz wird nicht angezeigt. Man kann das nur abschätzen. Aber hier irgendwo in Etzelkofen muß die 42,195km sein. Meine Zeit ist um die 4 Stunden 12 Minuten. Und was sagt das jetzt auch? Nichts! Außer dass ich noch gut 57km laufen muß!

Immer noch steigt die Strecke an. bis KM44 muß ich noch durchhalten, dann sollte die Kuppe erreicht sein. Irgendwann ist der Durchhaltewille gebrochen. Ich gehe die Steigung, wie alle anderen auch. Bis KM50 ist die Strecke abschüssig. Die mühsam erkämpften 120Hm wieder runter. Erholung ist das trotzdem nicht. Immerhin mit ner Pace von von 5:50min/km kann ich wieder etwas aufholen. Der KM50 Marker nach der Gemeine Jengenstorf, fällt mit 4:57:19 noch vor der 5 Stunden Grenze! Auf jetzt! Die Hälfte ist rum! 

Es wird extrem einsam. Das ist frustrierend! Zeit für einen Motivationsschub! Noch nie habe ich vorher bei einem Wettbewerb solche Mittel eingesetzt. Aber hier, sehe ich keine andere Wahl! Ein Mini MP3 Player mit der richtigen Mischung aus Iron Maiden, Slayer, Sacred Reich und AC/DC muß mich bei Laune halten! Natürlich habe ich mich vorher erkundigt, ob das denn auch erlaubt ist!

Nächster markanter Punkt ist Kirchberg. Hier befindet sich das Ziel für die 56km Läufer/innen. Ein super ausgestatteter VP und der Beginn des gefürchteten Emmendamm. Die Radbegleiter müssen ab hier außen rum fahren. Sie dürfen die nächsten 10km nicht auf den Damm. Da bin ich ja mal gespannt was mich da erwartet!

Die 56K Finisher sind schon etwas zu beneiden. Mit Weizenbier, Finisher Medaille und den leckersten Fressalien wird hier schon gefeiert. Aber Leute! Was ist das denn schon? Biel sind 100km und sonst nichts! Bleibt mal alle schön auf'm Teppich!

Der in Läuferkreisen „Ho-Chi-Minh-Pfad" genannte Emmendamm hat es wirklich in sich! Von wegen, die Strecke ist ausreichend beleuchtet! Gar nix ist hier! Es ist Sack Raben Nacht! Was bin ich froh für meine mini Funzel! Das ist alles andere als ein Weg! Das ist ein Trampelpfad vom feinsten! Der Bänderriß ist hier ohne Kopflampe vorprogrammiert! Eine Spurrille gibt es. Also muß man an der Seite überholen, oder der Mitläufer macht Platz. Sowas würde ich nicht mal freiwillig bei Tageslicht im Training laufen! In Biel ist es wohl Kult! Da hilft nur eines: Die 10km auf diesem Untergrund so schnell wie möglich hinter sich bringen!

Der Damm zieht sich. Ständig kommt man aus dem Rhythmus. Mal muß man einen Geher an der Seite überholen, mal muß die nervenden Staffelläufer vorbeilassen. Überhaupt, diese Staffelläufer sind hier auf dem Damm ein Graus. Klar, die haben noch Kraft, wollen vorbei. Die meisten pochen allerdings darauf, dass ich Platz mache. Man hört das schon von weitem durch Rufe. Von der Zeit reden wir besser nicht mehr! KM60 nach 6:03:00 abgedrückt!

Den VP in "Utzenstorf" (KM62) kann ich schon kaum mehr erwarten. Ich muß mich mit Bananenstückchen belohnen, sonst geht hier bald gar nichts mehr! Banane rein, Riegel gebunkert, Wasser zum runterspülen und weiter dran bleiben! Noch 4km auf diesem scheiß Damm! Dann bessert sich die Lage!

Der Damm läßt sich jetzt etwas besser belaufen. Bei KM66,5 ist ausreichend Platz, und somit dürfen auch die Radbegleiter wieder mit auf die Strecke. Weiter ins Ort Biberist. Dort wird noch eine Schleife gelaufen, bevor der Kurs dann endlich in westlicher Richtung nach Biel zurück führt. Klingt zunächst überschaubar, aber die gut 30km in diesem Zustand stellen eine echte Herausforderung dar. Zumal es jetzt auch wieder anfängt zu regnen! Mir steht es echt bis oben! Ich habe kein Bock mehr! Keine Kraft mehr! Und trotzdem, ich muß! Da hilft mal gar nix! Los jetzt! Scheiß drauf! Reiß dich zusammen!

Durch die Felder zum nächten Etappenziel, dem Ort "Lohn". Immer schön am "Bibernbach" entlang. KM70 passiert nach 7:04:28. Läuft alles auf Endzeit 10,5 Stunden raus. Aber das ist mir gerade fast egal. So beschissen ist die Lage. Wie ein begossener Pudel schlurfe ich über die Strecke. Hauptsache es ist irgendwann vorbei und es gibt eine warme Dusche!

