Sonntag, 30. September 2012

39.BMW Berlin Marathon



Vorbereitung:

3 Wochen Zeit um sich vom Münster Marathon zu erholen und gleichzeitig, das Training für Berlin auf einem vernünftigen Level zu betreiben. Die Sub 3:10 fiel den zu hohen Temperaturen in Münster zum Opfer. Also mußte es in Berlin klappen.

Mal wieder kam es anders als geplant. Eine Erkältung welche sich schon in Münster angedeutet hatte brach nun komplett aus. In der Woche nach dem Münster Marathon habe ich noch versuchte das irgendwie zu ignorieren, und schaffte immerhin noch 59,4km incl. langem Lauf von 25km. Das hätte ich besser mal gelassen. Denn in der 2. Woche ging trainingsmäßig fast gar nichts mehr. Ich hatte Ohrenschmerzen und der Druck im Kopf war teilweise kaum mehr zu ertragen. So kamen gerade mal 28,5km zusammen, und kein langer Lauf.

Sollte Berlin schon wieder scheitern?

2010 - gemeldet, nicht gestartet Bänderriss/Wadenbeinbruch
2011 - gemeldet, nicht gestartet ungeklärte Schwindelprobleme
2012 - gemeldet, sieht schon wieder schlecht aus!

Es blieb mir nichts anderes übrig als das Training auf ein minimal Programm zu beschränken, und irgendwie in nicht mal einer Woche wieder fit zu werden. Dienstag, Donnerstag und Freitag je 1 Stunde ganz locker mit strenger Pulskontrolle gejoggt. Macht zusammen noch mal 32km für die Marathonwoche. Den Sub 3:10 Versuch kann ich mir somit abschminken. Hauptsache Berlin wird wenigstens irgendwie gelaufen.


Samstag:

Anreise ganz entspannt mit der Bahn. Unterkunft wie üblich in der Jugendherberge "Gästehaus Central". Nicht gerade ein fünf Sterne Hotel, aber dafür günstig und eben praktisch. Gabi aus Kriftel hat sich dort auch einquartiert. Sie will den Berlin Marathon als Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft im 100km Lauf nächste Woche in Hanau nutzen. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen und da gibt es viel zu erzählen. Zusammen geht es auf die Marathon-Messe die Unterlagen abholen. Abends gibt es im Hostel für 5 Euro eine Pasta Party. Das ist praktisch und erfüllt voll seinen Zweck. Ich lasse mich sogar noch zu einem Bier (mit Alkohol) überreden. Normalerweise trinke ich die komplette Woche vor dem Marathon kein Bier und Schokolade gibt es auch nicht. Besser einschlafen kann ich trotz Bier nicht.


Wie immer, Marathonmesse im alten Flughafengebäude Tempelhof
auf zur Startnummernausgabe

links: Wie immer, Marathonmesse im alten Flughafengebäude Tempelhof   rechts: auf zur Startnummernausgabe

Passt ja alles.
auf dem Rückweg von der Messe, kann man schon mal Teile der Strecke begutachten

links: Passt ja alles.  rechts: auf dem Rückweg von der Messe, kann man schon mal Teile der Strecke begutachten

Pasta Party im Hostel: Für 5 Euro kann man nicht meckern
meine erste Portion. Da kommt nochmal Nachschlag und ein Quark mit Früchten dazu.

links: Pasta Party im Hostel: Für 5 Euro kann man nicht meckern
rechts: meine erste Portion. Da kommt nochmal Nachschlag und ein Quark mit Früchten dazu.

Sonntag:

Der Wecker klingelt um 5:30Uhr. Läuferbeutel zusammenpacken, frühstücken um 6:30Uhr. Mit U-und S-Bahn geht es zum Startplatz in unmittelbarer Nähe vom Reichstag. Man sollte in Berlin ein bisschen mehr Zeit einplanen, den die Wege im Start/Ziel Bereich sind weit. Bei ca. 40000 Starter/innen kann es dann schon mal hektisch werden. Aber trotz alle dem, hab ich viel Zeit. Es ist sehr frisch, die Temperaturen liegen bei ca.10° C. So lange wie möglich behalte ich die warmen Klamotten an. Irgendwann hilft es nicht mehr. Weg mit dem Läuferbeutel und der etwas mehr als 1km Fußmarsch zum Starterblock kann losgehen.