Tatsächlich gibt es immer noch ein paar wenige Zuschauer am Verkehrskreisel in der Ortschaft "Lohn"! Unglaublich bei dem Sauwetter! Die geben echt alles! Wieder raus auf die breite Landstraße. Die Schuhe sind längst durchgeweicht. Das Laufshirt klebt wieder auf der Haut. Alles was einem noch aufbaut ist die Tatsache, dass es langsam aber sicher überschaubar wird! Mit "Lüterkofen-Ichertswill" erreiche ich bereits die nächste Ortschaft. Fehlt nur noch der nächste "VP". Ich brauch' schon wieder Nachschub!

Bei KM73 ist es endlich soweit! Der VP ist da! Und er hat Kaffee! Das haue ich mir jetzt rein! Wir haben schließlich halb sechs. Höchste Zeit zum Kaffee trinken! Nicht dass ich kurz vorm einschlafen wäre, aber Kaffee hilft mir einfach immer! Gerade jetzt braucht man wieder einen Schub, denn die Strecke steigt nach 2km in der Ebene erneut an! Und es hört gar nicht mehr auf! Bis nach "Bibern" hinein. Selbst nach dem Abzweig zum nächsten Ort "Arch" geht es stetig weiter rauf! Wahrscheinlich würde man sowas im Training kaum wahrnehmen, aber nach 77 gelaufenen Kilometern ist das extrem brutal! 

Im Waldstück zwischen "Bibern" und "Arch" ist die Kuppe erreicht. Das war die letzte Steigung! Nach KM78 kommt nix mehr! Vorausgesetzt das Höhenprofil im Plan stimmt! Egal wie, jetzt gibt es erstmal 3km Erholung im Gefälle nach "Arch". Aber auch hier ist nur ein 6'er Schnitt drin! Macht nichts! Hauptsache die Kilometer kommen auf die Uhr!

Am Ortseingang von "Arch" ist es soweit. KM80 kommt. 8:11:37. Noch mindestens 2 Stunden muß ich mich abquälen! Aber jetzt ohne Regen! Der hat aufgehört! Gleich sind wieder ein paar Zuschauer mehr an der Strecke! Zur Info, wir haben gerade mal kurz nach 6 Uhr in der Früh! Ebenso die gefühlte Nähe zum Ziel setzt zusätzlich nochmal letzte Reserven frei. Es dauert nicht lange, dann ist die "Aare" erreicht. Das letzte Teil der Strecke führt nur noch am Aareufer entlang bis nach Biel zum großen Finale!

Der Uferweg ist durch den Regen ziemlich vermatscht und schwer zu laufen. Gar nicht so einfach, wenn man sowieso keine Kraft mehr in den Beinen hat. Aber da geht es mir nicht alleine so. Die meisten kann ich jedenfalls überholen. Nur die Staffelläufer sind logischerweise schneller unterwegs. Von KM82 bis KM87 am Ortseingang von Bühren halte ich den Schnitt auf dem Brabsch Weg sogar noch unter 6min/km! Aber jetzt ist wirklich die Luft raus! Der nächste VP muß her!

Bei KM88 mitten in Büren kommt der VP. Die Stimmung ist super. Hier ist gut was los! Nicht schwach werden! Bloß nicht stehenbleiben! Sachen schnappen und weiter geht's! Die "Aare" wird überquert. Den Rest bis Biel laufen wir am Ufer der Aare-Nordseite. Ich bin fix und alle! Aber irgendwie immer noch besser drauf, als die letzten Kilometer vom Rennsteig. Sehnsüchtig halte ich Ausschau nach dem KM90 Schild.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt die "90". 9:15:44. Naja, nicht mehr ganz so toll! Aber das stört mich nicht. Nur noch "10"! Das zählt jetzt! Und weil jetzt jeder Kilometer extra gefeiert wird, gibt es auch ab jetzt für jeden KM einen extra Marker! Das macht es aber nicht einfacher. Ganz im Gegenteil. Man wartet nur noch auf die Marker. Und die wollen nicht kommen. Von laufen kann hier keine Rede mehr sein. Jeder schlurft so mehr oder weniger über die Strecke. Aber Hauptsache nicht gehen! Das wäre ein Desaster! Aus dieser Nummer kommst du nicht mehr raus!

Die nächsten 2km nehme ich im 7'er Schnitt! Das sagt eigentlich schon alles! Ok, ein VP war mit dabei, aber so geht das nicht weiter! Wenigstens 6'er Pace muß doch gehen! Komm' bald es ist gepackt! Ich raffe mich zusammen. Mit letzten Einsatz und 5:58'er Pace, bis zum 95km Marker in der Ortschaft "Brügg". Nur noch 5km! Das lang' ersehnte Biel Finish ist zum greifen nahe! 9:47:27. Die Zeit passt! Evtl. bleibe ich sogar unter 10:20!