Mit der U- und S-Bahn zum Start
Vom Hauptbahnhof einmal über die Spree und schon fast am Start/Ziel Bereich

links: Mit der U-und S-Bahn zum Start  rechts: Vom Hauptbahnhof einmal über die Spree und schon fast am Start/Ziel Bereich

So manche Starter haben schon ordentlich Kilometer auf'm Buckel
wohin mit dem Läuferbeutel? Bei 40000 Teilnehmern ist die logistische Abwicklung nicht ganz so einfach

links: So manche Starter haben schon ordentlich Kilometer auf'm Buckel
rechts: wohin mit dem Läuferbeutel? Bei 40000 Teilnehmern ist die logistische Abwicklung nicht ganz so einfach

Nochmal anstehen fürs Dixi Klo (Türen sind auf der anderen Seite)
Läuferbeutel weg und ab in den Starterblock

links: Nochmal anstehen fürs Dixi Klo (Türen sind auf der anderen Seite)  rechts: Läuferbeutel weg und ab in den Starterblock

Ich muß in den Block für die Zielzeit 2:50-3:00 Stunden. Die werden mich in der jetzigen Verfassung überrennen. Deshalb ordne ich mich auch ganz hinten ein. Ich will mit einer Pace von 4:30min/km starten. Mal sehen wie ich das verkrafte und dann schauen wir weiter. Die Stimmung ist prächtig. Das Wetter absolut top. Quasi Bestzeitenwetter. Man darf also gespannt sein, ob heute evtl. der Weltrekord vom letzten Jahr geknackt wird. Die entsprechenden Top Läufer sind am Start. Man hat sogar weitere Prominenz für den Startschuss und das Gelaber vorm Start verpflichtet. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, Diskus-Olympiasieger Robert Harting sowie Till Schweiger und Didi Hallervorden sind anwesend. Jeder erzählt ein bisschen was und um 9:00 Uhr fällt endlich der Startschuss. Es dauert noch nicht mal eine Minute, da überquere ich die Startlinie.

Das Feld ist proppenvoll, dennoch kann man tatsächlich sein Tempo laufen. Ein paar Manöver müssen gelaufen werden, Läufer/innen, bei denen man sich fragt wie die überhaupt in den Block gekommen sind gibt es natürlich auch. Aber sonst geht es doch relativ zügig voran. Keine plötzlichen Temporeduzierungen von Feld, keine größeren Engstellen. Die Straße des 17.Juni hinunter, Siegessäule umlaufen, und schon wird KM1 mit 4:37min/km abgedrückt. Weiter im Fluss der Masse an der S-Bahnstation am Tiergarten vorbei. Jetzt schon tolle Unterstützung von den Zuschauern am Straßenrand. KM2 in 4:28min gelaufen. Ein perfekter Start. Nicht überpaced und auch nicht hoffnungslos im Zeitrückstand. Der Puls ist allerdings schon bei 156 (86%). Kreisel am Ernst Reuter Platz. Abzweig rechts in die Marchstraße. KM3 in 4:30min. Ich habe Durst! Außer 3 Tassen Kaffee und ein kleines Glas Orangensaft habe ich heute noch nichts getrunken. Ganz schön blöd! Den Versorgungspunkt bei KM5 darf ich auf keinen Fall verpassen!

rechts: gleich bei KM1 wird die Siegessäule halb umlaufen. Bildquelle: Nikolai Schwerg

gleich bei KM1 wird die Siegessäule halb umlaufen. Bildquelle: Nikolai Schwerg

Über den Landwehrkanal geht es in die Franklinstraße. Was mir jetzt schon auffällt, wer sich heute auf seinen Forerunner verläßt, der ist verlassen! Pro gelaufenen km gibt der Forerunner nochmal ca.10-30 Meter gratis obendrauf! Das bedeutet, die Pace Angaben kann man somit gleich mal in die Tonne treten. Wirklich verläßlich sind nur die handgestoppten KM Marker.

Top Stimmung im Stadtteil Moabit. Es wird eng, Abzweig in die Straße Alt Moabit. Kleiner Rempler mit einem Dänen. Der fällt fast hin, kann sich aber noch abfangen. "Are you ok?" - "Yes, no problem!" Puh! Das war knapp! KM4 in 4:27min. Der Puls hat sich jetzt auf 150 (83%) eingependelt. Gut so, das läuft bisher alles nach Plan! Und na klar werde ich versuchen die Sub 3:10 zu laufen! Was denn sonst? Ich bin ja hier nicht zum Spaß!

Jetzt volle Konzentration auf den Versorgungsstand. Ich muß trinken! Ganz nah ran an die Tische, Wasserbecher geschnappt und rein damit. Es ist voll an den Ständen, aber keine Zeit verloren. 5km Durchlauf, Uhr steht auf 22:24 Minuten. Das ist genau auf Kurs Sub 3:10. KM6 bestätigt das mit 4:23min/km. Brücke über die Spree. Vorbei am Bundeskanzleramt und Bundestag. KM7 weiter in 4:23min/km. Wieder über die Spree auf die Reinhardtstraße. Am Ende der Straße kann man schon den Friedrichstadtpalast erkennen.


vorbei am Bundeskanzleramt. Bildquelle: Martin Künzel

oben: vorbei am Bundeskanzleramt. Bildquelle: Martin Künzel

Über die Friedrichstraße in die Torstraße. Schon kommt KM9. Die 8 hab ich übersehen. Die Uhr zeigt eine Pace von 4:21min/km für die letzten beiden KM. Allerdings auch schon einen Puls von 160 (88%). Weiter geht es durch Berlin Mitte. Die Messmette für KM10 wird es zeigen ob ich auf Kurs bin. 44:13 Minuten. Sehr gut! Das hätte ich mir wirklich nicht träumen lassen. Mal kurz ein Vergleich mit dem Münster Marathon vor 3 Wochen. 13 Sekunden schneller und wesentlich frischer.

Weiter Mollestraße, Abzweig rechts in die Otto-Braun Straße. KM11 in 4:21min bleibt schnell. Ein kurzer Blick auf den Alexanderplatz mit dem Fernsehturm im Hintergrund bevor es links in die Karl-Marx Allee geht. Wieder ein weiteres Stimmungsnest treibt die Läufer/innen an. 270° im Kreisel laufen am Straußberger Platz. 4:23min am km12 Schild abgedrückt. Das wird nicht mehr lange so weiter gehen. Ich muß mir die Kräfte einteilen, so locker ist das auch nicht mehr. Die Lichtenbergerstraße runter, wieder über die Spree nach Kreuzberg. KM13 in 4:38min. Jetzt heißt es kühlen Kopf bewahren und nicht durchdrehen. Einfach mal ein paar KM das Tempo etwas rausnehmen und wieder erholen. Heinrich-Heine Straße runter, KM14 mit 4:28min wieder im Soll. Auch hier in Kreuzberg super Stimmung. Über den Moritzplatz, Abzweig links in die Ritterstraße. Nächste Messmatte kommt. KM15, mit 1:06:16 weiter top. Macht eine Schnittpace von 4:25min/km.


Am Ende der kann man schon den Friedrichstadtpalast erkennen.Bildquelle: Dabbelju
Bildquelle: Elkawe

links: Am Ende der Reinhardtstraße kann man schon den Friedrichstadtpalast erkennen. Bildquelle: Dabbelju
rechts: kurzer Blick beim vorbeilaufen auf den Alexanderplatz mit dem Fernsehturm. Bildquelle: Elkawe

Über den Kreisel am Kottbusser Tor in die Kottbusser Straße. Puls jetzt teilweise über 160 (88%). Irgendwie läuft mir extrem der Schleim den Hals runter. Das macht es nicht einfach genügend Luft zu bekommen. Diese chronische NNH-Entzündung ist wirklich zum kotzen. Der Landwehrkanal wird überquert. Rein in den Stadtteil Neu-Kölln. Obwohl ich eigentlich ein wenig Tempo rausnehmen wollte, bleibt die Pace jetzt konstant um die 4:25min/km von KM16-20. Kottbusser Damm, dann rechts ab am Hermannplatz in die Richtung Schöneberg. Zur linken der Volkspark Hasenheide. KM18 am Südstern vorbei. Noch einmal geht es durch Kreuzberg. Gneisenaustraße, Yorkstraße. Beim nächsten Verpflegungspunkt wird es mal Zeit für Gel. Da müßte doch bald mal was kommen. Ja endlich, genau bei KM20. Rein mit dem Zeug! Wasser hinterher. Das bringt jetzt hoffentlich bald neue Energie.