Noch ein letztes Mal nachladen am VP km95,5. Oh scheiße! 8:04min für die "96", wegen verweilen am VP! Das muß nicht sein! Die 10:20 wird sonst nichts! Zusammenreißen! Da muß doch bald mal Biel kommen! Der Kanalweg am "Aareufer" und die stöhnenden Mitläufer sind alles andere als Motivation pur! 5:59min für KM97! 10:01:31 das könnte reichen! Dranbleiben!

Die "Wehrbrücke" wird unterquert! Da sind wir doch gestern Nacht um 22:30Uhr drüber gelaufen! Also sind wir in Biel! Geil! Ich hab's gleich! Kämpfen! Abzweig in den "Schleusenweg" an dem kleinen Nebenfluss "Zihl". Wo führen die uns den rum? Ich will jetzt zum Ziel! KM98 nur 6:28min! 10:07:28! So langt es nicht!

Endlich im Wohngebiet von Biel. Es geht vorwärts, die Unterstützung der Zuschauer ist wieder da! Oh nee! 6:23min für die "99", 10:14:22 auf der Uhr. Ich schaff's doch nicht unter 10:20! Dreck, Dreck, Dreck! Los! geb nochmal alles! Es wäre das i-Tüpfelchen! Endspurt ab km99! Verrückt! Die Bahn-Unterführung ist durch. Der Lärmpegel vom Zielgebiet steigt an. Super Support jetzt von den vielen Zuschauern um den Zielbereich herum! Ich lauf auf dem Zahnfleisch!

Es wird immer lauter, aber nichts vom Ziel zu sehen. Abzweig von der "Zukunftsstraße" in die "Silbergasse". Das ist doch das Kongresszentrum, oder? Jaaa!!!! Ich bin gleich da!!! Endspurt, dann reicht's noch! Einmal um die Ecke noch! Was für ein Anblick! Der Zielbogen von Biel!!!! Ich glaub's nicht! Immer noch unter 10:20. Ein großer Kampf ist kurz vor dem Abschluss! Wie geil! Noch ein paar Meter! Ich hab's gepackt!!!!! 10:19:54! Unglaublich! Es hat sogar noch gereicht für die Sub 10:20. Ich bin überwältigt! Biel ist abgehakt!

Der Zielbereich ist leider etwas spärlich ausgefallen. Es gibt ein kleines Zelt zum kurzen verweilen. Darin bekommt man streng rationierte Erdinger alkfrei aus Dosen, Bananen und Brot. Sehr wenig Auswahl, bedenkt man doch das reichhaltige Angebot an den VP's. Schon irgendwie enttäuschend. Naja. Macht nix! Biel ist gefinisht! Das zählt!

Jetzt noch die Medaille und das Shirt abholen, eine warme Dusche, bisschen Physio für die Beine, etwas pennen und ganz wichtig: richtiges Bier holen für die Heimfahrt! Das hab ich mir verdient! 


Nach 10 Stunden 19 Minuten 54 Sekunden, der umjubelte Zieleinlauf in Biel.
Nach 10 Stunden 19 Minuten 54 Sekunden, der umjubelte Zieleinlauf in Biel.
Allen Grund zur Freude! Der 11.Marathon im Wochentakt ist gefinisht. Und das auch noch in Biel über 100km!
Allen Grund zur Freude! Der 11.Marathon im Wochentakt ist gefinisht. Und das auch noch in Biel über 100km!

Splits: 
Netto 10:19:54
1.Hälfte: 4:57:19
2.Hälfte: 5:22:35

Durchgangszeiten/Platzierungen
km    Zeit       Ges.  Kat 
38.0  3:43.49  210.  41.
56.1  5:35.13  160.  31.
76.7  7:48.40  124.  21.


Die 100km Strecke von den 58.Bieler Lauftagen. (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)
Die Strecke führt zunächst durch das Zentrum Biels, dann durch Nidau, Port, Bellmund, Jens und Kappelen nach Aarberg, dessen mittelalterliches Zentrum einen Stimmungshöhepunkt darstellt. Weiter geht es nach Lyss. Über Grossaffoltern und Scheunenberg geht es ins Tal des Limpach, dem man über Balm bei Messen bis Oberramsern folgt, wo km 39 erreicht wird. Die Läufer biegen nun nach Süden ab und erreichen über Mülchi und Etzelkofen Jegenstorf. Kurz danach passiert man die 50-km-Marke, und über Kernenried gelangt man nach Kirchberg. Spätestens hier sollte man für die nächsten 10 km eine Kopflampen benutzen, denn hier beginnt das holprigste Teilstück der Strecke auf dem Damm der Emme, das scherzhafterweise auch «Ho-Chi-Minh-Pfad» genannt wird. Kurz vor Gerlafingen ist der schmale Pfad zu Ende. Über Biberist, Lüterkofen-Ichertswil und Bibern geht es nach Arch, wo die Aare erreicht wird, der man nun ca. 10 km bis hinter Büren folgt. Die letzten Kilometer geht es über Brügg und Safnern zurück nach Biel, wo die Läufer von großen Menschenmassen im Ziel erwartet werden. (Klick für Darstellung in einem neuen Fenster)