Unter den nicht enden wollenden Bahngleisen vom Gleisdreieck führt jetzt die Strecke. Wenigstens gibt das ein bisschen Schatten, denn auch die Sonne knallt inzwischen schön auf den Kopf. Wir sind in Schöneberg angekommen. Ich bin gespannt auf den Halbmarathon Durchlauf. Man kann den Bogen schon sehen. Auch hier einfach nur sensationelle Anfeuerung von beiden Seiten der Straße. HM Durchlauf bei 1:33:08. Das sind schon fast 2 Minuten Vorsprung auf die Sub 3:10. Aber erfahrungsgemäß wird der 2.Abschnitt um einiges langsamer als die 1.Hälfte. Vergleich mit der Zeit von Münster (1:33:22), 14 Sekunden schneller und wesentlich besser drauf! Also, dieser Marathon heute kann nur ein Ziel haben, Sub 3:10!

Abzweig links in die Potsdamer Straße, nur ein kurzes Stück dann geht es gleich wieder rechts in die Grunewaldstraße. Eine 4:24min für KM22. Ich brauch nochmal ein Getränk. Das Gel ist immer noch nicht ganz runtergespült. Die Tische kommen, ich komme gar nicht ran. Zu viel los. Mist, das war‘s leider. Da ist schon das Iso. Aber da ganz hinten gibt es Tee. Ja warum denn nicht. Also Tee rein, und der schmeckt wirklich super. Das erfrischt total, und irgendwie bekommt man wie einen neuen Schub. Links runter in die Martin Luther Straße. KM23 weiterhin mit 4:25 gelaufen. Sehr gut! Jeder KM unter 4:30min bringt mich näher an die Sub 3:10. Ein weiterer Highlight zur rechten. Das Rathaus Schöneberg kommt. Die Begeisterung der Zuschauer ist nach wie vor ungebrochen. Das ist erste Sahne hier in Berlin. Und fast keine Totpunkte auf der Strecke bisher.


Km18. Kirche am Südstern im Stadtteil Neukölln. Bildquelle: -jkb-
Ein weiterer Highlight das Rathaus Schöneberg bei ca. KM23,5. Bildquelle: Axel Mauruszat

links: Km18. Kirche am Südstern im Stadtteil Neukölln. Bildquelle: -jkb-
rechts: Ein weiterer Highlight das Rathaus Schöneberg bei ca. KM23,5. Bildquelle: Axel Mauruszat

Über den Innsbrucker Platz in den Stadtteil Friedenau. KM24 wieder in 4:25min. Puls jetzt auf 164 (91%). Das wird sich jetzt wohl nicht mehr ändern lassen. Schon wieder ein Rathaus. Diesmal das von Friedenau. Man bekommt hier wirklich was geboten. Die Messmatte für KM25 überquere ich bei 1:50:25. Die letzten 5km mit Pace 4:26min/km immer noch sehr ordentlich. Es sind nur noch 17km! Ich kann das heute packen! Wenn ich dieses Tempo bis weit über die 30km halten kann. An der denkmalgeschützten Kaisereiche biegt die Strecke nach rechts ab in die Schmiljan Straße. Dann Kaiser-Friedrich-Platz schräg über die Bundesallee in die Wiesbadener Straße. Stur versuche ich den Rhythmus weiter zu laufen. KM26 drücke ich zu meinem Erstaunen sogar mit 4:19min ab. Was ist denn da heute los? Wir sind 16km vor dem Ziel und ich lasse nicht abreißen. Mir geht es gut, und so langsam sammele ich immer öfter Läufer/innen ein. Nicht zu euphorisch werden, es ist noch ein weiter Weg!

Weiter im Südwestkorso Stadtteil Wilmersdorf auf den Breitenbachplatz zu. KM27 in 4:28min gestoppt. Unter der Stadtautobahn durch in die Lentzeallee. Nochmal Versorgungspunkt. Hier werden sogar Power Bar Gels ausgegeben. Da greife ich doch gerne zu, obwohl ich noch ein Pack dabei habe. Schließlich kosten die Dinger 1,80€. Immer weiter im Takt. 4:29min für KM28. Wieder mächtig Stimmung. Wir steuern genau auf den Platz am Wilder Eber zu. Ein Sprecher hält uns auf dem aktuellen Stand des Marathons. „Kein neuer Weltrekord. Geoffrey Mutai aus Kenia gewinnt in 2:04:15“.


Nächstes Rathaus bei KM25. Diesmal das von Fiedenau, Bildquelle: Axel Mauruszat
An der denkmalgeschützten Kaisereiche geht es rechts ab in die Schmiljan Straße. Bildquelle: BishkekRocks

links: Nächstes Rathaus bei KM25. Diesmal das von Fiedenau, Bildquelle: Axel Mauruszat
rechts: An der denkmalgeschützten Kaisereiche geht es rechts ab in die Schmiljan Straße. Bildquelle: BishkekRocks

Die Stimmung beflügelt und ich lege noch eine Schippe drauf. KM29 in 4:21min abgedrückt. So langsam wird mir das unheimlich. Das kann nicht mehr lange dauern, dann werde ich hier so gnadenlos einbrechen, schwirren die Gedanken in meinem Kopf rum. Puls inzwischen bei 166 (92%). Ach, alles Quatsch! Ich fühle mich gut, und werde hier keine Spur vom Kurs abweichen. Heute ist meine Chance, und die werde ich nutzen! Abzweig rechts in den Hohenzollerndamm Stadtteil Schmargendorf. KM30 Messmatte bei 2:12:25 überquert. Letzten 5km mit Pace 4:25min/km gelaufen. Das läuft wie im Film. Nochmal Gel rein, Wasser dazu. Auf geht’s, noch 12km!

Zur rechten die Kreuz Kirche, vor mir Läufer/innen welche immer langsamer werden. Das macht jetzt richtig Spaß! Nicht nachlassen! Immer weiter die Pace halten. KM31 in 4:23min. Noch 11km! Das ist nicht mehr weit! Das ist die kleine Standard Trainingsrunde auf dem Kühkopf! Unter der Stadtautobahn durch, getrieben von den vielen Zuschauern an der Strecke kommt schon der nächste Marker. 4:14min für KM32! Das halt‘ ich im Kopf nicht aus!

Fehrberliner Platz, abzweig links. Am Preußenpark vorbei und gleich wieder rechts in die Konstanzer Straße. Nochmal diesen geilen Tee am Versorgungspunkt geschnappt. Schon wieder ein KM Marker. 4:21min für die 33. Die ersten gehen schon. Ein paar weitere schlurfen nur noch die Strecke entlang. Und jetzt geht die Party erst richtig los! Abzweig auf den Kurfürstendamm. Sensationelle Stimmung von beiden Seiten. Ich laufe und laufe, KM34 in 4:23min. Noch 8,2km und ich habe dafür knapp über 40 Minuten Zeit um am Ende eine Sub 3:10 auf der Uhr zu stehen zu haben.

Vor mir die Gedächtniskirche. Leider fast komplett verhüllt wegen Renovierungsarbeiten. Leichter Knick am Breitscheidplatz in die Tauentzienstraße. KM35 in 4:29min ein bisschen schwächer aber auf jeden Fall noch voll im Soll. Wittenbergbergplatz wird umlaufen. Nochmal Wasser rein und ein bisschen über den Kopf. Die Sonne heizt jetzt gegen Ende doch ein bisschen ein. KM36 wieder sehr schnell in 4:20min gelaufen. Nollendorfplatz umlaufen, die Bülow Straße weiter runter. Scharfe Linkskurve in die Potsdamer Straße. Hier drängen die Zuschauermassen ja quasi auf die Strecke. Das ist so geil! KM37 in 4:24min. Gesamtzeit 2:43:02. Bisschen mehr als 5km zu laufen. Das nimmt mir heute keiner mehr. Sub 3:10 ist jetzt selbst im lockeren 5’er Schnitt immer noch drin.


Kurfürstendamm. Im Hintergrund das Europa Center. Bildquelle: Dieter Brügmann
Die Gedächtniskirche. Wegen Renovierungsarbeiten zur Zeit fast vollständig verhüllt. Hier noch ohne Verhüllung. Bildquelle: GerardM

links: Kurfürstendamm. Im Hintergrund das Europa Center. Bildquelle: Dieter Brügmann
rechts: Die Gedächtniskirche. Wegen Renovierungsarbeiten zur Zeit fast vollständig verhüllt. Hier noch ohne Verhüllung. Bildquelle: GerardM

Noch einmal über den Landwehrkanal. KM38 in 4:26. Puls jetzt logischerweise auf 170 (94%). Aber es sind ja nur noch 4km! Langgezogene Rechtskurve und schon kommt der Potsdamer Platz zum Vorschein. Die breite Leipziger Straße runter. Das zieht sich jetzt ein bisschen, und natürlich laufe ich jetzt auch am Limit, aber das kann man durchziehen bis ins Ziel. Trotz schwindender Kräfte KM40 mit 4:26 abgedrückt. Abzweig rechts, letzter Versorgungsstand kommt. Ich grabsche nach Wasser, ein Helfer brüllt mich an, los Frank, hau noch mal alles rein! Wie geil sind die denn hier? Das nenn‘ ich mal ein top Verpflegungspunkt. Die machen ja total mit! Also nochmal alles rein hauen!

Links in die Mohrenstraße, dann gleich rechts in die Markgrafensztraßen. Kurzer Blick rüber zum Deutschen Dom, dann Konzerthaus am Gendarmenmarkt und die Friedrichstadtkirche. Links in die Französische Straße, weiter die Pace halten, auch wenn das jetzt wirklich weh tut. Zähne zusammen beißen. Friedrichstraße wird überquert, KM41 in 4:26min. Uhr steht auf 3:00:41. Ich kann das kaum glauben, was hier abläuft, aber in gut einem KM ist es durch! Nochmal rechts in die Glinkastraße. Am Ende ist die Straße Unter den Linden. Das nimmt mir keiner mehr. Abzweig links, und jetzt kann man das Brandenburger Tor sehen!


Gendarmenmarkt - Deutscher Dom und Konzerthaus bei KM40,5. Bildquelle: Ingrid Strauch
Brandenburger Tor. Nur noch ein paar hundert Meter zur neuen Jahresbestzeit. Bildquelle: Thomas Wolf, www.foto-tw.de

links: Gendarmenmarkt - Deutscher Dom und Konzerthaus bei KM40,5. Bildquelle: Ingrid Strauch
rechts: Brandenburger Tor. Nur noch ein paar hundert Meter zur neuen Jahresbestzeit. Bildquelle: Thomas Wolf, www.foto-tw.de

Jetzt geht es nur noch vorwärts. Die Zuschauer auf beiden Seiten peitschen die Läufer/innen zum Ziel. Der Durchlauf durch Brandenburger Tor wird zum Triumpf. Aber es ist noch nicht Schluss. Ein paar hundert Meter sind es noch. Rechts und links der Strecke sind zusätzlich noch Tribünen aufgebaut. KM42 in 4:19min gelaufen. Uhr steht auf 3:05:00. Nochmal alles reinhängen, dann bleibt die Uhr unter 3:06! Wie geil ist das hier, ich werd' verrückt. Der Zieleinlauf kommt. Ich hab’s geschafft – 3:05:47 ich werd' wahnsinnig! Was für ein Hammer! Beste Zeit seit Wien im April 2011.

Gleich mal ne Folie umgehängt und weiter in der Zielbereich. Immer wieder die Ansage, „nicht stehen bleiben, weiter gehen!“ Der Zielbereich befindet sich in unmittelbarer Umgebung vom Platz der Republik und dem Reichstag. Die Sonne scheint, es gibt kühles alkfreies Weizen, überall glückliche Menschen. Es ist herrlich! Danke Berlin für diesen schönen Tag!


Da kommt freude auf! In 3:05:47 Berlin gefinished. Prost!
Super Stimmung bei den Finishern nach dem Marathon

links: Da kommt freude auf! In 3:05:47 Berlin gefinished. Prost!  rechts: Super Stimmung bei den Finishern nach dem Marathon

Zum Duschen gibt es Zeltduschen. Das Wasser ist warm, was will man mehr. Frisch geduscht geht es weiter zu Gabi, die inzwischen ebenfalls im Zielbereich ist. Mit 3:40:57 ist sie für einen Vorbereitungslauf zum 100’er in Hanau eine verdammt schnelle Zeit gelaufen. Wir trinken noch ein paar Weizen dann geht es für Gabi schon wieder nach Hause. Ich bleibe bis Montag und gönne mir abends ein leckeres Abendessen und ein paar Weizen.

Das hab ich mir verdient. Fressen bis zum abwinken. Vegetarisches Büfett im der "Seerose" Berlin Kreuzberg
Randvoller Teller mit Lekereien und dazu Öko Weizenbier.

links: Das hab ich mir verdient. Fressen bis zum abwinken. Vegetarisches Büfett im der "Seerose" Berlin Kreuzberg
rechts:
Randvoller Teller mit Lekereien und dazu Öko Weizenbier.

-> Laufanalyse Berlin 2012 im Herbst Marathon Vergleich